• Afrikanische Schweinepest (ASP) wandert in Richtung Bayern
  • 500 Kilometer Schutzzäune in Franken, Oberpfalz und Niederbayern sollen Ausbreitung eindämmen
  • Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber: "Wir nehmen die Situation sehr ernst"
  • Viruserkrankung endet für Wild- und Hausschweine häufig tödlich
  • Für den Menschen ist der Erreger aber ungefährlich

Bayern trifft Schutzvorkehrung gegen Afrikanische Schweinepest: Zäune von 500 Kilometern Länge in Oberfranken, Unterfranken, Oberpfalz und Niederbayern. Der Freistaat Bayern bereitet sich auf den Einzug der Afrikanischen Schweinepest (ASP) vor. Durch Schutzzäune von einigen Hundert Kilometern Länge an den Autobahnen soll die Verbreitung der gefährlichen Tierseuche gestoppt werden.

Afrikanische Schweinepest: Hochansteckende Tierseuche wandert nach Bayern

"Wir nehmen die aktuelle Situation sehr ernst", sagt Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler). Ihm zufolge wurden insgesamt rund 500 Kilometer feste Wildschutzzäune entlang der Autobahnen an den Grenzen zu Sachsen, Thüringen und Tschechien installiert. Auch in Franken wappnen sich die Landwirte für den Ernstfall. "Die Afrikanische Schweinepest könnte jederzeit auch bei uns auftreten", teilt das Veterinäramt der Stadt Hof inFranken.de mit. 

In Deutschland ist die hochansteckende Tierseuche zum ersten Mal am 10. September 2020 festgestellt worden. Laut Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) wurde die Krankheit bei einem toten Wildschwein in Brandenburg in der Nähe der deutsch-polnischen Grenze diagnostiziert. Inzwischen wurden auch Fälle in Sachsen bekannt. Bis die Seuche Bayern erreicht, ist offenkundig nur eine Frage der Zeit.

Um die Ausbreitung aufzuhalten, muss der Wildschweinbestand deutlich schrumpfen. Jägern zufolge müssten dafür zahlreiche Wildschweine erschossen werden. In Bayern wurde die Abschussprämie für männliche Tiere (Keiler) in den grenznahen Landkreisen zu Thüringen, Sachsen und Tschechien von 20 Euro auf 100 Euro pro Tier verfünffacht, berichtet die Agentur News5.

Bei der Afrikanischen Schweinepest handelt es sich laut Bayerischem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) um eine virusbedingte Infektionskrankheit. Erreger ist ein Virus, das sowohl Wild- als auch Hausschweine befällt. Es wird über direkten Kontakt, über Ausscheidungen infizierter Tiere oder über Zecken übertragen. Das Virus stammt ursprünglich aus Afrika, wo es in der Regel Wildtiere befällt.

Kein Gesundheitsrisiko: Schweinepest für Menschen ungefährlich

Menschen können sich mit der Afrikanischen Schweinepest dagegen nicht anstecken. "Der Erreger der ASP ist nicht auf den Menschen übertragbar", sagt Professor Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Ein Gesundheitsrisiko gehe weder durch unmittelbaren Kontakt mit kranken Tieren noch vom Verzehr infizierter Haus- oder Wildschweine aus. Für Menschen birgt das Virus somit keinerlei Gefahr. Anders sieht es bei Wild- und Hausschweinen aus: Für sie endet eine Ansteckung oft mit dem Tod. Die fränkischen Schweinehalter sind daher in großer Sorge. 

Vor allem für Oberfranken besteht aufgrund seiner Nähe zu Sachsen die Gefahr, dass infizierte Wildschweine die Krankheit in die hiesigen Breitengrade einschleppen. Laut dem Veterinäramt der Stadt Hof könnte die Afrikanische Schweinepest "jederzeit auch bei uns auftreten". In der Region sind deshalb bereits Präventivmaßnahmen ergriffen worden.

"Um einer Einschleppung entgegenzuwirken, wurden Betriebe, Jäger und Landwirte umfassend informiert und für die Einhaltung notwendiger Hygienemaßnahmen sensibilisiert", erklärt Ilona Hörath, Pressesprecherin der Stadt Hof. "Insbesondere weisen wir auf den hygienischen Umgang mit Jagdutensilien und Jagdkleidung hin. Diese sollten nach Gebrauch gewaschen werden." Jagdreisen in betroffene Regionen sollten zudem unterlassen werden. 

Gefahr für Schweinehaltung: Fränkische Landwirte in Sorge

Insbesondere unter den Bauern, die Schweine als Nutztiere halten, geht nun die Angst um. "Da ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Hof mit Restriktionen für die Landwirte einhergehen würde, besteht hier sicherlich große Besorgnis", berichtet Hörath. Um der Seuche Einhalt zu gebieten, müssen Schweinehalter die Hygienemaßnahmen nach der sogenannten Schweinehaltungshygieneverordnung beachten.

Doch wie sehen diese Maßnahmen konkret aus? "Die Hygienekonzepte zielen darauf ab, zu verhindern, dass das ASP-Virus in den Hausschweinebestand gelangt. Hierfür ist sicherzustellen, dass jeglicher direkte oder indirekte Kontakt zwischen Hausschweinen und Wildschweinen unterbunden wird", erklärt Hörath.

Die Schweineställe müssen außerdem eingezäunt sein und dürfen nur mit betriebseigener Schutz- oder Stallkleidung und nach Desinfektion des Schuhwerks betreten werden. Futter und Einstreu sind laut Auskunft des Veterinäramts vor Wildschweinen geschützt zu lagern. Speisereste dürfen nicht verfüttert werden. Auch auf eine konsequente Bekämpfung von Ratten oder Mäusen gilt es für die Landwirte zu achten.

Hygienemaßnahmen: Veterinäramt kontrolliert Betriebe

Schweinehalter sind ferner verpflichtet, den Gesundheitszustand ihrer Tiere täglich zu kontrollieren. Um zu sehen, ob die vorgeschriebenen Maßnahmen auch Umsetzung finden, stattet das Veterinäramt den Betrieben einen Besuch ab. "Die Einhaltung wird von uns regelmäßig im Rahmen von Betriebskontrollen überprüft", heißt es vonseiten der Stadt Hof. 

Fazit: Nachdem die Afrikanische Schweinepest bereits in Brandenburg und Sachsen ausgebrochen ist, wappnet sich Bayern gegen die Ausbreitung der Tierseuche. In Franken, der Oberpfalz und Niederbayern errichtet der Freistaat aktuell Schutzzäune mit einer Gesamtlänge von rund 500 Kilometern. Entlang der Autobahnen im Grenzbereich zu Sachsen, Thüringen und Tschechien sollen die Zäune das hochansteckende Virus stoppen.