Knapp 24 Stunden nach dem verheerenden Busbrand mit 18 Toten auf der A9 klingt Martin Schödel am Telefon noch immer mitgenommen. "Ich bin seit 30 Jahren bei der Feuerwehr. Das gestern war für uns alle nicht einfach. Aber so schrecklich es auch ist: Auch für solche Ereignisse trainieren wir im Vorfeld", sagt der 1. Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Münchberg, der als einer der ersten am Unfallort war.




Gemeinsam mit den Feuerwehren aus Gefrees und Helmbrechts und zahlreichen weiteren Rettungskräften waren die Münchberger Kollegen am frühen Montagmorgen in Richtung Autobahn geeilt. Dass sie bei der Anfahrt mal wieder behindert wurden, hat Schödel nicht wirklich überrascht. "Das Problem mit der Rettungsgasse gibt es praktisch bei jedem Einsatz auf der Autobahn. Die Gasse war gestern genauso schlecht wie sonst auch." Gerade für die größeren Fahrzeuge sei es regelmäßig "eine Quälerei", zum Unfallort zu gelangen. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte in diesem Zusammenhang am Montag von einem "völlig unverantwortlichen und beschämenden Verhalten" mancher Autofahrer gesprochen.


"Strafen sind zu lasch"

Dabei gilt in Deutschland eine klare Regelung: Bereits bei stockendem Verkehr muss eine Gasse gebildet werden (siehe Grafik). Dabei muss gewährleistet sein, dass Rettungskräfte wie Polizei, Krankenwagen, Arzt- und Abschleppfahrzeuge problemlos passieren können.

Warum es trotzdem regelmäßig zu Blockaden kommt, darüber kann Schödel nur spekulieren. Zum einen gäbe es den Typ Autofahrer, der sich bei einem Stau in die kleinsten Lücken drängeln will, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Außerdem seien die drohenden Strafen viel zu lasch. "Das schreckt doch niemanden ab."

Der Feuerwehrmann ist sich sicher: Das Verhalten der Blockierer kann nur geändert werden, wenn man die Regelungen ändert. Das Nachbarland Österreich sei da ein positives Beispiel: Hier ist die Bildung und das Freihalten einer Rettungsgasse im Verkehrsgesetz verankert. Wer auf Autobahnen und Schnellstraßen mit mindestens zwei Spuren die Spur blockiert, muss mit Geldstrafen von bis zu 726 Euro rechnen. Wenn Einsatzfahrzeuge behindert werden, droht sogar eine Geldstrafe von bis zu 2180 Euro.


Kommt eine neue Verordnung?

Immerhin: Seit Mai gilt es in Deutschland als Straftat, bei Unglücksfällen vorsätzlich Einsatzkräfte zu behindern. Darauf stehen Geldstrafe oder bis zu ein Jahr Haft. Wer eine Rettungsgasse blockiert, muss allerdings meist nur mit einem Bußgeld von 20 Euro rechnen. Verkehrsminister Dobrindt will die Regelungen deshalb verschärfen. Wer beispielsweise keine Gasse bildet und die Einsatzkräfte zu einem Fahrmanöver zwingt, soll in Zukunft mit einem Bußgeld von 115 Euro und ein Punkt bestraft werden. Am kommenden Freitag soll der Bundesrat der neuen Verordnung zustimmen. Die Vorschläge könnten allerdings noch nach oben korrigiert werden: Die Länder fordern deutlich höhere Bußgelder.

Inwieweit es am Montag beim Unfall auf der A9 zu Behinderungen der Rettungskräfte gekommen ist, wird derzeit geprüft. "Sollte sich ein Anfangsverdacht ergeben, wird mit Nachdruck ermittelt", heißt es in einer Erklärung des Polizeipräsidiums Oberfranken.