Es ist der Alptraum für die örtliche Gemeinschaft. Ein Fest, das seit Jahrzehnten gefeiert wurde, steht vor dem Aus, weil Anwohner sich über die ihrer Meinung nach zu hohe Lärmbelastung beschweren. Sofort fallen einem frühere Urteile ein, wo Fremde aufs Land zogen und sich anschließend vor Gericht erfolgreich gegen das Läuten von Kuhglocken auf der Weide zur Wehr setzten.

Doch der Fall von Kahl am Main, wo das Würzburger Verwaltungsgericht den Beschwerden der Anwohner gegen die Lärmbelästigung an drei Kirchweihtagen stattgegeben hat, liegt etwas anders. Auch wenn die Entscheidung der Richter für den geologisch tiefsten Ort in Bayern einen Tiefpunkt bedeutet, der leicht auch in anderen Gemeinden eintreten könnte (oder schon eingetreten ist).

Wer das Verhalten der Kläger einfach mit fehlender Toleranz abtut, macht es sich zu leicht. Wie traditionell sind Kirchweihfeste heute noch? Was unterscheidet den Kirchweihbrauch von anderen Festen? Wer sich diese Fragen stellt, könnte zum Ergebnis gelangen, dass Kommerz die Kultur längst verdrängt hat.