In den 32 Jahren, die Gertrud Pfaff schon Taxi fährt, hat sie kaum schlechte Erfahrungen gemacht. "Ein Mal hat mich ein Fahrgast beleidigt, den ich nachts von einer Kneipe abgeholt habe. Er meinte, eine Frau die Nachts arbeitet, taugt nichts."

Die Taxifahrerin aus Zeil schnaubt verächtlich. Von wegen. Vor einem Jahr hat die zierliche 63-Jährige die Führung des Familienunternehmens an Schwiegertochter Katja Pfaff übergeben - nach 31 Jahren.
Nun lenkt die 38-Jährige zusammen mit Ehemann Alexander (38) das Familienunternehmen. "Aber wir sind schon noch da, wenn sie uns brauchen", sagt Gertrud Pfaff und ihr Mann Waldemar, der neben ihr am Küchentisch sitzt, nickt bekräftigend.

Seinen Erzählungen nach muss das Berufsleben eines Taxifahrers vor 20 Jahren viel aufregender gewesen sein. Denn heute sind 90 Prozent der Fahrgäste kranke Patienten, die im Auftrag der Krankenkassen zur Behandlung gefahren werden. Das ist auch bei den meisten anderen Taxiunternehmen im Landkreis so. Horst Schneider aus Ebelsbach fährt seit 27 Jahren Dialyse-Patienten. Irene Schweinfest aus Burgpreppach schätzt den Anteil der Krankentransporte auf 98 Prozent.

"Reine Taxifahrten haben wir auf dem flachen Land kaum", bestätigt Alexander Pfaff. Außer am Wochenende, da werde der Taxiruf unter jungen Leuten immer beliebter.

Krankenfahrten sind die Haupteinnahmequelle des Familienunternehmens Pfaff. "Da haben wir Schweigepflicht, da können wir nichts erzählen", sagt Gertrud Pfaff. Nur so viel will sie sagen: "Wenn man jemanden ein Vierteljahr lang drei Mal pro Woche zur Bestrahlung fährt, da wachsen einem die Menschen schon ans Herz."
Vor allem Katja Pfaff schwärmt von den Begegnungen, die bei solchen - eigentlich tragischen - Fahrdiensten, entstehen. "Ich mag meine Arbeit und ich habe nur schöne Erlebnisse. Ich lache mit alten Menschen, mit Todkranken und mit Prostituierten", sagt Katja Pfaff.

Einladung ins Bordell

Prostituierte?! "Weißt Du noch, als wir den Zuhälter und die Prostituierte nach Schweinfurt gefahren haben?", fragt Gertrud Pfaff ihren Ehemann und kichert. Der Zuhälter und seine Begleiterin wollten nach einer Zechtour im Kreis Haßberge zurück nach Schweinfurt. Das Auto wollten sie aber nicht stehen lassen.

Also bestellten sie bei Pfaffs ein Taxi und einen extra Fahrer. Waldemar Pfaff fuhr das Paar in ihrem Wagen, Gertrud Pfaff fuhr mit dem leeren Taxi hinterher, um ihren Mann später einsammeln zu können. In Schweinfurt lud der Zuhälter das Ehepaar auf ein Getränk in sein Etablissement ein. "Also ich muss sagen, das waren sehr anständige Prostituierte. Die haben uns nicht angemacht oder so", erzählt Gertrud Pfaff. "Und der Zuhälter war auch gut drauf."

In den vergangenen Jahren seien solche "besonderen Fahrten" aber seltener geworden, sagt Waldemar Pfaff. "Naja, ich fahr ` schon noch ab und zu Prositituierte", wirft Schwiegertochter Katja ein.
Aggressive Gäste seien dagegen die Ausnahme, meint Alexander Pfaff. Dafür wollten immer mehr Kunden nicht zahlen. Erst Anfang Oktober suchte die Polizei nach zwei Männern, die die Fahrt von Bamberg nach Haßfurt nicht zahlten und flüchteten.

Den letzten Fahrgast, der sich weigerte, konnte Alexander Pfaff durch einen Anruf bei der Polizei überzeugen. Taxikollegen bevorzugen andere Methoden. Irene Schweinfest lässt sich den Personalausweis oder das Handy als Pfand geben. "Den Großteil der Kunden kennt man ja und so haben wir es noch immer hingekriegt."
Emin Nayir, Inhaber von "Taxi Hassfurt", versucht, mit den Gästen zu reden. "Wenn man die Polizei ruft, kriegt man sein Geld auch nicht", sagt er. Sein Haßfurter Betrieb setzt fast die Hälfte seines Umsatzes am Wochenende um. "Wenn die jungen Leute weggehen", sagt der 28-Jährige.

Ob sich da nicht manchmal einer im Auto übergibt? "Ein guter Fahrer merkt, wenn einem schlecht wird und hält sofort an", sagt Emin Nayir. Aber es sei schon vorgekommen...
Gertrud und Waldemar Pfaff erinnern sich lieber an die komischsten Erlebnisse ihrer Taxikarriere. "Weißt Du noch, als Du eine Frau in die Psychiatrie gefahren hast und aus Versehen eingesperrt wurdest?", fragt sie. Alle lachen, am lautesten Waldemar Pfaff selbst.