Acht Quadratmeter mit einer Kollegin teilen und nachts im Stockbett schlafen. Die Platzverhältnisse in der Kabine sind eher eingeschränkt, aber für Anna Stadelmann kein Problem: Die junge Frau aus Zeil hatte sich ihren Traum erfüllt und vier Monate auf dem Kreuzfahrtschiff "Aidaprima" gearbeitet.

Die 26-Jährige war als Animateurin vier Monate lang im Einsatz und kam mit vielen tollen Eindrücken zurück. Erfahrungen als Gast konnte Anna Stadelmann bei verschiedenen Routen in der Karibik, Asien und im Mittelmeer im Vorfeld selbst sammeln. Vor drei Jahren hatte sie dann die Idee geboren, auf der "Aidaprima" zu arbeiten.


Im zweiten Anlauf klappte es

Beim ersten Anlauf war die Bewerbung mit Vorstellungsgespräch in Hamburg erfolglos. Dennoch hatte sich die 26-Jährige nicht entmutigen lassen und mit Unterstützung aus dem Familien- und Freundeskreis einen zweiten Anlauf gewagt - diesmal erfolgreich. Am 12. September im vergangenen Jahr war die Vorstellung und schon sechs Wochen später sollte die Reise losgehen.


Erst Bus, dann Schiff

Zuvor musste sie noch einen gesundheitlichen Check-up und ein "Basic-Safety-Training" mit der Erprobung von "Worst Case Szenarien" machen. "Ich bin mit dem Flixbus nach Hamburg gefahren", erinnert sich Anna Stadelmann an den Beginn ihrer Reise. Es war der 5. November 2016. Um 8 Uhr am Morgen ist sie im Hamburger Hafen an Bord der "Aidaprima" gegangen und am 4. März 2017 war die lange Fahrt zu Ende.

Das Kreuzfahrtschiff hat in Sieben-Tages-Touren verschiedene Metropolen Westeuropas angefahren. "Zu Spitzenzeiten waren 4500 Passagiere und 1000 Mann Besatzung auf dem Schiff - zahlenmäßig etwa wie eine Kleinstadt", berichtete Stadelmann.

Nach dem Auslaufen im Hamburger Hafen folgte ein Tag auf See, danach Hafentage in Southampton in England, Le Havre in Frankreich und Zeebrügge in Belgien. Im niederländischen Rotterdam war die letzte Station, dort legte das Kreuzfahrtschiff um 8 Uhr morgens ab und erreichte 24 Stunden später den Wechselhafen Hamburg. Von dort begann für die junge Frau aus Zeil die gleiche Sieben-Tages-Tour von neuem, und das vier Monate lang.


Keine Angst vor Auftritten

Bingo mit den Gästen spielen, eine nautische Fragestunde mit dem Kapitän und verschiedene andere Animationen sollten für Anna Stadelmann schon bald zum Alltag auf dem Schiff gehören. "Ich hatte keine Angst vor großen Auftritten", berichtete Stadelmann über ihre Haupttätigkeit, als Gastgeberin im "Brauhaus" des Schiffes.
Langjährige Bühnenerfahrung bei Auftritten mit der Zeiler Narrenzunft war für die junge Frau durchaus von Vorteil. So gestand sie auch: "Der Fasching in Zeil hat mir in diesem Jahr gefehlt". Um zwischendurch festen Boden unter den Füßen zu spüren, erkundete die Animateurin die eine oder andere Metropole entlang der Route.


Sturmtief "Egon"

Besonders einprägend war das Sturmtief "Egon", das Anfang Januar nicht nur im Landkreis Haßberge durchgezogen war, sondern auch das Schiff ordentlich schaukeln ließ. "Wir haben alle an einem Strang gezogen und gemeinsam aufgeräumt", zeigte sich Anna Stadelmann begeistert vom Bordleben, wo in englischer Sprache kommuniziert wird.

Gemeinsamkeit war bei 17 verschiedenen Nationen in der Crew auch gefragt: "Es war keine Feindseligkeit und kein Rassismus zu spüren". Jeder akzeptierte die Religion des anderen und so wurden zum Beispiel gemeinsam Weihnachten oder der indische Nationalfeiertag gefeiert und viele Freundschaften geschlossen. Im wahrsten Sinne des Wortes saßen ja auch alle im "gleichen Boot".

Der Abschied vom Alltag auf der "Aidaprima" fiel dementsprechend schwer, wie Anna Stadelmann erzählte. Der Arbeitgeber hatte die Bankkauffrau für die Zeit ihres Aufenthaltes auf dem Schiff freigestellt. "Es war eine anspruchsvolle Arbeit auf dem Schiff, die sehr viel Spaß gemacht und die Kreativität gefördert hat", resümierte sie.