In Ebern hat man's Schwarz auf Weiß: Weiße Linien, die Ordnung ins Verkehrschaos bringen sollen, und schwarze Schafe, die parken, als wären die Straßen der Innenstadt eine Weidefläche. Was für die Wiederkäuer die besonders saftigen Gräser und Halme, das sind für die Verkehrsteilnehmer die Geschäfte und Lokalitäten, die man ohne lange Fußwege erreichen will. Also wird direkt vor der Haustüre geparkt, selbst wenn dies den Verkehr behindert. Im rechtsfreien Raum bis zur offiziellen Einführung der verkehrsberuhigten Zone in der Innenstadt zeichnen sich massive Konflikte ab.

Inzwischen habe sich in Erwartung der Zonenausweisung eine hinhaltende Tolerierung der allzu locker gehandhabten Parkordnung "eingeschlichen", sagt Bürgermeister Robert Herrmann dazu. Doch so kann es nicht weitergehen.
Vor allem in der Kapellenstraße und Sutte hat sich eine Park-Unmoral entwickelt, die nach schneller Abhilfe ruft.

Langwierige Planungen
Doch nicht nur in den stark frequentierten Straßen ecken die Bemühungen des Stadtrats um eine Verkehrsberuhigung bei der Bevölkerung an. Immer wieder fühlen sich Anlieger durch die mit weißen Linien gekennzeichneten Parkbuchten um die Stellplätze vor ihren Häusern betrogen. Dabei hat die Stadt neun Jahre an dem Verkehrskonzept gebastelt. Der Bürgermeister weist darauf hin, dass die möglichen Stellplätze nach langer Abwägung und mehrfachen Durchgängen so festgelegt und beschlossen wurden.
"Von Anfang an war klar, dass nicht so viele Stellplätze wie gewünscht ausgewiesen werden und es Turbulenzen geben wird." Es würden in den engen Altstadtgassen aber Raum und Rangierflächen benötigt.

Sonderfall Rosengasse?
Aufgeschreckt durch die Markierung von fünf Stellflächen in der Rosengasse, einer nur für Anliegerverkehr zugelassenen Seitengasse im Stadtzentrum, die einem großen Innenhof gleicht, haben die Rosengassen-Anwohner jetzt Alarm geschlagen. Beim Bauamt der Stadt fühlten sie sich mit ihrem Einspruch nicht ernst genommen, weshalb sie Hilfe bei der SPD-Fraktion im Stadtrat suchten.
Vor Ort schilderten sie den Stadträten Jürgen Hennemann, Brunhilde Giegold und Irene Jungnickl das Problem: Nach dem "Verkehrskonzept Altstadt" sollen in der Rosengasse sechs Stellplätze markiert werden. Dies seien aber viel zu wenig, schon allein die Anwohner benötigen mehr Plätze zum Abstellen ihrer Autos, hieß es.
Den Platzbedarf habe man bisher untereinander geregelt, im nachbarschaftlichen Einvernehmen. "Wer kurzzeitig mehr Platz braucht, zum Beispiel bei einer Feier, informiert die Nachbarn, und dann kann auch vor Zufahrten und Garagen geparkt werden", erläuterte eine Anwohnerin. "Wir brauchen gar keine Markierung von Parkplätzen in der Rosengasse", meinte Jürgen Finzel, und Kristina Ziegler bestätigte: "Bisher hat es nie Probleme wegen parkender Autos gegeben."

"Besucher der Eisdiele nutzen tagsüber schon mal die Parkmöglichkeiten, sind aber nach kurzer Zeit wieder weg", hieß es übereinstimmend.

Sonderregelung für den Sonderfall?
"Diese Hofsituation ist einmalig in Ebern", stellte Jürgen Hennemann, der Fraktionsvorsitzende der SPD im Stadtrat, fest. "Auf eine solche Sondersituation muss man auch mit einer Sonderregelung reagieren", meinte SPD-Vorsitzende Brunhilde Giegold, und Irene Jungnickl befand: "Die Hofsituation und die Anlieger-frei-Regelung sprechen doch für sich."

Die SPD-Stadträte wollen nun beantragen, die Rosengasse aus dem Regulierungskonzept herauszunehmen, und die Anwohner wollen mit einem gemeinsamen Brief den Antrag unterstützen.

Wie steht's mit der Feuerwehr?
Vor allem die Befahrbarkeit durch Rettungswagen und Feuerwehr seien begrenzende Faktoren gewesen, gibt Robert Herrmann zu bedenken. Damals ließ man eigens ein Löschgruppen-Fahrzeug durch die Altstadt und die Rosengasse fahren.

"Das Argument zieht nicht", wehrt Hennemann, selbst bei der Feuerwehr aktiv, ab: "Erstens ist die Rosengasse ohnehin zu eng für manche Fahrzeuge, und zum Zweiten würde kein Verantwortlicher im Brandfall ein Einsatzfahrzeug in den engen Platz schicken". Und dann fügt er ironisch an: "Es sei denn, man bräuchte ein neues".
Bei der Bürgerversammlung in Albersdorf sagte Bürgermeister Robert Herrmann am Dienstagabend dazu, dass "wir nach Jahren nun gemeinsam eine Lösung für die verkehrsberuhigte Innenstadtzone gefunden haben", die nicht schon im Vorfeld aufgeweicht werden sollte.

Proteste einkalkuliert
Deswegen seien zwischenzeitlich viele innenstadt-nahe Parkplätze geschaffen worden. "Von dort aus erreicht man in zwei, drei Minuten die Altstadt. Wir wollen doch nicht, dass unsere Innenstadt am ruhenden und bewegten Verkehr ersäuft."
Klar ist dem Stadtoberhaupt , dass mit Einführung der verkehrsberuhigten Innenstadtzone in den nächsten Wochen - nach Fertigstellung der Neubrückentorstraße - der Protest noch lauter werden wird. Dafür hat sich der Bürgermeister schon gewappnet: "Deswegen gehe ich in nächster Zeit auch nicht in Urlaub", versprach er, just von Kreta zurückgekehrt.