Früher war er ein "wilder Jäger", sagt Bernd Reinhard über sich selbst. Was ihm vor die Büchse lief, erlegte er. Heute, nach 50 Jahren Jagderfahrung, sitzt der pensionierte Grundschullehrer aus Haßfurt am liebsten ganz in Ruhe auf seiner Kanzel und freut sich über die schöne fränkische Landschaft und die Tiere. Das, was er längst verinnerlicht hat - dass die Jagd viel mehr ist als nur Schießen -, zeigt er im Steigerwald-Zentrum Handthal. Denn: "Die Jagd ist ein wichtiges Stück der fränkischen Kulturgeschichte."

Keine protzigen Trophäen, keine mörderischen Waffen: Die Ausstellung ist, um im Naturbild zu bleiben, kein eitler Pfau, sondern eine weise Eule. Steinzeitfunde aus der Umgebung - darunter ein Mammutzahn und das Geweih eines Riesenhirschs - liegen in Glaskästen. Bilder, Bücher, Schautafeln, Alltagsgegenstände und Kunstwerke zeigen anschaulich, wie man die Tiere des Waldes im Lauf der Jahrhunderte behandelt hat. "Es soll keine Schau nur für Jäger sein", betont Andrea Reinhard, die zusammen mit ihrem Mann die Ausstellung gestaltet hat. "Sondern für alle, die fränkische Geschichte erleben wollen, speziell die des nördlichen Steigerwalds."

Diese Geschichte beginnt mit Riesenhirschen, Mammuts und Wildpferden. Sie bevölkerten in der Steinzeit das heutige Frankenland. "Der Anstieg des Steigerwaldes war ein Hotspot der Entwicklungsgeschichte. Hier haben die Menschen schon in der Steinzeit gejagt", weiß Bernd Reinhard und seine Frau ergänzt: "Das Fleisch der Tiere ernährte sie, aus den Fellen nähten sie Kleidung, aus den Knochen machten sie Werkzeuge. Ohne die Jagd hätten sie nicht überlebt."

"Hochwild" für die hohen Herren

Doch das Jagden blieb kein Recht für jedermann. Ab 700 nach Christus wurde das Land Eigentum der fränkischen Adeligen. Die Jagd zählte zu ihren großen Leidenschaften. Kaiser Karl der Große kam in den Spessart, um Auerochsen und Wildschweine zu erlegen. "Jagen wurde immer mehr zum Vorrecht für Adel und Klerus", sagt Bernd Reinhard. "Sie erließen den so genannten Wildbann, der besagte, dass der gemeine Mann, der Bauer und der Handwerker, nur noch Vögel und Kleinwild jagen durfte, Niederwild genannt." Alle größeren Tiere - "Hochwild" - waren Adel und Kirche vorbehalten.

Die Bauern wurden zu Frondiensten gezwungen, mussten als Treiber und Jagdknechte bei mehrtägigen Jagden dienen. Sie mussten etwa die Zäune bauen, mit denen das damals noch zahlreiche Rotwild für die Jagdgesellschaft umzingelt wurde. "Kein Wunder, dass die einfachen Leute ihre Wut bekamen." Letztere führte 1525 zum Aufstand gegen die Grundherren.

Die Bauern forderten, dass Jagd und Fischfang frei sein sollten und dass der Wald zurück an die jeweiligen Dörfer gegeben werden solle. Doch die Herrschaft dachte nicht daran. So brach der Bauernkrieg los. "Danach wurden die Verhältnisse noch schlimmer."

Die "Feudaljagd" erreichte ihren Höhepunkt, prachtvolle Jagdschlösser wie Pommersfelden oder Werneck entstanden. Jagden mit über hundert Pferden und ebensovielen Hunden sowie jeder Menge höfischem Prunk waren keine Seltenheit. "Am 17. Juli 1730 brachten Friedrich Carl von Schönborn und sein Gefolge bei der fürstbischöflichen Jagd 65 Hirsche zur Strecke."

Könnte das Zeiler Finanzamt reden, es hätte aus dieser Zeit so einiges zu berichten. Bis 1770 diente es den Fürstbischöfen von Seinsheim und Schönborn als "Jagdschloss". Hier rastete man, wechselte die Pferde - und das im "Wildgarten" eingesperrte Wild wurde zum Abschuss freigelassen.

Mit der Französischen Revolution 1789 und der Säkularisation 1803 endeten die ausufernden Wildschlächtereien. Immer mehr Adelsvorrechte wurden abgeschafft, auch der Wildbann. Die neue Königlich-Bayerische Regierung sprach jedem Bürger das Jagdrecht auf seinem eigenen Areal zu und ordnete eine Wildvernichtung an - "wahrscheinlich, um sich beim Volk beliebt zu machen", vermutet Reinhard.

Die Folgen waren krass: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das gesamte Rotwild im Steigerwald quasi ausgerottet. "Das letzte Stück soll 1837 im ehemaligen Forstamt Gerolzhofen zur Strecke gebracht worden sein, der wirklich allerletzte Hirsch 1890 in Gräfenneuses bei Wiesentheid."

Dann, endlich, rückte die Hege in den Vordergrund. Reinhard berichtet: "Prinzregent Luitpold war der Vorreiter für eine bessere, waidmännischere Jagd. Schon- und Hegezeiten wurden eingerichtet. Die Wildbestände in Franken stiegen wieder an - mit Ausnahme des Rotwildes."

Heute steht das Jagdrecht per se noch immer jedem Erwachsenen zu - allerdings darf er es erst ausüben, nachdem er die Jägerprüfung bestanden hat. "Heute müssen Jäger Tier- und Waldschutz unter einen Hut bekommen. Ihre Aufgabe ist vielschichtiger und verantwortungsvoller denn je."

Öffnungszeiten: Die Ausstellung "Eine Zeitreise durch die Jagdgeschichte des nördlichen Steigerwalds" ist bis 29. November im Steigerwald-Zentrum Handthal zu sehen: dienstags bis sonntags, 10 bis 18 Uhr; ab 10. November donnerstags bis sonntags, 11 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei. Kinder-Ecke: Kinder können auf Fährtensuche gehen, ein eigenes Domino oder Memory gestalten oder ein Rätsel lösen; dafür winkt als Preis eine Warnweste nebst Schirmmütze in Leucht-Orange.