Eigentlich bedrucken und verkaufen Nadine Melber und Christian Reiß T-Shirts. Seit drei Monaten geben sie aber auch kreativen Menschen im Landkreis die Möglichkeit, in ihrem Laden in Haßfurt kleine Verkaufsflächen anzumieten. "Mietfach" heißt das Konzept, das sich bereits in vielen Großstädten durchgesetzt hat - wie es scheint auch in Haßfurt.

In Nadines und Christians Laden "Soultberg" (Christians Spitzname) in der Fröbelstraße stehen und liegen Hundehalsbänder, Etageren aus buntem Porzellan, Schmuck und Seifen nebeneinander. Daneben, auf einer Kleiderstange, hängt dicht an dicht handgenähte Baby- und Kinderkleidung. Ein Stück weiter sind Lederarmbänder und Chunks (verzierte Druckknöpfe) aufgebaut - einer der Renner im "Soultberg".

Je nachdem wie lange sich ein Kunde eingemietet hat, wechselt die Auslage. Momentan stellen 15 Frauen ihre handgefertigten oder exklusiv vertriebenen Waren aus. Ein Mietfach kostet monatlich zehn Euro.

Regaleweise Kreativität
Man muss schon genau hinsehen, um alle Schmuckstücke in den Regalen wahrzunehmen. Aber ein zweiter Blick lohnt sich: Wer sich hier präsentiert, ist gut genug, um Designer zu sein, hat aber nicht die Möglichkeit, sich selbstständig zu machen.

So wie Genevieve Döpfert. Die 25-Jährige lebt mit ihren beiden Kindern, Mann und Hund in Ebelsbach und näht in ihrer Freizeit leidenschaftlich gerne. Bisher hat sie ihre Loops, Mützen, Geldbeutel oder Schuhe auf Märkten verkauft. Seit der Eröffnung von "Soultberg" sind ihre Waren auch in Haßfurt erhältlich. Genevieves größte Leidenschaft gilt außergewöhnlichen Stoffen. Seit sie in Haßfurt präsent ist, "hat sich der Umsatz verdoppelt", erzählt sie stolz.

Zum Mietfach kamen Nadine und Christian wie zum T-Shirt-Druck: durch Zufall. Eigentlich machen die beiden Veranstaltungstechnik. Christian ist gelernter Veranstaltungstechniker, Nadine Einzelhandelskauffrau.
2010 waren die beiden für ein Konzert der deutschen Band "Unheilig" zuständig - und suchten händeringend nach bedruckten T-Shirts für die Crew.

"Die Zeit wurde knapp, keiner in der Region konnte liefern. Da haben wir einem Bekannten in einer Nacht- und Nebelaktion einen Plotter und eine Presse abgekauft", erzählt Nadine. Und weil die Geräte schon mal in der Wohnung - später in der angemieteten Wohnung darunter - standen, übernahmen sie immer öfter Aufträge für Bekannte, Freunde und schließlich auch Fremde. Nach dreieinhalb Jahren wagten die beiden im Mai 2014 den Schritt in die Selbstständigkeit und eröffneten ihren Laden in der Fröbelstraße. "Wir bedrucken alles außer Haut", so Christian.

Schon in dem provisorischen Verkaufsraum in Augsfeld hatte Nadine begonnen, die Waren von Kreativschaffenden auszustellen. Schnell überstieg die Anfrage die Platzkapazitäten. Darum hatten Nadine und Christian im Vorfeld der Ladeneröffnung viele fleißige Helfer.

"Die Frauen konnten es kaum abwarten, ihre Sachen endlich ausstellen zu können und halfen uns beim Kistenschleppen", erzählt Nadine. "Die Frauen" - das waren erst einmal Bekannte.

"Ich fand es so schade, dass es bei uns viele Mamis gibt, die neben Haushalt und Kindern total kreativ sind und ihre Sachen nur auf ein, zwei Märkten im Jahr verkaufen können", erklärt Nadine.

Da sie und ihr Lebensgefährte für Konzerte in ganz Deutschland unterwegs sind, stieß sie dabei auf das Mietfach-Konzept."Damit lässt sich der Laden aber nicht finanzieren. Wir leben vom Druck und dem Veranstaltungsservice", so Nadine.

Marlies Angebrand mietet seit zwei Monaten Regalfächer an und stellt darin Pflegeprodukte und Accessoires für Vierbeiner aus. Die 33-Jährige hat sich 2010 mit einem Hundesalon in Sand selbstständig gemacht. "Der Mietpreis ist gering, und Nadine ruft mich immer wieder an und sagt, was gut läuft und wo ich nachlegen soll", erzählt die Mutter. Nadine wiederum ist ständig für "ihre Frauen" erreichbar. Freizeit hat sie dadurch kaum mehr. "Der Laden ist unser Hobby", sagt sie und lacht.