Für 30 000 Euro wechselt der traditionsreiche Heroldsaal nebst einstiger Gaststätte und Werkstätten, die am gestrigen Freitag am Amtsgericht in Bamberg unter den Hammer kamen, den Eigentümer. Ersteigert hat das 2300 Quadratmeter große Anwesen ein Privatmann aus dem nördlichen Landkreis Bamberg, der darin Wohnungen und Werkstätten errichten möchte. "Ich bau' das alles wieder auf", sagte der Mann, der auch schon potenzielle Untermieter hat.

Symbolischer Verkehrswert
Obwohl ein Gutachter den Verkehrswert des Objektes, zu dem früher auch Tankstelle, Schreinerei und Getränkevertrieb gehörten, nur auf einen Euro geschätzt hatte, lag das Mindestgebot bei 5000 Euro (um damit die Verfahrenskosten abzudecken). Den Preis in die Höhe trieb bei der Zwangsvollstreckung eine Rechtspflegerin, die ausgerechnet Herold, wie einst Wirtschaft und Tanzsaal, heißt.

22 Zuhörer saßen im Sitzungssaal des Amtsgerichtes, die einander kritisch bis misstrauisch beäugten. Kaum Salmsdorfer darunter. Nicht ein Vertreter der Gemeinde Rentweinsdorf oder der Verwaltungsgemeinschaft Ebern, die das Verfahren als Gläubigerin beantragt hatte. 31 000 Euro an Grundsteuer und Erschließungsbeiträgen stehen zu Buche.

Dazu noch etliche Grundbuch-Eintragungen über Grundschulden, die aus den Jahren von 1954 bis 1980 stammen. Etliche Tausend, erst Mark, dann Euro.

Fünf Angebote für das Grundstück
Auf ihr Geld warten mehrere Firmen, sogar ein Bestattungsunternehmen. Die Nachkommen hatten das Erbe ausgeschlagen, weswegen es an den Freistaat fiel - und sprichwörtlich verfiel. Spätestens seit Weihnachten 2010, als unter der Schneelast mehrere Dächer barsten.

Deswegen griff das Landratsamt ein und sorgte in Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde, dass das einstige Dorfzentrum nicht mehr von jedermann betreten werden konnte. Seither schirmen Bauzäune das einst belebte und beliebte Anwesen ab.

Unter der Regie des Landesamtes für Finanzen in Würzburg wurde für die Verkehrssicherung gesorgt, aber sonst kaum Maßnahmen zum Erhalt ergriffen. Einzig ein Loch im Dach des Ziegelbaues wurde - nach Jahren - wieder gedeckt.

Von den 22 Zuhörern gaben fünf Angebote ab, darunter ein Münchner und ein Firmenvertreter aus Ingolstadt, die sich von 5000 Euro an zumeist in 500-Euro-Schritten nach oben steigerten. Den Zuschlag erhielt letztlich der Privatmann aus dem Landkreis Bamberg, der sich selbst als "handwerklich versiert" beschrieb.

Schulden nicht übernehmen
Ihm gehört seit Freitag um 10.39 Uhr das Objekt so "wie es draußen in der Natur steht", wie es Rechtspflegerin Herold formuliert. Das heißt im Klartext: Eventuelle Altlasten muss er entsorgen, er muss aber auch keine der Schulden, die bislang auf dem Grundstück lasteten, übernehmen.

Von der Versteigerungssumme in Höhe von 30 000 Euro wird nach Abzug der Verfahrenskosten der Rest auf die Gläubiger verteilt, wobei die Forderungen der Gemeinde für Grundsteuer, Straßenbau, Wasser und Kanal vorrangig bedient werden.