"Ist das nicht zu gefährlich?" wurden Inge und Manfred Wagner (beide 63) wiederholt gefragt, als sie erzählten, mit dem Rad durch den Iran fahren zu wollen. Zurück von ihrer fünfwöchigen Reise durch das Land der Mullahs, berichten beide, dass sie sich niemals gefährdet oder gar bedroht fühlten. Im Gegenteil: Täglich hörten sie: "Welcome to Iran!"

Oft schenken ihnen wildfremde Menschen Obst, Nüsse und Datteln - und laden sie zum Essen und Übernachten bei sich zuhause ein. Mehrmals gehen die Traveller mit in eine iranische Familie - jedes Mal ein unvergessliches Erlebnis!

Menschenleere Parks

Die Fernradler starten ihre Tour in der turkmenischen Hauptstadt Ashgabat. Mit den breiten Boulevards, den menschenleeren und gepflegten Parks, den imposanten Monumenten auf jeder Kreuzung und den säuberlich gekehrten Bürgersteigen ohne Papierschnipsel, Plastiktüten oder Zigarettenkippen wirkt die Stadt steril und nahezu surreal. Ein gigantisches Potemkinsches Dorf.

Kurios ist der nahe gelegene Gesundheitspfad. Er schlängelt sich rund 40 Kilometer über die Berghänge wie die chinesische Mauer, besteht aus unzähligen Betonstufen und ist teilweise sehr steil. Nachts ist er von Tausenden von Lampen so hell erleuchtet, dass man ihn vom Flugzeug aus sofort erkennt. Als die Königsberger Stufe um Stufe erklimmen, treffen sie keine Menschenseele.

Kopftuch muss sein

Am nächsten Tag erreichen die Radler den Iran. Da es hier gesetzlich für alle Frauen - auch für ausländische! - vorgeschrieben ist, trägt Inge Wagner während der ganzen Reise in der Öffentlichkeit ein Kopftuch. Und sobald ihr Ehemann vom Rad steigt, streift er sich eine lange Hose über, weil die religiösen Vorschriften den Frauen verbieten, einen nicht mit ihnen verwandten Mann in kurzen Hosen zu sehen. Aus diesem Grund dürfen Frauen auch nicht ins Fußballstadion.

In der heiligen Stadt Mashhad im Osten des Irans besichtigen sie den berühmten heiligen Schrein des Imam Reza, der von den Schiiten als großer Märtyrer verehrt wird. Jährlich kommen mehr als 20 Millionen (!) Pilger zu dem Komplex, der aus elf riesigen Höfen und Gebetshallen besteht.

Tausende Spiegel

Die großflächigen Wände und Decken der Moscheen sind mit Abertausenden von kleinen und kleinsten Spiegeln bedeckt. Überall knien und beten die Pilger, manche sind in tiefe Meditation versunken oder schluchzen in Tränen um ihren vor 1000 Jahren verstorbenen Imam. In der heiligen Stätte muss Inge Wagner einen Gebetstschador tragen - ein großes dünnes Tuch aus hellem Stoff mit dezentem Muster, das als Umhang um Kopf und Körper gewunden wird.

Auf der historischen Seidenstraße radeln die Wagners dann über Hunderte von Kilometern am Rand der Salzwüste entlang. Immer wieder sehen sie alte verlassene Dörfer aus Lehmhäusern, Karawansereien und Dachmen - auch Türme des Schweigens genannt. Diese wurden von Anhängern der Religion des Zarathustra erbaut, die hier ihre Verstorbenen ablegten. Das Fleisch der Leichname wurde von Geiern oder Raben gefressen.

Mitten in der Safranernte

Als die Abenteurer in der Morgendämmerung aus ihrem Zelt steigen, sehen sie auf den Feldern ringsum die Bauern bei der mühseligen Safranernte. Dazu pflücken diese bei einer violett blühenden Krokusart die hauchdünnen Griffel aus den Blüten. Safran zählt weltweit zu den teuersten Gewürzen.

Die Reise ist geprägt von den Begegnungen mit Menschen. Erstaunt stellen die Königsberger fest, dass sich viele Iraner sehr offen und kritisch über das Mullah-Regime äußern. Die Leute leiden unter der Inflation. Ein älterer, in der Schah-Zeit als Auslandskorrespondent tätiger Journalist erzählt, dass er mit einem Berufsverbot belegt wurde. In der Wohnung einer anderen Familie wartet eine Überraschung: An der Wand hängt ein großes, gerahmtes Foto des Schah.