Wer die Spielkiste unter den Tisch der Zulassungsstelle im Landratsamt Haßberge geschoben hat, weiß heute keiner mehr. Auf dem Boden der groben Bretterbox liegen ein verlebter Papa Schlumpf und ein dickbäuchiges Mohrhuhn dicht an dicht mit anderen Plüschtieren. "Die Sachen sind schon älter. Darum nimmt das Landratsamt gerne Spielzeug-Spenden entgegen, um die Kiste neu zu befüllen", kommentiert Monika Göhr, Pressesprecherin des Landratsamts, den Blick in die Spielzeugkiste. Doch eine Mitarbeiterin der Führerscheinstelle hat beobachtet, dass ausgerechnet die abgegriffene Schlumpf-Figur der Liebling der Kinder ist. "Papa Schlumpf sitzt jeden Tag auf einem anderen Stuhl im Wartebereich", erzählt die junge Frau.

Ein Stockwerk höher, im Erdgeschoss, haben die Mitarbeiter des Jugendamts am Ende des Flurs eine schmucke Spielecke installiert. Hierher kommt Anna-Lena Strasser oft, wenn sie ein Kind beschäftigen soll, deren Eltern in einem Beratungsgespräch sind. Die Praktikantin im Familienbüro des Landkreises kann bei der Betreuung aus dem Vollen schöpfen: In der kleinen Sitzecke stapeln sich Bilderbücher, Teddybären, Autos und Holzspielzeug. An den Flurwänden sind zwei Holzspielzeuge installiert, an denen Kinder Autos und Schmetterlinge bewegen können.

"Jeder Sozialpädagoge hat eine Spielkiste im Büro, die mit Stofftieren, Büchern und Gesellschaftsspielen gefüllt ist", erklärt Jugendamtsleiter Christoph Schramm. Sogar in den Büros der Verwaltung liegen Malstifte und Vorlagen auf den Tischen der Mitarbeiter. "Und das wird durchaus genutzt", erzählt er. Seine Kollegin Heike Kunzelmann ergänzt, dass das Jugendamt mit seinem Spielzeug die Kreativität und Fantasie der Kinder anregen wolle. Moderne, elektronische Geräte sucht man in den Spielkisten nämlich vergeblich.

lm Servicezentrum des Finanzamts in Zeil haben Carina Mahr und Ulrike Pottler eine Spielecke eingerichtet. Ein bunter Verkehrsspielteppich vor der blauen Wand, ein paar Stofftiere, einige Matchbox-Autos und Geschicklichkeitsspiele - mehr ist es nicht. Und trotzdem hat diese kleine Ecke schon manchen Tag gerettet. "Bis vor ein paar Jahren mussten Mütter ihr Neugeborenes auf der Lohnsteuerkarte eintragen lassen. Also kamen die Mamas mit dem Säugling im Kinderwagen und dem Geschwisterkind an der Hand.

So war es für sie fast unmöglich, einen Antrag auszufüllen", erzählt Ulrike Pottler. Die Finanzbeamtin ergriff die Initiative, sammelte von Kollegen Spielzeug ein und gründete die Spielecke im Servicezentrum. Das Bürgerbüro im alten Haßfurter Rathaus besitzt seit 2004 eine Kinderecke.

Bevor man im ersten Stock durch die Glastür in das Großraumbüro tritt, zieht linkerhand ein großer Holzwürfel die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich. Auch die Schwestern Lilly (drei) und Kayleigh (ein Jahr) stürzen sich sofort auf das bunte Spielzeug. Inzwischen nutzt Mama Genevieve Döpfert die Zeit, um sich im Bürgerbüro in Ruhe mit Informationsbroschüren einzudecken.

Es ist in den meisten Fällen der Initiative einzelner Mitarbeiter zu verdanken, dass es in vielen Ämtern und Behörden Spielecken gibt. In Ebelsbach beispielsweise steht im Eingangsbereich der Verwaltungsgesellschaft ein Maltisch bereit.