Von tränenden Augen berichten Getestete. Von einem schmerzhaften Kratzen, das sich von der Nasenscheidewand bis hinauf in den Frontallappen zieht. Solche Horrorgeschichten von Corona-Abstrichen bewahrheiten sich an der Wonfurter Teststation nicht. Das neu eingerichtete Corona-Zentrum ist nicht nur Anlaufstelle für Reiserückkehrer, sondern eine Maßnahme, mit der sich der Landkreis Haßberge für eine mögliche zweite Corona-Welle wappnet.

Ein bisschen fühlt es sich an, als würde man sich auf dem Weg in den Urlaub an der Grenzkontrolle einreihen. Einmal scharf rechts abbiegen und dann Linie 1 wählen. Am Ende der Autoschlange wartet jedoch kein müder Grenzbeamter, sondern ein mit langem Wattestäbchen bewaffneter Mitarbeiter des Gesundheitsamtes. Seit eineinhalb Wochen ist das Corona-Testzentrum am Wonfurter Kreisabfallzentrum nun in Betrieb. Hatte es zu Beginn der Pandemie an den beiden Haßfurter Teststationen zeitweise noch Chaos aufgrund doppelter Terminvergaben gegeben, lief die zweistündige Abstrichrunde in Wonfurt bereits am ersten Tag reibungslos.

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Seit dem 1. September können sich Reiserückkehrer - aber auch Bürger, die sich auf eigenen Wunsch testen lassen wollen - über ein Formular auf der Homepage des Landratsamtes anmelden. Sobald Name, Kontaktdaten, Auto-Kennzeichen sowie die Nummern des Personalausweises und Krankenkassenkärtchens abgeschickt sind, dauert es rund drei Stunden, bis die Terminzusage per Mail eintrudelt. Der Abstrich findet überraschend schnell bereits am nächsten Tag statt. Dabei handele es sich nicht etwa um eine Ausnahme des ersten Testtages - die Bürger sollen auch weiterhin mit einer zeitnahen Terminvergabe rechnen können, verspricht das Landratsamt.

Mundschutz nicht vergessen

Zwei Mitarbeiter in neongelben Warnwesten lotsen die Autofahrer auf dem Gelände in Richtung Teststation, wo bereits drei Wagen in der Schlange warten. Personalausweis, Krankenkassenkärtchen, eine ausgedruckte oder digitale Version der Terminbestätigung sowie der obligatorische Mundschutz sollten griffbereit liegen.

Der Abstrich selbst dauert nur wenige Sekunden. Wer sich nicht ziert und den Mund weit genug öffnet, bekommt sogar ein lobendes "Sehr gut!" der Mitarbeiter geschenkt. Ein kurzes, trockenes Kratzen im Rachen - schon ist die Probe entnommen. Das Testergebnis wird entweder per Mail oder Brief bekannt gegeben - oder am bequemsten über die offizielle Corona-Warn-App und QR-Code. Der Befund lässt nur drei Tage auf sich warten und ist zur Freude aller Kollegen: negativ.

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Das Landratsamt verfüge seit Langem über einen internen Koordinierungsstab, der sich mit dem möglichen Ausbruch von Krisen und der notwendigen Reaktion darauf beschäftigt, erklärt Pressesprecherin Monika Göhr. Vor der Corona-Pandemie war es beispielsweise die Schweinepest, an deren Eindämmung der Krisenstab arbeitete. Aus organisatorischer Sicht sei das Landratsamt durch Corona also nicht unvorbereitet getroffen worden.

"Wir hatten uns frühzeitig gut aufgestellt. Das war ursächlich dafür, dass wir die Krise bisher gemeinsam gut bewältigt haben", resümiert Göhr. Aktuell besteht die Koordinierungsgruppe aus Landrat Wilhelm Schneider, den einzelnen Abteilungsleitern, Vertretern der Freiwilligen Feuerwehren, der im Landkreis niedergelassenen Hausärzte, der Hilfsorganisationen sowie des BRK und Technischen Hilfswerks, der Bundeswehr und Mitarbeitern des Landrats- und Gesundheitsamtes.

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Die zuvor festgelegten Strukturen hätten dabei geholfen, auf den am 16. März ausgerufenen, bayernweiten Katastrophenalarm zu reagieren. Seitdem werden die Maßnahmen weiterhin regelmäßig geübt. Ein solches Ergebnis sei aber auch der Zusammenarbeit der einzelnen Mitarbeiter und der Unterstützung durch externe Kräfte zu verdanken, betont Göhr. "Die Zusammenarbeit aller beteiligten Behörden und Hilfsorganisationen war hervorragend", lautet das zufriedene Fazit.

Aus bisherigen Erfahrungen gelernt

Doch die Verantwortlichen hatten auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen - vor allem zu Beginn der Pandemie: Ständig neu eintreffende Informationen machten es notwendig, die Aufstellung der Mitarbeiter im Stunden-Takt anzupassen. Die Betreuung des Bürgertelefons habe eine besondere Herausforderung dargestellt.

Da die Regierung Lockerungen der Corona-Maßnahmen teilweise kurzfristig bei Pressekonferenzen und in Live-Streams öffentlich machte, erwarteten viele Bürger, dass das Landratsamt ebenfalls in Echtzeit reagiert. "Das ist aber nicht der Fall", macht Göhr deutlich. "Wir bekommen Änderungen im ersten Moment selbst nur aus dem Internet mit." Bis eine verlässliche Mitteilung zur Verfügung steht, dauere es einige Zeit. Aufgrund von Lieferengpässen wurde es bei der Ausstattung mit Schutzkleidung zwischenzeitlich eng. Doch: "Hier konnten wir aus den Erfahrungen der ersten Welle lernen und sind gut gerüstet."

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Mit Blick auf den Herbst bereitet dagegen ein anderes Problem Sorgen: Die Symptome einer gewöhnlichen Grippe von denen einer Corona-Infektion kaum unterscheiden zu können. Ein weiteres Corona-Testzentrum im Landkreis einzurichten, sei derzeit aber nicht geplant, versichert das Landratsamt: "Wir sind gut gerüstet für eine zweite Welle."

7 Abstriche schaffen die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes an der Teststation innerhalb von 15 Minuten. Lange Wartezeiten gibt es daher nicht. Bei Bedarf könnte die Zahl nach oben angepasst werden.

135 Personen wurden an den bisherigen vier Testtagen an der Wonfurter Station einem Abstrich unterzogen (Stand vom Freitag, 11. September 2020). 41 Bürger waren Reiserückkehrer, 17 Personen kamen aus einem Risikogebiet zurück und 77 Personen ließen sich auf eigenen Wunsch testen.