Kurz vor Ferienende herrscht eine Art gespannte Erwartung. Manchen ist bange wegen der Corona-Gefahr, andere sehen der Situation gelassen entgegen, wenn all die Urlaubsrückkehrer wieder zurück im Landkreis sein werden - am Arbeitsplatz, in der Schule, in den Geschäften und im öffentlichen Leben. Wie relativ das Wort "Risikogebiet" auszulegen ist, haben die letzten Wochen eindrucksvoll gezeigt: Waren zum Beispiel weite Teile Spaniens zu Ferienbeginn für bedenkenlos erklärt worden, so gilt jetzt wieder eine Reisewarnung. Ein großes Fragezeichen steckt zudem hinter der Disziplin, mit der die Menschen Abstandsregeln, Maskenpflicht und Hygienevorgaben einhalten.

Eine Schlüsselrolle spielen die Gesundheitsämter, die Infektionsketten erkennen und bekämpfen sowie die Tests und Quarantänemaßnahmen kontrollieren sollen. Sie sind am Limit, wie man immer wieder in den Medien hört und liest. Demgegenüber verweist der Präsident des Deutschen Landkreistages, Reinhard Sager, auf die verbesserte Personalausstattung der Gesundheitsämter und warnt vor "Alarmismus".

Bereits im März hatte die bayerische Staatsregierung beschlossen, die Gesundheitsämter mit 400 weiteren Mitarbeitern auszustaffieren. Dadurch soll, wie es damals hieß, das medizinische Personal entlastet werden Man wollte Personal aus Behörden und Schulen abziehen, die wegen des Lockdowns und der Corona-Krise weniger zu tun hatten. Sie sollten beispielsweise an Telefon-Hotlines, der Kontaktnachverfolgung oder bei organisatorischen Aufgaben helfen. Unter anderem auch bei der Quarantäne-Kontrolle. Es ging um Amtshilfe aus anderen Bereichen der Verwaltung in Bayern. Auch 1000 Lehrer aus dem Freistaat hatten sich damals freiwillig gemeldet.

Amtshilfe

Im Kreis Haßberge waren Pädagogen als Corona-Helfer im Einsatz, bestätigt das Landratsamt auf Anfrage:  "Im Frühjahr haben sich Lehrkräfte freiwillig gemeldet und uns bei der Bewältigung der Corona-Krise unterstützt." Unter anderem waren diese laut Pressesprecherin Monika Göhr beim Bürgertelefon eingesetzt und beim Rückruftelefon des Gesundheitsamtes, das für die Personen zuständig ist, die sich in häuslicher Isolation befinden. Auch beim Nähen von Mund-Nasen-Schutzmasken seien Lehrerinnen aktiv gewesen.

"Ein weiterer Lehrer hat dankenswerterweise die Antworten auf die häufigsten Fragen (FAQs) ins Englische übersetzt", berichtet Dr. Jürgen Reimann. Der Medizinaldirektor leitet die Fachabteilung II am Landratsamt Haßberge: Gesundheitsamt. In den ersten Monaten der Pandemie war die Zusammenarbeit unter den Behörden gut, lobt Reimann. Aktuell sind keine Lehrkräfte mehr im Gesundheitsamt eingesetzt.

Das Rückruftelefon haben mittlerweile die sogenannten Contact Tracing Teams (CTT) übernommen, deren Hauptaufgabe es ist, Infektionsketten nachzuvollziehen und alle Kontaktpersonen einer infizierten Person ausfindig zu machen. Im Contact Tracing Team am Landratsamt Haßberge arbeiteten zuletzt zehn Personen. Darunter waren sechs junge Beamtenanwärter, die dem Amt aus anderen Behörden, zum Beispiel dem Finanzamt, zugewiesen wurden. Sie gingen zum Monatsbeginn wieder zurück an ihre Ausbildungsbehörden. Für die CTTS hat die Regierung fünf Stellen neu geschaffen, die man den Angaben zufolge mit sieben Personen besetzen will. Acht Kräfte kontrollieren und begleiten die Quarantäne-Maßnahmen. In einer Handvoll Fälle mussten sie bislang Verstöße gegen die Corona-Quarantäne verfolgen.

Deutlich mehr Personal

Laut Monika Göhr wurde die Mitarbeiterzahl im Gesundheitsamt Haßberge im Zuge der Corona-Krise in den vergangenen Monaten deutlich aufgestockt, und nach derzeitigen Plänen sollen weitere Arbeitsstellen entstehen. "Sofern alle Planstellen besetzt werden können, wird das Amt in Zusammenhang mit der Coronakrise von ehemals zwölf auf 39 Stellen anwachsen. Die Stellenausschreibungen für das zusätzliche Personal laufen über die Regierung von Unterfranken", berichtet Johannes Reimann, die Auswahl der Bewerber treffe das Landratsamt. Benötigt werden neben den Mitarbeitern für die Contact Tracing Teams auch Hygienesekretäre und sozial-medizinische Assistenten.

Laut Umfrage des Städtetags und des Landkreistags sollen bundesweit in den Flächenländern über 3300 Planstellen für Amtsärzte und damit knapp zehn Planstellen pro Gesundheitsamt vorgehalten werden. Im Gespräch mit dieser Zeitung äußert der Leiter des Gesundheitsamts Bedenken, ob es gelingen wird, hinreichend qualifiziertes Personal in die Haßberge zu bekommen. Für ländliche Regionen sei dies schwieriger als in der Stadt. Geeignete Krankenschwestern, meint er, werde man wohl finden, aber gutes ärztliches Personal und Hygienefachkräfte ließen sich nicht einfach aus dem Ärmel schütteln.

Probleme auf dem Land

Der Mediziner weist auf ein weiteres Problem hin: Den personell aufgestockten Gesundheitsämtern droht ein Raumproblem.Während man in Nachbarlandkreisen neben der Personal- auch die Immobiliensuche gestartet hat, ist der Kreis Haßberge in der relativ glücklichen Lage, das alte Amtsgericht nutzen zu können. "Der Raumbedarf ist mit dem ehemaligen Amtsgerichtsgebäude derzeit gedeckt", vermeldet Monika Göhr.

Jürgen Reimann blickt der Rückkehrerwelle und dem Herbst sorgenvoll entgegen. Aktuell (Stand gestern; siehe rechts) sieht es noch gut aus: Zurzeit gelten sechs Menschen kreisweit als infiziert, 59 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Alles überschaubar. Doch die heikle Phase steht mit beginnendem Herbst erst bevor. Ob eine zweite Corona-Welle heranschwappt, ob der Landkreis und das Gesundheitsamt hinreichend gerüstet sind?