Seinen insgesamt 33. Gemeindehaushalt verabschiedete dieser Tage Bürgermeister Bernhard Ruß (SPD) zusammen mit den Gemeinderatsmitgliedern. Nach einer Anpassung wegen der Corona-Pandemie wurde der Gesamthaushalt um rund sieben Prozent reduziert. Dennoch wurde ein anspruchsvolles Investitionspaket mit insgesamt über 4,2 Millionen Euro geschnürt.

Der verabschiedete Haushalt 2020 hat ein Gesamtvolumen von über zehn Millionen Euro. Davon sind 5,6 Millionen Euro im Verwaltungshaushalt und 4,9 Millionen Euro im Vermögenshaushalt angesetzt.

Die wichtigsten Einnahmen im Verwaltungshaushalt sind die Einkommensteuerbeteiligung mit 1 752 960 Euro, die Schlüsselzuweisungen mit 1 047 460 Euro, die Gewerbesteuer mit 300 000 Euro und die Grundsteuer B mit 250 000 Euro. Auf der Ausgabenseite sind die Kreisumlage mit 1 386 747 Euro und die Personalausgaben mit 1 420 202 Euro die größten Posten. Mit diesen beiden Positionen sind schon über 50 Prozent des Etats im Verwaltungshaushalt verplant. Trotz der Reduzierung des Hebesatzes durch die Landkreisverwaltung um 0,6 Prozent erhöht sich die Kreisumlage für die Gemeinde Sand um rund 185 000 Euro; dies ist eine Steigerung um 15 Prozent.

Das Augenmerk bei der Haushaltserstellung habe Verwaltung im Besonderen auf die Entwicklung der kommenden Jahre gelegt, erklärte Bürgermeister Ruß. Deshalb sei die kommunale Finanzplanung für die Jahre 2019 bis 2023 fast noch wichtiger als der Haushaltsplan für 2020, weil die Gemeinde in den kommenden Jahren größere Projekte (Sanierung von Straßen, Wasserleitung und Kanal, Aktivierung von Bauland, Voranbringen der Energiewende) angehen und dafür einen Bedarfsplan verbunden mit einer Prioritätenliste erstellen müsse.

Für das Haushaltsjahr 2020 konnte sich die Gemeinde wegen der Vollbremsung infolge der Corona-Pandemie nur auf die Fertigstellung begonnener Maßnahmen konzentrieren. Das größte "Paket" ist die Fertigstellung der Baumaßnahme "Erweiterung des Kindergartens Sankt Nikolaus" mit insgesamt 882 000 Euro. Anschließend folgt die Erschließung des Baugebietes "Obere Länge" mit insgesamt 769 000 Euro. Diese Summe setzt sich aus Straßenbaukosten (385 000 Euro), Erweiterung der Abwasseranlage (310 000 Euro), Tiefbaukosten Wasserversorgung (6000 Euro) und die Erweiterung der Straßenbeleuchtung (14 000 Euro) zusammen. Weitere größere Positionen sind zum Beispiel der Neubau eines Sanitärgebäudes am Campingplatz (100 000 Euro), die Straßenquerung "Rewe" mit insgesamt 220 000 Euro, die Schlusszahlung für den bereits fertiggestellten Kreisel "Knetzgauer Straße" (195 000 Euro), das Regenrückhaltebecken in der "Oberen Länge" (325 000 Euro) und Kanalsanierungsmaßnahmen mit Nebenkosten für 215 000 Euro. Der allgemeinen Rücklage werden aller Voraussicht nach 628 724 Euro zugeführt.

Die Steuerkraft pro Einwohner ist von 699,82 Euro in 2019 auf 749,10 Euro gestiegen. Bei einer Steigerung um 49,28 Euro (7,04 Prozent) nimmt die Gemeinde Platz zehn unter den 26 Städten und Gemeinden im Landkreis ein.

Für das laufende Jahr ist eine Darlehensaufnahme von lediglich 250 000 Euro eingeplant. Die letzte Darlehensaufnahme (1,5 Millionen Euro für Umgestaltung Kirchplatz und Kanalsanierung) erfolgte im Jahr 2011. Dies sei das Ergebnis einer vorausschauenden Finanzpolitik, sagte Ruß. Die Kämmerei habe nicht nur die laufenden Projekte im Auge, sondern immer auch die künftigen.

Trotz der vergangenen und künftigen Projekte hat die Gemeinde den Schuldenstand stetig gesenkt und Rücklagen gebildet. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt mit für das Jahresende geschätzten 363 Euro immer noch deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Unter Berücksichtigung der Neuaufnahme sowie der planmäßigen Tilgung erhöht sich der Schuldenstand von 987 500 Euro am Jahresanfang 2020 voraussichtlich auf 1 150 000 Euro am 31. Dezember 2020.

Die Fraktion öha Sand hat einen Antrag auf eine finanzielle Unterstützung der Landwirte und Winzer zur Umstellung von konventionellem Anbau auf Bio-Anbau gestellt. Die Antragsteller möchten mit der Förderung landwirtschaftliche Betriebe, die im Sander Gemeindegebiet tätig sind, zur Umstellung auf Bio-Produktion motivieren. Nach ihren Angaben stellt ein Sander Landwirt gerade seinen Betrieb um. Andere Landwirte denken laut Öha über eine Umstellung nach. Beantragt wird eine Förderung von 175 Euro je Hektar für Betriebe, die umstellen wollen, und eine Einmalzahlung von 200 Euro je Hektar für Betriebe, die umgestellt haben. Umfangreich diskutierten die Gemeinderatsmitglieder über dieses Thema, wobei im Grunde das Gremium für eine Förderung war. Allein am fehlenden voraussichtlichen Gesamtaufwand für die Maßnahme störten sich die Räte. So wurde schließlich mit einer Gegenstimme beschlossen, das Gespräch mit den betroffenen Landwirten und Winzern zu suchen und daraufhin zeitnah für den Herbst 2020 ein Konzept zu erstellen.