Die Vorführung eines Videos im Haßfurter Gerichtssaal war fast schon atemberaubend. Der Filmausschnitt war in dem Polizeiauto entstanden, das einen Motorradfahrer verfolgt hatte. Obwohl der Polizeiwagen - ein Mercedes - zeitweise mit einer Geschwindigkeit von nahezu 200 km/h raste, hatten die Uniformierten große Probleme, einen Motorradfahrer (22) einzuholen. Dieser musste sich nun vor dem Amtsgericht in Haßfurt verantworten - und kam glimpflich davon: Das Verfahren gegen ihn wurde mit einer 2000-Euro-Geldauflage eingestellt.

Der spektakuläre Vorfall ereignete sich bereits vor mehr als einem Jahr am 16. Juni 2019. Damals kontrollierten zwei Verkehrspolizisten an der Staatsstraße, die von Haßfurt nach Ebern führt. Hier beträgt die zulässige Höchstgeschwindigkeit 100 km/h. Die Uniformierten standen mit ihrem Fahrzeug an der Einmündung nach Jesserndorf, als ein Motorrad mit rasanter Geschwindigkeit in Richtung der Kreisstadt vorbeirauschte. Sofort machten sich die Ordnungshüter an die Verfolgung des Zweiradfahrers.

Im Zeugenstand erklärten die damals diensthabenden Beamten, dass sie dabei an die Grenze dessen gegangen waren, was mit dem Polizeiauto möglich gewesen sei. Dabei hatten sie auch Blaulicht und Martinshorn eingeschaltet. Die Polizisten schätzten das Tempo der Kawasaki, die zeitweise in den Kurven eine extreme Schräglage hatte, auf 150 bis 170 km/h. Insgesamt bewerteten sie die Fahrweise des Verfolgten als äußerst riskant. Sie hatten den Eindruck, dass der Angeklagte in dem Moment, als sie zu ihm aufschlossen, nochmal Gas gegeben habe.

Alles unter Kontrolle?

Genau das bestritt der Beschuldigte vehement. Bei der von ihm gefahrenen Kawasaki, oft auch nur "Ninja" genannt, handelt es sich um ein Motorrad der Kategorie Supersportler. Rechtsanwalt Anwalt Stefan Wagner erklärte, dass sein Mandant sicherlich "zu flott" unterwegs gewesen sei, aber als routinierter Motorradfahrer trotz des hohen Tempos noch alles unter Kontrolle gehabt habe.

Durch das Fahrgeräusch und den Motorradhelm habe er das Martinshorn erst mal nicht gehört und auch vom Blaulicht nichts mitbekommen, da er sich ja auf die Strecke vor ihm konzentriert habe.

Im Übrigen beschleunige die Maschine von 0 auf 100 km/h in neun Sekunden, im Fahrzeugschein sei die Höchstgeschwindigkeit mit 263 km/h angegeben, was aber lange nicht erreicht worden sei. "Da war noch Luft nach oben", meinte der Verteidiger.

Wie ging die Sache aus? Auf der Höhe der Einmündung nach Altershausen stoppte schließlich der Motorradfahrer. Die Polizeibeamten vernahmen den rasanten Fahrer, erstellten ein Protokoll und beschlagnahmten seinen Führerschein. Das ist nun fast schon eineinhalb Jahre her.

Die vom Staatsanwalt verlesene Anklage beschuldigte den Angeklagten des "Verbotenen Kraftfahrzeugrennens". Diese Vorschrift gibt es in Deutschland seit 2017. Klassischerweise zielt dieses Gesetz auf illegale Straßenrennen. Der Gesetzgeber hat allerdings festgelegt, dass auch einzelne Fahrer wegen "Alleinrasens" bestraft werden können. Dabei muss man dem Betreffenden nachweisen, dass er die Absicht hatte, "eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen", und dass er sich dabei grob verkehrswidrig und rücksichtslos verhalten hat.

Obwohl die Strafrichterin dem Motorradfahrer seine "wahnsinnige Geschwindigkeit" vorhielt, bewertete sie die vorliegende Beweislage als dünn. Um dem Angeklagten alle vom Gesetzgeber geforderten Punkte nachzuweisen, müsste ein Sachverständiger hinzugezogen werden. "Aus prozessökonomischen Gründen" verzichtete der Staatsanwalt auf ein derart aufwendiges Prozedere.

Daher einigten sich die Prozessbeteiligten auf die Einstellung. Die Geldauflage in sechs monatlichen Raten kommt der Kreisverkehrswacht zugute. Für den jungen Mann hatte diese Art der Verfahrensbeendigung große Vorteile. Zum einen erhielt er noch im Gerichtssaal seinen Führerschein zurück, zum anderen gibt es keinen Eintrag im Vorstrafenregister.

Abschließend redete die Amtsrichterin ihm noch ins Gewissen, künftig vernünftiger zu fahren.