Die Winzer haben Glück. "Für die Reben ist die Wetterlage bisher nicht kritisch. Das ist ja eine Kulturpflanze aus dem Mittelmeerraum und dort fällt auch mal zwei Monate lang kein Wasser", erklärt Roger Nüßlein. Der erste Vorsitzende des Weinbauvereins Haßberge war dennoch froh über die vergangenen Regenfälle: "Die nehmen wir gerne mit. Denn wenn es längere Zeit nicht regnet, vertrocknet die Rebe zwar nicht, bleibt aber in ihrer Entwicklung stehen."


Irreparable Ernteverluste

Bereits großen Schaden hat die Hitze auf den Äckern und Feldern im Landkreis Haßberge angerichtet. "Die heißen Tage haben für Ernteverluste gesorgt. Im Vergleich zum Vorjahr werden uns 20 bis 30 Prozent des Ertrags fehlen", prognostiziert Klaus Merkel.

Auf die Felder des Kreisobmanns des Bayerischen Bauernverbandes aus Mariaburghausen bei Haßfurt sind in der vergangenen Woche zwar 40 Liter pro Quadratmeter gefallen. "Aber ich könnte gut das Doppelte gebrauchen", relativiert er. Vor allem der Weizen auf leichteren Böden hätte unter dem anhaltenden Wassermangel und den hohen Temperaturen gelitten und vielerorts die Notreife eingeleitet. Das heißt, der Nährstofftransport von der Wurzel zum Korn wird unterbrochen und es entwickelt sich das, was Bauern ein "Kümmerkorn" nennen. Aufgrund der minderen Qualität ist der Weizen nur noch als Tierfutter zu verwenden.

Klaus Merkel bleibt nur zu hoffen, dass vor dem Erntebeginn Mitte Juli noch ausreichend Regen fällt. "Das Schlimmste für uns wäre, wenn es uns die Ernte verregnet und so schlechte Qualität bringt. Während der Ernte brauchen wir Sonne", so Merkel.

Und wie ergeht es den Bäumen in den Wäldern des Landkreises?
"Die größten Auswirkungen hat die Trockenheit auf die Fichten", erklärt Förster Christian Bartsch. Der 36-Jährige ist für den 1066 Hektar großen Eltmanner Stadtwald verantwortlich und bereitet sich derzeit auf den Einfall eines der bekanntesten Schädlinge vor: den Borkenkäfer. "Borkenkäfer befallen vor allem vorgeschädigte Nadelbäume und aufgrund der Trockenheit sind die Fichten unter Wasserstress. Darum rechnen wir mit einem erhöhten Befall", erklärt Bartsch. Der Anteil der Fichten am Eltmanner Waldbestand liegt immerhin bei elf Prozent.
Doch der Förster und seine Mitarbeiter versuchen, den Schaden möglichst gering zu halten. Sie fällen die abgestorbenen Fichten und schälen von Hand die Rinde ab. "Dann schleppen wir fünf bis zehn Bäume auf einen Haufen und lassen einen darunter, der nicht geschält ist. Dort sammeln sich dann die Borkenkäfer", erklärt Bartsch. Diesen Baum kontrolliert der Förster wöchentlich, bis der ideale Moment gekommen ist, die Rinde zu schälen - und die versammelten Borkenkäfer zu vernichten. "So haben wir das Problem bisher gut in den Griff bekommen, aber wie es sich weiterentwickelt, ist nicht abzusehen", so Bartsch.

Der Regen der vergangenen Tage wird den Bäumen laut Bartsch über zwei bis drei trockene Wochen hinweg helfen. "Aber die Tümpel und Gräben im Wald sind ausgetrocknet", bedauert der Förster. Deshalb nutzt er die Gelegenheit, Waldbesucher auf die extreme Waldbrandgefahr hinzuweisen. "Momentan gilt absolutes Rauchverbot", mahnt der Förster.