Die Ahnenforschung, die er schon als junger Mann mit seinem Vater betrieben hat, war möglicherweise der Auslöser dafür, dass Volker Kuhn aus Pfarrweisach Gefallen am Stöbern in Archiven und am Wälzen alter Bücher gefunden hat. Entstanden sind in mehr als dreijähriger Arbeit drei Bücher über Pfarrweisach, in denen die Geschichte des Ortes festgehalten ist, die bemerkenswerte Einblicke in die Kirchen- und Gemeindegeschichte geben.

"Eines möchte ich von vornherein klarstellen, ich will niemandem, ob Kreisheimatpfleger, Heimatverein oder sonst wem ins Handwerk pfuschen. Was ich gemacht habe, diente meinem eigenen Interesse und der Freude, die ich habe, wenn ich manches, was einige Jahrhunderte zurückliegt, erforschen und belegen kann", sagt der 69-jährige Pensionär aus Pfarrweisach, der in der "Till Eulenspiegelstadt" Mölln in Schleswig Holstein geboren ist.


"Meine Heimat"

Kuhn sagt: "Nirgends habe ich länger gewohnt, als in Pfarrweisach, dort ist meine Heimat." Dass er nach Pfarrweisach gekommen ist, daran sei sein Bruder Rüdiger "schuld." Als er zu dessen Hochzeit in die Haßberge kam, habe auch er selbst seine spätere Frau Christa kennengelernt und in Pfarrweisach sein Glück gefunden.
Seit 2015 ist Volker Kuhn offiziell als Kirchenarchivpfleger der Diözese Würzburg für Pfarrweisach und die Pfarreiengemeinschaft Pfarrweisach zuständig, "und das als Evangelischer", sagt er. Zu seinen Aufgaben gehört die Aktenhaltung und Dokumentation. Alles sei in einem "Findbuch" registriert. Seine Frau habe die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als er mit den Akten zu Hause angekommen ist.

Der gelernte Großhandelskaufmann war einige Jahre bei der Bundeswehr als Fahrlehrer tätig und wechselte im Jahr 1991 in den nichttechnischen Verwaltungsdienst der Deutschen Bundespost, wo er bis zu seiner Pensionierung arbeitete.


Ahnenforschung bis ins Jahr 1498

"Irgendwann kam mir die Idee, für mich und auch für meine Kinder von Pfarrweisach was über die Geschichte des Ortes zu machen", sagt Kuhn, der allgemein historisch interessiert ist. So hat er für sich und seine Familie ein Familienwappen von Kreisheimatpfleger Günter Lipp entwerfen lassen, und auch die Ahnenforschung hat es ihm angetan. "Ich stamme aus einer Bauernfamilie und die Forschung über meine Familie geht bis in das Jahr 1498 zurück", erzählt Kuhn, der auch für einige Jahre Schöffe bei Gericht war.

Seine Forschung über die Gemeinde Pfarrweisach begann im Archiv des Ortes. "Dann wurde mir dort der Riegel vorgeschoben, sodass ich dieses nicht mehr nutzen durfte", bedauert Volker Kuhn. Er nennt Oberlehrer Karl Krimm, den Verfasser des Dorfbuches von Pfarrweisach, der 1952 in den Ort kam, als wichtige Quelle. Dessen Aufzeichnungen habe er erweitert, vervollständigt und durch Originalnachweise belegt. "Das war mir wichtig", sagt der Kirchenarchivar. Seine Arbeit habe mit der des Heimatvereins Pfarrweisach nichts zu tun, stellt er klar.
Die Informationsflut über Pfarrweisach, zu der zum Beispiel zigtausende von Zeitungsausgaben gehörten, die sich über 25 Jahre ansammelten, war groß. "Deshalb habe ich meine Arbeit in drei Bände unterteilt, in das "Dorfbuch", in "Geschichte" und in das "Haus- und Familienbuch", sagt Kuhn, der in einigen Vereinen in Pfarrweisach Mitglied ist.


Das "Dorfbuch"

Im Dorfbuch finden sich zum Beispiel die bisherigen Bürgermeister des Ortes, von Hans Wirsing (1600), Adam Hoffmann (1604), Johann Mitteldorf (1681), Johann Gerhardt (1750), Georg Konrad (1836) bis hin zu Karl Oppelt, Richard Zöller, Gerhard Hufnagel, Hermann Martin und Ralf Nowak, das amtierende Gemeindeoberhaupt (ULB).

Auch Ärzte, die in Pfarrweisach praktizierten, sind aufgenommen. Das waren zum Beispiel Lorenz Scheppa, Dr. Wolfram Berninger, Dr. Michael Groß und jetzt die Doktoren Diethelm Schorscher und Ingo Schmidt-Hammer. Auch Menschen, die überörtliche Bedeutung erlangt haben, sind im Dorfbuch zu finden, dazu belegte Fakten über die Geschichte der Juden, der Lehrer, der Polizei und der Post.


Die Kirchengeschichte

Der Band "Kirchengeschichte" beginnt mit der ersten Nennung der Urpfarrei Pfarrweisach und den Jahreszahlen 855 und 892. Die Haus- und Familiengeschichten von Dr. Wolfram Berninger hat Kuhn überarbeitet und mit Originalnachweisen aus dem Pfarr- und Gemeindearchiv belegt. "So etwa drei Jahre sind draufgegangen, mit wöchentlich etwa 30 Stunden, bis ich alles druckreif fertig hatte", erläutert Volker Kuhn. Er hat nicht vor, seine Werke "im großen Stil" aufzulegen, "das habe ich für mich gemacht", sagt er.
Aber sollte jemand Interesse daran haben, könne er sich mit ihm in Verbindung setzen. "Sollte die Gemeinde daran ihr Interesse kundtun, stelle ich meine Ausarbeitungen dort gerne zur Verfügung."
Auch Kreisheimatpfleger Günter Lipp lobt Kuhns Arbeit: "Volker Kuhn gehört zu jenen, die eher unbemerkt Heimatpflege, Heimatforschung betreiben. Wenn man dann aber ihre Ergebnisse sieht, kann man nur staunen. Was hier an Zeit, an Fleiß, an Geld und auch an Scharfsinn investiert wurde, ist kaum zu glauben. Das können vor allem die ermessen, die sich selbst auf diesen Gebieten versuchen. Volker Kuhn hat mit seinem Familien-, seinem Dorfgeschichts- und seinem Kirchenbuch drei Bände geschaffen, an denen in Zukunft keiner vorbeikommt, der sich mit Pfarrweisach beschäftigt." Lipp geht in seinem Lob noch weiter: "Bewundernswert ist vor allem, wie er Quellen sucht, nützt und bereitstellt. Er übertrifft seinen Vorgänger Karl Krimm auch deswegen, weil er seine Texte reich mit Briefen, Fotos, Karten, Zeitungsartikeln, Urkunden und amtlichen Dokumenten veranschaulicht. Ich hoffe, dass er für seine weitere Arbeit volle Unterstützung und die verdiente Anerkennung durch seine Gemeinde erfährt."
Volker Kuhn erklärt noch, warum er als "Evangelischer" in der katholischen Kirche tätig ist: "Die katholische Kirche ist hier im Ort, deshalb engagiere ich mich da." Das sei zu Zeiten von Pfarrer Richard Brütting gewesen. "Irgendwann wollte ich über meine Forschungsarbeiten ein Ergebnis sehen, deshalb habe ich die Arbeit in Bänden binden lassen, aus reinem eigenem Interesse. "Ich will ja niemandem ins Handwerk pfuschen", stellt er nochmals klar.