"Da stimmt was nicht." Noch einmal lässt Coco Glässing ihre Hand am Bauch der Stute entlanggleiten - und wieder weicht Jordis aus. Die Osteopathin setzt nicht noch einmal nach, sondern macht weiter.
Bei einer Behandlung lässt die 26-Jährige ihre Hände eine Stunde lang über den Pferdekörper gleiten. "Davor erzählt mir der Besitzer die Krankheitsgeschichte des Tiers und ich sehe mir den Bewegungsablauf an", erklärt Coco Glässing. "Meistens habe ich eine Idee, wo die Ursache liegt. Aber ich taste trotzdem jedes einzelne Gelenk ab."

Vier Jahre lang nicht galoppiert

Pferdebesitzerin Christin Schmitt hat sie mit ihrer Behandlungsmethode überzeugt. Die 27-Jährige und ihr Mann Andreas haben drei Pferde in ihrem Stall in Dörflis stehen. "Sobald bei denen im Ansatz etwas ist, lasse ich Coco das Pferd ansehen", erzählt sie.


Das Aha-Erlebnis dazu hatte die Arzthelferin vor zweieinhalb Jahren. Zu diesem Zeitpunkt weigerte sich ihr Norwegerhengst Jorek schon seit vier Jahren zu galoppieren. Die Tierarztrechnungen türmten sich, nichts half. Schließlich bat Christin Schmitt die befreundete Pferdeosteopathin, sich das Tier anzusehen. Und was war? "Eine Sehne im Vorderbein war leicht entzündet, weil die Schultermuskalatur so fest war", erklärt Coco Glässing. Es brauchte fünf Behandlungen, bis Jorek die antrainierte Schonhaltung wieder aufgab.

Impuls für den Körper

Meistens reiche schon eine Behandlung aus, um die Blockade zu lösen. "Das ist wie ein Impuls für den Körper, sich selbst zu heilen", ergänzt Coco Glässing. Denn in der Osteopathie gehe es nicht darum, etwas einzurenken.
Genau wie in der Humanmedizin ist der Beruf des Osteopathen in Deutschland bisher nicht geschützt - eine Nische für selbst ernannte Heiler. Ein Abschluss bei einer anerkannten Ausbildungsstätte kann für Hilfesuchende ein Wegweiser sein. Human-Osteopathen haben sich im "Verband der Osteopathen Deutschland" zusammengeschlossen, für Tiertherapeuten gibt es das "Deutsche Institut für Pferdeosteopathie".

Überhaupt haben Mensch und Pferd mehr gemeinsam, als man denkt - etwa dieselben Gesundheitsbeschwerden. Sowohl Mensch als auch Pferd leiden sehr häufig unter Rückenschmerzen. "Pferde sind anatomisch nicht dafür gebaut, Lasten zu tragen. Der Reiter sitzt auf dem Bewegungsmuskel des Pferdes", erklärt Coco Glässing. Darum müssten Pferde - genau wie gute Sportler - Muskeln aufbauen, um gesund tragen zu können. Meistens kann Coco Glässing ihren Patienten helfen - am besten, wenn Schul- und alternative Medizin sich ergänzen. Manchmal ist auch nicht das Pferd, sondern der Reiter das Problem. "Aber den Reitstil kann man auch ändern."