Das Entsetzen im Rauhenebracher Ortsteil Fürnbach mit seinen rund 260 Bürgern ist groß. Dort soll ein Mann in der Nacht zu Donnerstag gegen 1.30 Uhr seine Lebensgefährtin erstochen haben. Und zwar während eines Besuchs im Hause der Eltern des Tatverdächtigen.

Dessen Vater soll zunächst noch den Rettungsdienst verständigt haben, nachdem er die 23-Jährige leblos auf dem Boden entdeckt hatte. Doch jede Hilfe kam zu spät, eine kurze Zeit später am Tatort eingetroffene Notärztin konnte nur den Tod der jungen Frau feststellen. Aufgrund der massiven Stichverletzung wählte die Medizinerin den Polizeinotruf 110.

Enrico Ball, Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken, erklärt: "Eine Streife der alarmierten Haßfurter Polizei nahm den Tatverdächtigen ohne jeden Widerstand noch vor Ort fest."

Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Bamberg sei der 32-Jährige am Donnerstag dem Ermittlungsrichter am Amtsgericht Bamberg vorgeführt worden, fügt Ball an. Gegen den Beschuldigten erging ein Unterbringungsbefehl wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung. Zum Vollzug des Unterbringungsbefehls wurde er in ein psychiatrisches Krankenhaus eingeliefert.

Der Hintergrund für diese Vorgehensweise ist laut Oberstaatsanwalt Matthias Bachmann: Der mutmaßliche Täter habe sich in seinen ersten Vernehmungen durch die Kripo Schweinfurt sehr wirr ausgedrückt. Demnach gehen die Ermittler von einer psychischen Erkrankung des Mannes aus.


Bürgermeister geschockt

Für den Bürgermeister von Rauhenebrach, Matthias Bäuerlein, ist die Bluttat ein Schock. Gegenüber dem FT erklärt er: "Ich war erst einmal bestürzt und wollte das zunächst nicht für wahr nehmen. Da schwingt immer auch Ungläubigkeit mit, dass so etwas in unserer Gemeinde passieren kann."

Neben der Aufklärung der näheren Tatumstände wird vor allem die Rolle der Schuldfähigkeit des 32-Jährigen von großer Bedeutung sein. Ein Psychologe wird dies klären müssen. Dieser erstellt ein Gutachten über die psychische Gesundheit des Täters, an dem sich ein Richter später in einer Verhandlung orientieren kann. Durch Haft kann ein schuldunfähiger Täter nämlich nicht bestraft werden.

Nach Paragraf 20 des Strafgesetzbuches gelten Täter als schuldunfähig, die "bei Begehung der Tat wegen einer krankhaften seelischen Störung, wegen einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung oder wegen Schwachsinns oder einer schweren anderen seelischen Abartigkeit unfähig" sind, das Unrecht der Tat einzusehen.

Auslöser hierfür seien: Psychosen, Epilepsie, Stoffwechseldefekte, Hirntumor, Schizophrenie oder andere Persönlichkeitsstörungen. Auch Drogen- und Alkoholabhängigkeiten beziehungsweise Demenz können Gründe für eine Schuldunfähigkeit sein. Stellen Straftäter, die unter solchen Erkrankungen leiden, eine Gefahr für die Allgemeinheit dar, können sie in geschlossene psychiatrische Kliniken eingewiesen werden.

Dann sprechen Juristen von einem Maßregelvollzug. Manchmal erstreckt sich dieser länger, als die Haft für die eigentliche Tat gedauert hätte.

Oberstaatsanwalt Bachmann sagt über den mutmaßlichen Täter von Fürnbach: "Bislang gibt es für die Ermittler keine Anhaltspunkte darauf, dass der Mann eine psychische Erkrankung simuliert hat."


Nachbarn bemerkten Polizei

Laut Anwohnern aus Fürnbach soll der 32-Jährige bereits früher durch sein Verhalten aufgefallen sein. Demnach sei er bei gewissen Anlässen "sehr ausgelassen" gewesen. Ein Nachbar hatte laut Medienberichten bereits kurz nach der Tat den Einsatz der Rettungskräfte und der Polizei mitbekommen. Die meisten Menschen in Fürnbach ahnten von der Tragödie zunächst aber nichts, lasen oder hörten erst später am Morgen in den Medien von der Bluttat in ihrer Heimat.

Das Anwesen, in dem die Tat geschah, liegt nur wenig entfernt von der Ortskirche und macht einen heruntergekommenen Eindruck, der Putz bröckelt von der Außenwand - Mülltonnen und Fässer stehen im Hof davor herum. Der Tatverdächtige selbst lebt nicht mehr im Ortsteil von Rauhenebrach, sondern wohnte mit seiner Freundin nur wenig entfernt in Oberfranken.