"Lügen haben kurze Beine", weiß der Volksmund. Und führen mitunter sogar in den Knast, möchte man hinzufügen. Ein 30-jähriger Mann, den die Polizei ohne Fahrerlaubnis hinter dem Steuer seines Autos erwischt hatte, wollte seine Tat mit einer ausgeklügelten Lügengeschichte vertuschen und fälschte zu diesem Zweck sogar mehrere Schriftstücke. Genau das wurde ihm zum Verhängnis. Für das Schwarzfahren muss er "nur" 8640 Euro Strafe bezahlen, aber den ausgebufften Gaunerstreich muss er mit sieben Monaten hinter Gittern büßen, wie das Urteil beim Strafprozess am Amtsgericht in Haßfurt ergab. Es ist noch nicht rechtskräftig.

Am 4. April letzten Jahres, es war ein Mittwoch, fuhr der Angeklagte am späten Nachmittag in seinem Auto auf der B 279 von Rentweinsdorf nach Ebern. Ohne Fahrerlaubnis, weil ihn die Polizei einige Monate vorher betrunken im Straßenverkehr erwischt und den Führerschein beschlagnahmt hatte. An jenem Tag im April hatte der in Bamberg lebende Mann ausgesprochenes Pech. Ein Streifenwagen kam ihm entgegen. Wie es der Zufall wollte, saß in dem Polizeiauto ausgerechnet der Beamte, der ihn zuvor bei der Trunkenheitsfahrt ertappt und den Führerschein abgenommen hatte.

Der Uniformierte erinnerte sich an den Vorfall, winkte den Wagen heraus und wollte vom Fahrer die Papiere sehen. Blitzschnell dachte sich in dieser Situation der Angesprochene eine verblüffende Finte aus, auf die der Polizist erst einmal hereinfiel. Überzeugend gab er sich als sein am Bodensee lebender Bruder aus. Da sich der Beamte nicht mehr hundertprozentig sicher war, ließ er ihn erst einmal weiterfahren.

Am 9. Mai 2018, also einen guten Monat nach dem geschilderten Vorfall, wurde der Mann wegen der erwähnten Trunkenheitsfahrt vom Haßfurter Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 4500 Euro verurteilt. Um eine weitere Strafe wegen Schwarzfahrens zu vermeiden, verschickte der 30-Jährige getürkte E-Mails an die Polizei. Diese Nachrichten hatte er so manipuliert, dass man sie für Erklärungen seines Arbeitgebers hielt. Inhaltlich stand in diesen Fälschungen, dass er an dem Tag Anfang April bis 18 Uhr in seinem Büro gearbeitet habe - gedacht waren sie damit als Alibi.

Aber die ausgeklügelte und mit großem Aufwand umgesetzte Geschichte verfing nicht und der Schuss ging nach hinten los. Nachdem der ermittelnde Beamte sich vom Einwohnermeldeamt Konstanz ein Foto vom Bruder des Beschuldigten hatte schicken lassen, war klar, dass der Mann gelogen hatte. Und der Kontakt mit dem Arbeitgeber entlarvte endgültig das Lügengespinst.

Der mit seinem Pflichtverteidiger Alexander Wessel erschienene Angeklagte gab kleinlaut zu, dass die ganze Aktion "ziemlich dämlich" gewesen sei. "Ich habe versucht, etwas zu retten, wo nichts mehr zu retten war", beschrieb er seinen Vertuschungsversuch. Vom Auto lasse er inzwischen die Finger, versicherte er. Da er nach Bamberg umgezogen sei, könne er problemlos mit dem Fahrrad einkaufen gehen und auch seinen Arbeitsplatz erreichen.

Laut Bundeszentralregister hat der Angeschuldigte bereits acht Vorstrafen. Verurteilt wurde er unter anderem wegen Betrugs, Diebstahls und Unterschlagung. Ein Urteil vom Februar 2017 erging aufgrund einer Urkundenfälschung, was die Juristen als einschlägige Vorstrafe strafverschärfend werten. Damals kassierte der Mann eine Freiheitsstrafe von acht Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Dass der 30-Jährige seine Straftaten unter laufender Bewährung begangen hatte, warf ihm insbesondere der Staatsanwalt vor. Der Vertreter der Anklage forderte neben einer empfindlichen Geldstrafe eine Freiheitsstrafe von elf Monaten ohne Bewährung. Rechtsanwalt Wessel betonte dagegen, dass sein Mandant einen unbefristeten Arbeitsvertrag habe und in geordneten Verhältnissen lebe. Er plädierte daher auf eine Bewährungsstrafe.

Mit diesem Antrag stand er allerdings auf verlorenem Posten. Für die Strafrichterin Ilona Conver war ebenfalls "eine Grenze erreicht." Die gefakten Schreiben, hielt sie ihm vor, zeugten von Planung und zielgerichteter Umsetzung mit großer krimineller Energie. Die Freiheitsstrafe war die Quittung für die "Fälschung beweiserheblicher Daten", wie der entsprechende Paragraf im Strafgesetzbuch lautet. Innerhalb einer Woche kann der Verurteilte Berufung gegen den Richterspruch einlegen.