"Es ist mir wichtig, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, ihnen die Landwirtschaft näher zu bringen". Das sagt die 24-jährige Lea Schleicher aus Junkersdorf (Gemeinde Pfarrweisach), Landwirtschaftsmeisterin und Nachwuchslandwirtin im elterlichen Betrieb.

Sie brennt förmlich für den Beruf, für ihre tägliche Arbeit im Stall und auf dem Feld - das merkt man beim persönlichen Gespräch. Und es wurde ihr in die Wiege gelegt: Opa Ernst war Landwirt, Vater Kurt hat den Hof übernommen und jetzt ist sie dran. "Ja", gibt sie unumwunden zu, "das strebe ich schon an; mal gucken, was die Zeit bringt." Nach ihrem Schulabschluss der mittleren Reife in Ebern hat sie gleich die Laufbahn als Landwirtin eingeschlagen. Nach diesem Prüfungsabschluss ging's dann weiter nach Coburg in die Landwirtschaftsschule, wo sie Landwirtschaftsmeisterin wurde.

Und auf dem Bauernhof direkt an der Bundesstraße 279 gibt es seit einiger Zeit "Leas Milchbar". Darin wird in einem gekühlten Automaten rund um die Uhr Kuhmilch angeboten, der Liter für einen Euro. Daneben gibt es einen Automaten mit allerlei Käsesorten. Lea vertraut dabei auf die Ehrlichkeit der Kunden: In einer Geldbüchse kann bezahlt werden. Langfingern nimmt sie den Wind aus den Segeln: Die Kasse wird mehrmals am Tag geleert.

Wie sieht ein Arbeitstag auf dem Schleicher-Hof aus? "Ich stehe um 5.30 Uhr auf", sagt die Jungbäuerin, "bin eine viertel Stunde später im Stall und begrüße meine Fans. Die Stallarbeit dauert rund eineinhalb Stunden und danach ist erst einmal Frühstück."

Jeden zweiten Tag wird die Milch von den Milchwerken Oberfranken West eG abgeholt. Die anschließende Tankreinigung um 9 Uhr muss sie per Hand erledigen. Danach kehrt sie mit einem Besen noch einmal die Futterration aller Tiere in den Futterbarren. Das wiederholt sie später noch einmal.

Zwischendrin fallen saisonbedingt unterschiedliche Arbeiten an. Mal muss etwas im Stall repariert werden oder sie muss Vater Kurt beim Säubern des Fahrsilos zur Hand gehen. Weiterhin ist sie für den Haushalt zuständig, da Mutter Marion zur Arbeit geht. Nachmittags kümmert sich Lea um anfallende Arbeiten auf dem Hof, wie Kälberboxen ausmisten, neues Kraftfutter mit dem Hoflader aus der Scheune heimfahren oder auch in den Wintermonaten das benötigte Heu vom Heuboden in den Stall zur Fütterung bringen.

Danach folgt eine kurze Kaffeepause mit selbst gebackenem Kuchen und frischer Milch im Kaffee.

Um 16.30 Uhr ist schon wieder Stallzeit und gegen 18.15 Uhr Feierabend. Um 20 Uhr kehrt sie noch einmal das Futter für die Kühe in den Futterbarren, wenn er leer ist, und führt eine Tierkontrolle durch.

Nebenbei ist der Schweinestall mit 500 Mastplätzen und automatischer Fütterung zu erwähnen Dieser laufe nicht wie angenommen immer von selbst, erklärt die Landwirtschaftsmeisterin. "Die Schweine müssen eingestallt werden, wenn sie oftmals früh um 4 Uhr gebracht werden und auch fertig gemästet wieder abgeholt werden." Das sei für den Arbeitsalltag eine große Belastung; doch "glücklicherweise ist dieser Turnus nur alle zwei Wochen". Dazu kommen 25 Rinder, die bestallt werden.

Bei all dem großen Organisationsaufwand: Wie macht die Familie mit? Papa Kurt ist ohnehin in die Hofarbeit eingebunden, und "meine Mutter hilft am Wochenende aus. Wenn ich einmal Freunde besuchen möchte, springt sie auch in der Stallarbeit für mich ein." Ihre vier Geschwister seien der Landwirtschaft eher weniger verbunden, aber dennoch sehr stolz und verwurzelt in den Familienbetrieb, was Lea sehr schätzt.

Wie sieht es mit Freunden aus? "Meine Freundinnen sind schon daran gewöhnt, dass ich einen etwas anderen Arbeitsalltag habe", gibt sie zu. "Und wenn ich länger zu Besuch bleiben möchte, ist das manchmal spontan nicht möglich."

Grundsätzlich ist sie jeden Tag an den Betrieb wegen der Stallzeiten gebunden, jedoch unterm Tag flexibler, "da ich mir oftmals die Arbeit selbst einteilen kann", beschreibt Lea. Durch die neue Milchbar hat sie zwar jeden Tag mehr Arbeit; aber sie komme mit der Bevölkerung mehr ins Gespräch und könne ihnen die bäuerliche Landwirtschaft erklären und näher bringen, sagt die junge Landwirtin. "Das beugt Vorurteilen vor, und die positive Resonanz motiviert mich, immer wieder weiterzumachen."

An diesem Samstag, 26. September, haben Lea und ihre Familie ein Hoffest organisiert, das um 14.30 Uhr beginnt. Neben einer Tanzaufführung will sie die Gäste bei einem Show-Melken in die Technik des Melkens einführen. Die Familie will zeigen, worauf es in der Landwirtschaft ankommt und wie zum Beispiel gefüttert wird. Und dazu das ganze Umfeld. Durch die Pandemie bedingt, findet das Hoffest im Rahmen einer geschlossenen Gesellschaft statt.