Menschen mit einem echten Bezug zum Garten, Eigentümer, die sich mit den Schlössern und Parks identifizieren, die gibt es noch im Landkreis Haßberge. Und sie sind die Zielgruppe bei dem Vorhaben des Landkreises, die Bedeutung der Gärten wieder in den Vordergrund zu rücken. Geschehen soll dies mit Hilfe des Leader-Projekts "Gartenkultur im Landkreis Haßberge". Es wurde am Donnerstag im Landratsamt vorgestellt. Die Feierstunde umrahmte das Querflöten-Duo Madlen Ott und Anna Gonnert aus der Klasse 8d der Dr.-Auguste-Kirchner-Realschule Haßfurt.


Ein wertvolles Erbe

Das Projekt will das gartenkulturelle Erbe der Haßberge erhalten, weiterentwickeln und möglichst auch für den Landkreis nutzbar machen. Das kann beispielsweise geschehen im kultivierten Tourismus.

Um die Grundlagen dafür zu schaffen, haben Gerd Aufmkolk und Christoph Tauscher vom Büro "WGF Freiraum" in Nürnberg im Auftrag des Landkreises ein Jahr lang die Haßberge bereist und die gartenkulturellen Schätze gesichtet, erfasst und dokumentiert. "Wir haben uns 80 Objekte, Schlösser, Burgruinen, Friedhöfe, Judenfriedhöfe, Konversions-, Ufer-, Haus- Wein- und Obstgärten sowie Gartendörfer, angesehen und fotografiert, kurz beschrieben und den eventuellen Handlungsbedarf aufgezeigt", berichtete Christoph Tauscher.


Reich gesegnet mit Schätzen der Vergangenheit

Bei der Auftaktstunde für das Projekt überreichten sie ihre Dokumentation. Aufmkolk betonte, dass der Landkreis reich gesegnet sei mit dem Erbe aus der Gartenkultur der Vergangenheit, aber auch mit ganz bezeichnenden modernen Gärten. "Wir waren überwältigt von der Dichte der Gärten, und besonders die große Strahlkraft einiger Schlossgärten hat uns Bewunderung abgerungen", sagte er. Nicht nur die Gärten selbst seien ein Schatz, der gehoben werden wolle. Auch ihre Einbettung in die Landschaft, also die Authentizität, sei ungewöhnlich und geeignet, Begeisterung auszulösen.

Nun biete sich an, die Forschung über die alten Schloss- und Parkgärten mit Universitäten und dem europäischen Netzwerk voranzutreiben. "Es könnten viele Bachelor- und Masterarbeiten, Dissertationen und Habilitationen geschrieben werden", schwärmte Gerd Aufmkolk. Besitzer sollen bei Erhalt, Sanierung und Entwicklung des gartenkulturellen Erbes unterstützt werden. Öffentlichkeit kann hergestellt werden etwa durch Medien, Internetauftritt, mobile App, Flyer, Broschüren und eine Öffnung der Gärten. Der Fachmann empfahl, ein Logo zu entwerfen und das Projekt mit touristischen Angeboten zu vernetzen.

"Schön wäre es, eine Charta zu entwickeln, mit der die Gartenbesitzer bestätigen, dass ihnen die Gartenkultur ein wichtiges Anliegen ist", so Gerd Aufmkolk. "Alle, die an dem Thema interessiert sind, sollten ein Netzwerk bilden und sich unter die Arme greifen. Weiterhin brauchen wir auch privates Engagement und Geld, das sich durch einen verstärkten Gasttourismus auszahlen wird."


Anregung für Ebern

Die Anregung des Kreisheimatpflegers Günter Lipp aus Ebern, einen Gartenlehrpfad von Ebern über Eyrichshof, die Ruine Rotenhan, Gereuth, die Schlossanlage in Untermerzbach bis zum Friedhof in Memmelsdorf anzulegen, habe Freude bei ihm ausgelöst. "Denn das ist unser Ziel: dass sich möglichst viele Menschen in das Projekt einbringen!"

Für den Vorsitzenden des Obst- und Gartenbauvereins Emershausen, Michael Dros, ebenso für seinen Kollegen, den aus Happertshausen, Albin Hepp, ist dies wichtig. "Das Projekt muss bis zu den Obst- und Gartenbauvereinen runtergebrochen werden, damit die Menschen vor Ort etwas davon haben", meinte Hepp. Dros ergänzte: "Unsere Gegend ist vom Bevölkerungsrückgang betroffen, und das wird sich auch auf die Landschaft und die Gärten auswirken. Uns ist es ein Anliegen, dass in unseren Dörfern nicht das Licht ausgeht!" Am Ende erklärte Hepp: "Ich war von der Vorstellung des Projekts begeistert und möchte gerne daran mitarbeiten. Aber das entfachte Feuer darf nicht erlöschen!"


Die Arbeit beginnt erst richtig

Landrat Wilhelm Schneider erklärte: "Für uns im Landkreis Haßberge beginnt die Arbeit jetzt erst richtig, denn es geht um die Umsetzung der einzelnen Projekte." Die Region habe Schätze an Gartenkultur aus mehreren Jahrhunderten zu bieten - oft übersehen oder gar nicht bekannt. Einige berühmte Gartenarchitekten hinterließen im Landkreis ihre Spuren; sie schufen im Auftrag von Herrscherhäusern großartige Anlagen.

Beispiel ist das Schloss Oberschwappach mit seiner Barockgartenanlage oder der Landschaftspark Bettenburg mit Skulpturen und Denkmälern. Ebenso historische Friedhöfe, öffentliche Grünanlagen, Streuobstanlagen, private Haus- und Nutzgärten, Uferanlagen, Obst- und Weingärten. Sie charakterisierten die Gartenkultur im Landkreis. "Es wäre großartig, wenn möglichst viele Gartenliebhaber dabei mitmachen, die Gartenkultur in unserem Landkreis mehr als bisher in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken, und bei bestimmten Anlässen ihre Wohn- und Hausgärten gleichberechtigt mit den öffentlichen Anlagen präsentieren. Der Landkreis jedenfalls ist bereit, die heimische Gartenkultur im Landkreis in Wert zu setzen", sagte der Landrat.

Die beiden Kreisfachberater Guntram Ulsamer und Johannes Bayer vom Sachgebiet Gartenbau und Landespflege werden die Federführung weiterer Aktivitäten übernehmen. "Wir liegen mit diesem Projekt nicht nur im Trend, wir sind vielen Landkreisen auch wieder eine Nasenspitze voraus", so Guntram Ulsamer. Für dieses Jahr sei geplant, ein eigenes Logo zu entwickeln, Werbeflyer und Informationswände zu erstellen und bei wichtigen Ereignissen dafür zu werben.

Um die Parks und Gärten je nach ihrer Machart mit Leben zu erfüllen, wolle man mit den 80 Gartenbauvereinen intensiv zusammenarbeiten und das Interesse der 6500 Mitglieder wecken. Der Kreisverband für Gartenbau und Landespflege werde heuer einen neuen Wettbewerb mit dem Titel "Natur im Garten" starten.


Einblick in die Entstehungsgeschichte

Am 21. Juli biete der Kreisverband in Zusammenarbeit mit zwei Park- und Schlossbesitzern, den Familien Truchsess von Bundorf und Karlotto von Deuster eine besondere Veranstaltung an: Mit einer fachkundigen Führung der Besitzer soll den Vorsitzenden der Gartenbauvereine ein Einblick in die Entstehungsgeschichte des Landschaftsgarten Bettenburg und des nahe gelegenen Schlosses Burgpreppach gegeben werden.


Tag der offenen Gartentüre in Rügheim

Daneben sei der Tag der offenen Gartentür in Rügheim am 25. Juni natürlich wieder ein kleines Highlight, bei dem für das Thema geworben werden solle. Bei allem sei man elementar auf die Bereitschaft der Park- und Gartenbesitzer angewiesen, ihren Garten zu öffnen, Besucher einzulassen und Events zuzulassen, und auf die Unterstützung aller am Thema Garten Interessierten angewiesen. "Wir wollen ein Netzwerk aus Gartenliebhabern gründen und werden auch von Bayerischen Gartenakademie durch die Qualifizierung von Gästeführern, speziell für das Gartenerlebnis, unterstützt", erklärte der Kreisfachberater.

Dass sich Gärten und Parks großer Beliebtheit bei Touristen erfreuen, ergänzte Susanne Volkheimer vom Haßberge Tourismus. Die Marketingwerkzeuge "Bayerisches Gartennetzwerk", "Frankens Paradiese", "Haßberge Tourismus" oder das "Herrschaftliche Bayern" würden schon jetzt für Gärten, Parks und Anwesen werben. Dieses Angebot könne in den Haßbergen noch durch Gartenrouten, Apps, Audioguides, Gartenführungen oder Gartenfeste ausgebaut werden.


Zeil hat schon ein Projekt im Visier

Eine Kommune, die ihre Mitarbeit schon angezeigt hat, ist die Stadt Zeil. So teilte Bürgermeister Thomas Stadelmann mit, dass die Grabengärten, die "grüne Lunge" der Stadt, noch sehr viel Gestaltungsspielraum böten. Der Stadtrat habe vor, auch wenn das Projekt noch nicht beschlossen sei, das Gelände neu zu ordnen. So habe die Stadt auch schon zwei Gärten gepachtet, die neugestaltet werden sollten.

Interessant wäre, die Sicht auf die Gärten und den See zu verbessern - auch von der Staatsstraße her. Die Anlage eines Seniorenspielplatzes, bessere Sitzmöglichkeiten, der Bau eines Stegs am See und die einheitliche Struktur der Einfriedungen in Zusammenarbeit mit den Besitzern seien einige der Ideen, die in den nächsten Jahren umgesetzt werden könnten. "Die Grundstruktur der Nutzgärten soll aber erhalten bleiben", betonte Stadelmann, für den die Schaffung von Parkplätzen definitiv nicht in Frage kommt.