Im Mai bleiben gerade drei Öffnungstage übrig. Ausgerechnet im Mai! Das ist der Monat, in dem die Mahnungs-fristen auslaufen und ohnedies die meisten Menschen ihre Steuererklärungen abgeben - müssen.Und ausgerechnet am Donnerstag, dem einzigen Öffnungstag der Finanzamts-Außenstelle Ebern, häufen sich im Mai die Feiertage.

So kam es, dass etliche Bürger sich die Nase an verschlossenen Türen stießen, Steuererklärungen nicht fristgerecht eintrafen und ein Murren durch die steuerzahlende Bevölkerung ging. Der SPD-Ortsverein, vertreten durch Jürgen Hennemann, hat die Beschwerden und die Forderung nach mehr Zeit für den Publikumsverkehr in einem Schreiben an den Chef des Finanzamts in Zeil, Hubertus König fixiert.

Unsere Zeitung hat mit König gesprochen und siehe da, er verspricht Abhilfe.
Die kurz gehaltene Service-Zeit (Donnerstag von 8 bis 17 Uhr) soll noch im Herbst erweitert werden, stellt er in Aussicht. "Aber Öffnungszeiten, wie in Zeil (Montag bis Mittwoch 8 bis 13 Uhr, Donnerstag, 8 bis 17 und Freitag 8 bis 12 Uhr; Anm. d.Red.) können wir in Ebern einfach nicht mehr anbieten."

Die Verminderung der Öffnungszeiten an der Außenstelle Ebern liegen laut Auskunft des Regierungsdirektors "in den besonderen personellen und organisatorischen Problemen eines kleinen Finanzamtes mit einer Außenstelle begründet." Ausdrücklich sagt er, das habe nichts mit einer Absicht zu tun, den Standort Ebern zu schwächen.

Stachel sitzt tief

Da sind die Eberner nämlich sehr empfindlich, haben sie im Zug der Verwaltungsreform doch einige ihrer angestammten Institutionen verloren. Der Stachel des Bundeswehr-Abzugs sitzt tief, auch das Forstamt und das Amtsgericht musste man abschreiben. Den Erhalt "ihres Finanzamts" hatten sich die Eberner im zähen Ringen nach eigenem Empfinden redlich erkämpft. Er war eine Art Trostpflaster gewesen, versüßt durch zusätzliche Mitarbeiter aus Hofheim, denn die dortige, zweite Außenstelle des Finanzamts Zeil/Main wurde 2007 aufgelöst.

30 Mitarbeiter standen damals auf der "Habenseite" für die Eberner, das konnte sich sehen lassen. Und nun doch beschnittene Öffnungszeiten wegen Personalmangels? Vorzeichen für neue Schließungsabsichten? Hubertus König, der dem Amt mit etwa 100 Mitarbeitern (gut zwei Drittel davon in der Zentrale in Zeil und viele in Teilzeit) seit 2007 vorsteht, winkt ab: "Ich darf Ihnen versichern, dass die Bürgerfreundlichkeit der Verwaltung im ureigensten Interesse der Steuerverwaltung liegt," beteuert er, macht dann aber die besonderen Umstände in einem der kleinsten Finanzämter Bayerns geltend.

Vergleichbar kleine Ämter, wie in Kulmbach, Lichtenfels , Kronach oder Kitzingen, hätten es einfacher, weil sie nur einen Standort haben. "Mit Außenstelle ist das viel schwieriger", sagt König:. "Ich kann, bei Ausfällen in Ebern, nicht einfach Mitarbeiter aus Zeil dorthin beordern. Das wäre wie eine Strafversetzung."

Stellen längere Zeit verwaist

Er meint das nicht negativ, denn mit Ebern verbindet der gebürtige Coburger, der in Bamberg lebt, positive Erinnerungen aus seiner Zeit bei der Bundeswehr. Aber im Eberner Amt hätten Dauererkrankungen und Altersteilzeitregelungen dafür gesorgt, dass mehrere Stellen gleichzeitig für längere Zeit verwaist blieben. Zudem sei mehreren der Mitarbeiter aus Hofheim beim Umzug nach Ebern ermöglicht worden, im "Heimarbeiterbereich" tätig zu sein. "Als Sozialausgleich", sagt der 58-Jährige. Zum Dritten könne er Mitarbeiter von der Bewertungsstelle nicht einfach im Servicezentrum einsetzen, sonst würden wiederum dort Engpässe entstehen. Gleiches gelte für die ausschließlich in Ebern angesiedelte Umsatzsteuervoranmeldungsstelle, ein Wort, bei dem selbst der studierte Jurist schmunzeln muss.

Kurz: Es hat am verfügbaren Personal gefehlt. Doch dies soll sich jetzt ändern. König will eine "Verbesserung der Öffnungszeiten herbeiführen, wofür aufgrund personeller Veränderungen im Laufe des Jahres berechtigte Hoffnungen bestehen."

Ein oder zwei Tage mehr

Am Dienstag, so versprach er, ohne im Detail auf diese "personellen Veränderungen" einzugehen, werde er das Problem mit seinen Sachgebietsleitern besprechen, um dann ab August oder September ein oder zwei Öffnungstage zusätzlich anzubieten. Auch will er die Donnerstags-Termine, sofern sie auf einen Feiertag fallen, in Zukunft um ein, zwei Tage vorverlegen.

Nebenher merkt König an, dass man mit seinem zuständigen Sachbearbeiter beim Finanzamt (Name und Kontaktdaten stehen auf den jeweiligen Formularen) auch außerhalb der allgemeinen Öffnungszeiten des Servicezentrums Gesprächstermine vereinbaren kann.

Bei seinem Amtsantritt vor gut fünf Jahren hatte sich der Behördenchef zu Kundennähe und Bürgerfreundlichkeit bekannt. Jetzt zeigt er Verständnis für den Unmut der Bürger, die gerade in der komplexen Steuer-Materie nicht auch noch an Unzulänglichkeiten des Amtes vor Ort scheitern wollen. Das Steuerrecht sei viel zu kompliziert, pflichtet er bei: "Mit der Steuer stehe ich selbst auf Kriegsfuß; ich mache meine eigenen Steuererklärungen ja auch nicht gern".