Das Landgericht in Bamberg verhandelt gegen einen 29-Jährigen, der im Raum Ebern seinen Sohn leichtfertig einer großen Gefahr aussetzte.
Der Leichtsinn seines drogenabhängigen Vaters hat einen eineinhalbjährigen Jungen im September vergangenen Jahres fast das Leben gekostet. In einem unbeaufsichtigten Augenblick nahm das Kleinkind ein Tütchen mit fünf Gramm der Droge Metamphetamin, auch bekannt als Crystal Meth, das auf dem Wohnzimmertisch herumlag, wohl in den Mund und kaute darauf herum.
Drogentüte platzt: Kind schluckt Rauschgift
Dabei platzte die Plastiktüte auf und ein Teil des Rauschgifts gelangte in den Mund des Kindes, das einen kleinen Teil des Pulvers - etwa 0,2 Gramm - verschluckte. Als der Vater wenig später das aufgerissene Tütchen erblickte, versuchte er nach eigener Aussage zunächst den Mund seines Sohnes mit Wasser auszuspülen. Er gab ihm eine Milchschnitte und Limonade. Erst eine Stunde später fuhr er zusammen mit seiner Lebensgefährtin und Mutter des Kindes in die Klinik in Ebern, wo er gegenüber den behandelnden Ärzten wahrheitswidrig angab, das Kind habe Spülmittel zu sich genommen. Erst infolge der ärztlichen Untersuchung soll der Angeklagte, nach Aufkommen eines entsprechenden Verdachts, weitere 15 Minuten später eine mögliche Aufnahme des Rauschgifts durch das Kind eingeräumt haben.
Während der Fahrt mit dem Notarztwagen in die Kinderklinik Coburg erlitt das Kind einen Krampfanfall, wodurch eine Sedierung (Ruhigstellung durch Medikamente) notwendig wurde.
Drogenlabor im Keller: Beißender Geruch steigt Ermittlern in die Nase
Dem Kind geht es mittlerweile wieder gut. Es lebt bei seiner leiblichen Mutter. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung im Raum Ebern am 6. Dezember vergangenen Jahres hoben Beamte der Kriminalpolizei Schweinfurt zusammen mit Spezialisten des Landeskriminalamts aus München ein Drogenlabor im Keller des Wohnhauses des 29-Jährigen aus. Neben 3000 Euro in bar und einer Waffe, die die Ermittler in der Wohnung fanden, entdeckten sie im Keller verschiedene Chemikalien und Gegenstände zur Herstellung von Drogen. Beim Öffnen der Kellertür stieg den Kripobeamten beißender Geruch in die Nase, weshalb sie den Chemikern des Landeskriminalamtes aus Eigenschutz den Vortritt ließen, die das Labor abbauten und in München auswerteten.
Seit Donnerstag muss sich der 29-Jährige am Landgericht Bamberg unter anderem wegen bewaffneten Handeltreibens mit Rauschgift sowie fahrlässiger Körperverletzung an seinem Sohn verantworten. Auf der Anklagebank schob er den Vorfall mit seinem Sohn einem Kunden in die Schuhe, der an diesem Tag bei ihm Drogen kaufen wollte. Der Kunde habe auf das Kind aufpassen sollen, sei aber allein auf die Toilette gegangen. In dieser Zeit habe der Sohn das Rauschgift geschluckt.
Dieser Version widersprach der mutmaßliche Rauschgiftkunde im Zeugenstand und schob wiederum dem Angeklagten den "schwarzen Peter" zu. Der habe nicht auf sein Kind aufgepasst und habe ihn gebeten, die Schuld auf sich zu nehmen, da er selbst unter laufender Bewährung stehe.
Denn ein Neuling in der Szene ist der Angeklagte nicht. Er saß bereits fünf Jahre hinter Gittern wegen seiner Rauschgiftgeschäfte. In seiner oberfränkischen Heimat ist er als dicker Fisch in der Szene bekannt. Zum ersten Mal nahm er als 14-Jähriger Drogen. Nach Auskunft eines Beamten der Kriminalpolizei flüchtete er bei der Hausdurchsuchung im Dezember mit seinem Laptop durch die Hintertür und lief dabei den Beamten in die Hände.