Schwerer Missbrauch über WhatsApp: Fränkisches Gericht verhängt Haftstrafe

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Nürnberg: Mann wegen Online-Missbrauchs zu Haftstrafe verurteilt
Der Angeklagte musste sich vor dem Landgericht verantworten.
Nürnberg: Mann wegen Online-Missbrauchs zu Haftstrafe verurteilt
Daniel Karmann/dpa

Nach einem Urteil des Landgerichts in Nürnberg muss ein 54-Jähriger mehrere Jahre ins Gefängnis. Grund ist der Online-Missbrauch eines Mädchens aus den Philippinen.

Aufgrund des schweren Missbrauchs eines Mädchens auf den Philippinen über das Internet wurde ein Mann vom Landgericht Nürnberg-Fürth zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt. Der Angeklagte gestand die Taten bereits zu Beginn des Prozesses weitgehend ein.

"Die Anklage ist im Wesentlichen richtig", ließ er über seinen Verteidiger im Gerichtssaal verlauten. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig. Die Zentralstelle zur Bekämpfung von Cyber-Kriminalität bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg hatte elf Jahre Haft für den Mann gefordert, während die Verteidigung nicht mehr als sechs Jahre beantragte.

54-Jähriger zu Haft verurteilt - schockierender Fund bei Durchsuchung

Der heute 54-jährige Mann übermittelte über WhatsApp detaillierte Anweisungen an das Mädchen und deren Mutter. Sie sollten sexuelle Handlungen an sich selbst, an anderen Kindern und an Erwachsenen vornehmen und diese per Video und Fotos festhalten. Der Mann soll dafür Beträge zwischen zehn und 70 Euro gezahlt haben. Das Gericht sah rund 80 Fälle als erwiesen an. In zwei Fällen wurde der Missbrauch laut Anklage auch live gestreamt.

Teile der Beweisaufnahme fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Eine Hilfsorganisation auf den Philippinen brachte die Ermittlungen ins Rollen, indem sie australische Sicherheitsbehörden über den Fall informierte. Im Mai 2025 nahmen deutsche Ermittler den Mann fest und durchsuchten seine Wohnung. Laut Generalstaatsanwaltschaft fanden sie dort mehr als 11.000 Bilder sexualisierter Gewalt gegen Kinder und mindestens 87 Videos.

Das Gericht wertete neben dem umfassenden Geständnis auch die Tatsache strafmildernd, dass der Mann inzwischen 35.000 Euro an das Mädchen gezahlt hatte. Es könne nun in besseren Verhältnissen leben und habe auch eine Entschuldigung angenommen. Die Missbrauchsform des "Livestreamings" ist ein häufig begangenes Delikt im Zusammenhang mit dem Missbrauch von Kindern aus weniger entwickelten Ländern. Dabei beobachten die Täter nicht nur live über das Internet, wie Kinder sexuelle Handlungen an sich selbst, anderen Kindern oder Erwachsenen vornehmen, sondern steuern die Taten auch aktiv durch eigene Anweisungen.

Mädchen lebt nun in Jugendheim

In dem Nürnberger Fall konnten die Ermittler nur bei zwei Taten echtes "Livestreaming" feststellen. Bei den meisten angeklagten Taten habe der Verdächtige das Mädchen per Chat zu sexuellen Handlungen aufgefordert und anschließend Fotos oder Videos davon erhalten, sagte ein Ermittler vor Gericht. Allerdings habe es etwa 40 Videoanrufe zwischen dem Mann und dem Mädchen gegeben, deren Inhalt jedoch unbekannt sei.

Der Mann habe die Frau und ihre Tochter während eines Sexurlaubs auf den Philippinen kennengelernt, erklärte sein Verteidiger Löwe. Danach sei ein reger Chataustausch entstanden. Sein Mandant habe sich eingeredet, das Mädchen sei mit allem einverstanden gewesen. Der Missbrauch habe geendet, als das Mädchen im Mai 2022 in Streit mit ihrer Mutter geraten und in ein Jugendheim gezogen sei, sagte Löwe.