Puh, das reißt ein Loch in die Urlaubskasse! Den Bürgern in Bramberg sind in diesen Tagen die Beitragsbescheide für die Verbesserung der Entwässerungsanlage ins Haus geflattert. Die Eberner, Albersdorfer und Bischwinder waren schon an der Reihe. Als nächstes sind Brünn, Eichelberg, Eyrichshof und Frickendorf dran, immer dem Alphabet nach. "Bis ich dann irgendwann mal Mitte nächsten Jahres in Unterpreppach ankomme", sagt Josef Müller vom Bauamt bei der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Ebern. Kein Stadtteil bleibt ausgeklammert, auch nicht Kurzewind und Bischwind a.R., obwohl beide (noch) nicht ans Abwassernetz angeschlossen sind. Solidargemeinschaft nennt man das. Verwaltungsmann Müller spricht von der "Einrichtungseinheit".


2500 Bescheide

Rund 2500 Bescheide gibt der Behördenvertreter raus, an 2500 Betroffene, auf die Kosten von rund 2,15 Millionen Euro verteilt werden müssen. Diese "Vorausleistungen" fallen für die Herstellung maroder Leitungen, vor allem im Bereich Kaserne, Rechen, Sandwaschanlage und Belebungsbecken in der Kläranlage an. Aber auch die Umstellung der Prozessleittechnik und der EDV für die neue Fernwirk-einrichtung fällt unter die Investitionen, die von 2015 bis 2018 anfielen.
"Dies betrifft vor allem die Ortsteile hart, denn sie haben ja schon vor Jahren bezahlt und sind nicht Verursacher der neuen Lage," protestieren Bürger.


Einspruch!?

Alois Voigt, früherer Lehrer aus Bramberg, meint in einer Zuschrift an diese Zeitung, die Nachbesserung betreffe die notwendige Ausweitung der Anlage im Gewerbegebiet "Alte Kaserne". Die VG nehme aber dadurch erheblich mehr Gewerbesteuer ein. So empfindet es Voigt als ungerecht, wenn die Leute auf den Dörfern zur Kasse gebeten werden. Er erwägt den Gang zum Verwaltungsgericht, "denn wir haben unsere Köpfe nicht nur zum Nicken". Der Pensionär rät zum Einspruch gegen die Bescheide nach dem Grundsatz "Gemeinsam sind wir stark".

Die Summen in den Bescheiden betragen im Schnitt, bei normaler Hausgröße, zwischen 500 und 800 Euro, "im Höchstfall mal 850 Euro", sagt Josef Müller. Für ihn seien 1000 Euro "die Schmerzgrenze". Man müsse sich vorstellen, wie solch eine Rechnung eine Großmutter mit 500 Euro Rente trifft.


Mit dem Messer bedroht

"Ich habe halt die leidvolle Aufgabe, den Leuten das Geld abzunehmen," sagt Müller. Er bekommt auch die empörten Reaktionen ab. Und davon gibt es genug - auch dieser Tage wieder. Einmal, vor etlichen Jahren, hat den Verwaltungsmann ein empörter Bürger mit dem Messer bedroht. Doch das ging glimpflich aus und blieb ein Einzelfall.

"Meistens gelinge es, die Leute schnell zu beruhigen. "Wenn man auf die Klospülung drückt und das Zeug ist fort", sagt er den Leuten gern, "dann geht es einem doch besser als König Ludwig XIV." Das sollten sich die Leute vor Augen halten, auch wenn der Monarch gewiss seine Lakaien hatte, die seine Hinterlassenschaften wegtrugen: "Gestunken hat es doch!"

Apropos. Während manchem Gebührenzahler die aktuellen Beitragsrechnungen stinken, zeichnen sich neue Investitionen mit Millionensummen ab, die nicht mit der aktuellen Zahlungs-Runde abgedeckt sind. Diese Kosten werden auch die Bürger der ebenfalls an die Kläranlage angeschlossenen Gemeinden Rentweinsdorf und Pfarrweisach treffen.


Schäden in der Anlage

Die Kläranlage muss saniert werden. Lecks und Fremdwassereinträge sind ein Problem, aber auch der hohe Stromverbrauch der Kompressoren. Zudem muss eine Lösung für die Klärschlammtrocknung bzw. -verwertung gefunden werden.
"Leider fangen gerade bei der Kläranlage, welche 1997 in Betrieb ging, und den 35 Pumpwerken notwendige Reparaturen an", sagt Harald Pascher (FDP), der aktuell als Stadtoberhaupt amtiert. "Außerdem hat sich in den letzten Jahren im Bereich der Technik viel getan." Die Stadt habe ein Planungsbüro beauftragt, die Kosten zu ermitteln, welche aufgrund von Reparaturen und erforderliche Umbaumaßnahmen anfallen. "Dabei ist die Stadt stets bestrebt", versichert der Zweite Bürgermeister, "die Kosten und die damit verbundenen Gebühren möglichst gering zu halten".


"Priorotät 1"

Die Wasserversorgung und die Abwasserentsorgung gehörten zu den wichtigsten Aufgaben der Stadt. "Priorität 1" sei es, beide Anlagen gut zu warten und zu pflegen. Allzuviele Menschen, bedauert Pascher, hielten das Vorhandensein der Kläranlage für eine Selbstverständlichkeit. Daher wirbt er dafür, "dass sich wieder mehr Schulklassen mit der Thematik auseinandersetzen. Unser Klärwärter, Walter Reuter, ist bereit, allen interessierten Schulklassen die Anlage vor Ort genau zu erklären." Eine Idee also für den Wandertag kurz vor Schuljahresende?
Harald Pascher erhofft sich davon einen wichtigen Aha-Effekt: "Vielleicht würde dann das Problem mit den Feuchttüchern geringer werden ..."


Der Solidargedanke
Alle Anschlussnehmer bilden eine Solidargemeinschaft. Egal wo und in welchem Stadtteil die Anlage ertüchtigt wird, müssen immer alle bei Verbesserungsmaßnahmen mitbezahlen. So wird der Aufwand auf viele Schultern verteilt. Wird zum Beispiel in Bramberg oder Bischwind etwas gemacht, müssen auch die anderen angeschlossenen Hausbesitzer in den Stadtteilen und der Stadt mitbezahlen und umgekehrt. Der Aufwand wird so für den einzelnen Hausbesitzer dauerhaft finanzierbar gehalten.

21 Jahre ist die Kläranlage Ebern in Betrieb. Sie wurde am 18. Juli 1997 offiziell eingeweiht.

9600 Menschen in Ebern, Pfarrweisach und Rentweinsdorf nutzen heute die Abwasseranlage, für 10 600 wurde sie einst ausgelegt.

111 Kilometer etwa umfasst das Rohrleitungsnetz der Abwasseranlage.

45 Millionen Euro wurden insgesamt in die Anlage gesteckt, zuletzt gut 8 Millionen, an denen die Bürger nun per Gebühren beteiligt werden.

6 Millionen Euro flossen an Zuwendungen in die Anlage. Heute gibt der Staat keine Zuschüsse mehr.