Sven Kaps denkt positiv. Deshalb lenkt er das Gespräch immer wieder auf die Ansätze für den Waldumbau, auf starke und zukunftsfähige Baumarten wie die Douglasie, die Elsbeere oder die Edelkastanie. Und er verweist auf die staatliche Unterstützung, die Waldbesitzer derzeit erhalten, um den Kampf gegen den Borkenkäfer durchzufechten.

Wer befallenes Fichtenholz aus seinem Wald räumt, egal ob Staats-, Privat- oder Körperschaftswald, der darf mit finanzieller Hilfe des Freistaats rechnen. Erst vor wenigen Tagen kündigte die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner einen Fonds von 700 Millionen Euro für Wald und Forst an, den Löwenanteil davon als "Prämie zur Erhaltung und nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder".

Kampf gegen Windmühlen

Die Betroffenheit des Revierförsters aus Ebern macht deutlich, welch dramatische Ausmaße die Waldschäden in der Region, besonders in den Fichtenbeständen, inzwischen angenommen haben: "Die Klimakrise schlägt voll durch."

Sven Kaps spricht von einer "Zeitrallye", aus der Nachbarländer wie Hessen und Thüringen bereits ausgestiegen seien. Dort, wo Nadelwälder dominieren, scheint das Ringen aussichtslos, doch Bayerns Mischwälder sollten auch derart widrigen Verhältnissen trotzen - wenn auch mit gravierenden Einbußen. Für die auf Gewinn ausgelegte Forstwirtschaft, für waldreiche Kommunen, Forstbetriebsgemeinschaften und private Waldbesitzer katastrophal.

Seit Anfang Juli geht's rund

Forstleute tun ihr Bestes in einem Kampf gegen die Windmühlen. Wobei die Gegner wesentlich kleiner sind, aber ungeheuer zahlreich: Borkenkäfer, genauer gesagt, Buchdrucker und Kupferstecher. Die malerischen Namen verdanken sie den Schadbildern der Fressgänge unter der Rinde. Die von trockenen Sommern, Stürmen und Schneebruch geschwächten Fichtenbestände haben dem Käfer nichts entgegenzusetzen. Ihnen fehlt die Kraft, sich durch Harz zur Wehr zu setzen. Förster sprechen von "Trockenstress". Die Plagegeister bohren sich in den Stamm der Nadelbäume und legen ihre Eier unter die Rinde.

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Dort fressen sie gemeinsam mit den Larven die Bastschicht - mit verheerenden Folgen: Die Baumkrone vertrocknet, die Fichte stirbt. Selbst für Laien sind die dürren, im Sonnenlicht rot leuchtenden Kronen in vielen Waldabteilungen unübersehbar. Gemeinsam mit den fertigen Jungkäfern fliegen die Elterninsekten weiter und befallen auch die umstehenden Fichten. Laut Angaben des Forstbetriebes Bad Königshofen schafft es ein einziges Weibchen im warmen Sommern auf über 100 000 Nachkommen.

Spätestens das dritte Schadensjahr in Folge lässt keinen Zweifel: Die Bemühungen, den Borkenkäfer in den Griff zu bekommen, sind gescheitert. "Die Baumart Fichte ist in unseren Wäldern nicht mehr zu retten", befindet Sven Kaps. Als Forstbeamter ist er für den Staatswald zuständig. Was er sagt, gilt aber ebenso für den Privat-, Kommunal- und Körperschaftswald. Dem Käfer sind die Besitzverhältnisse einerlei. Dort, wo Fichten stehen, schlägt er zu.

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Da das Schadholz nicht schnell genug aufgearbeitet werden kann, bleibt nur die Flucht: Das Holz muss in Quarantäne. Um der Massenvermehrung zuvorzukommen, werden die befallenen Stämme aus dem Wald geschafft und mit einem Sicherheitsabstand von 500 Metern zur nächsten Fichte gelagert. Weiter nämlich kann der Käfer nicht fliegen, sofern der Wind ihm nicht unter die Flügel greift. Ein immenser Aufwand ist es, der den Wald vor flächigem Absterben bewahren soll, ohne Chemikalien einsetzen zu müssen.

An Pflege- oder Verjüngungsmaßnahmen, wie sie sonst um diese Jahreszeit im Forst anstehen, ist im Krisensommer 2020 nicht zu denken. Baumfäller wie Thomas Birklein haben in diesen Wochen alle Hände voll zu tun. Mindestens bis Ende September wird der Kampf andauern, sagt er. "Bis dahin wird die dritte Käfergeneration heuer geschlüpft sein", sagt Birklein. Hinter seinen Worten stehen mehr als dreieinhalb Jahrzehnten Berufserfahrung.

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Traurige Zeugnisse des gigantischen Kahlfraßes und Kahlschlags sind riesige Schadholzpolder, so genannte Trockenlager, wie man sie jetzt an der Roten Marter, bei der Eberner Kaserne oder in der Flur bei Zeil findet - wenn nicht außerhalb des Waldes, dann zumindest außer Reichweite des Schädlings. Die Dimensionen dieser Stapel müssen jeden zufällig vorbeikommenden Spaziergänger erschrecken; Polder, imposant wie mehrgeschossige Häuserschluchten. Fast scheint es, als wolle man riesige Schutzwälle gegen den Käferflug errichten.

Solche Notlager gibt es zum Beispiel in Birkenfeld, Ostheim, bei Kraisdorf oder in Maroldsweisach. Etwa 5000 Festmeter türmen sich bereits auf dem Lagerplatz am Rennweg unweit von Bühl, Plätze in Zeil oder auf dem früheren Bundeswehrgelände in Ebern sind auf 10 000 bis 15 000 Festmeter ausgelegt und in manchen Teilen Bayerns wurden inzwischen laut Förster Kaps Lager mit 80 000-Festmeter-Kapazität angelegt.

Dramatischer Preisverfall

Gedacht ist das Ganze als Zwischenlösung - in der Hoffnung, das Holz eines Tages zu einem einigermaßen vernünftigen Preis verkaufen zu können. Doch die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage wächst, die Preise befinden sich im Sinkflug.

Selbst bestes Fichtenholz verkauft sich inzwischen schlecht. "Statt früher 90 bringt so ein Stamm heute mit Glück noch 30 Euro", sagt Thomas Birklein angesichts eines kranken Riesen, den er gerade in einem Privatwald umgelegt hat. "Vielleicht werden Bretter daraus, am Wahrscheinlichsten werden die Fichten irgendwann zu Paletten verarbeitet." Große Holzmengen aus den Haßbergen landen auch in der thermischen Verwertung. Doch etwa im Pelletwerk in Wunsiedel, bislang ein dankbarer Abnehmer, gilt seit Ende Juli ein Annahmestopp. Die Kapazitäten sind ausgeschöpft.

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Förster Kaps beziffert den Preisverfall auf 70 bis 80 Prozent. "Waldwirtschaft ist zurzeit absolut ein Draufzahlgeschäft" sagt er. In früheren Jahren hatten die Staatsforsten bayernweit stets fünfstellige Millionenbeträge erwirtschaftet. "Jetzt sind aus 30 Millionen Euro plus innerhalb von zwei Jahren 30 Millionen Euro minus geworden."

Für der Fortsamtsrat aus Bramberg steht fest, dass anstelle der gewohnten Waldwirtschaft mittelfristig der Walderhalt im Fokus stehen wird. "Die nächsten 20 Jahre wird der Krisenmanager und nicht mehr der Waldgestalter gefragt sein", sagt er. 20 Jahre, so lange ungefähr wird er voraussichtlich noch im Berufsleben stehen. Dem Förster bereitet nicht allein die Fichte Sorge. Auch der Kiefer, selbst der Buche droht der Klimatod. Dabei hatten Buchen lange Zeit als resistent gegolten. "Von zehn bis zwölf Baumarten bei uns", prophezeit Sven Kaps, "werden nur zwei, drei überleben."

Der Blick nach vorn

Die Geschwindigkeit, in der die Klimaschäden voranschreiten, überrascht selbst Fachleute. "Zurzeit macht der Job keinen Spaß", gesteht der 48-Jährige. "Es ist schon sehr frustrierend" Aber der Wald werde überleben, "nur als andere Vegetationsform". Der Mensch müsse sein Denken ändern, denn "wir tragen Verantwortung für kommende Generationen."

Also blickt der Förster voraus - nachhaltig: Aufgabe ist es, die Nutzwälder mit neuen Baumarten zukunftsfähig umzubauen. Eine spannende Aufgabe. Edelkastanie und Elsbeere, womöglich auch Baumhasel oder Libanonzeder, sind die Hoffnungsträger.