Momentan versinkt der Eberner Stadtwald noch in Matsch und Regen, doch in wenigen Wochen werden hier Schülertrupps mit Hacke und Schaufel anrücken. Mit der Aktion "Schulklimawald" will die Stadt zur Aufforstung kahler Waldflecken beitragen. Die großzügige Bestellung von Förster Wolfgang Gnannt verspricht jedoch viel Arbeit.

Angelehnt an das 1000-Bäume-Projekt des Landkreises Haßberge hat die Stadt Ebern gemeinsam mit der Bayerischen Forstverwaltung und vier Schulen ein eigenes Stück "Klimawald" initiiert. Bei der Umsetzung sollen die Schüler des Friedrich-Rückert-Gymnasiums, der Dr.-Ernst-Schmidt-Realschule, der Mittel- sowie der Grundschule mitanpacken.

Schnelle Baum-Bestellung

Im Oktober hatte das Landratsamt bei Bürgermeister Jürgen Hennemann nachgefragt, ob die Stadt Ebern Interesse hätte, sich am 1000-Bäume-Projekt zu beteiligen. Für dieses will der Landkreis 2020 und 2021 jeweils tausend Bäume sponsern, die die einzelnen Städte und Gemeinden dann zur Bepflanzung nutzen können. Förster Gnannt habe die Baumbestellung daraufhin aber so schnell abgeschickt, dass das Haßfurter Landratsamt verwaltungstechnisch gar nicht hinterhergekommen sei, scherzt Guntram Ulsamer, Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege.

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"Also haben wir beschlossen, hier selbst anzupacken", erklärt Hennemann. Der Eberner Stadtwald habe durch den Borkenkäferbefall sehr gelitten, die Pflanzaktion sei daher dringend notwendig. Bei der Besichtigung der für die neuen Bäume vorgesehenen Flächen wurde das Ausmaß des Schadens deutlich. Den vier Schulen steht nun jeweils ein abgezäuntes Stück Wald zwischen Fierst und Ebern zu Verfügung. Losgehen soll es in zwei Wochen: Über vier Tage hinweg wird Förster Gnannt dann gemeinsam mit rund 30 Schülern mehr als 1400 Bäume anpflanzen. Mit 120 Exemplaren haben die Grundschüler den kleinsten, aber immer noch einen stolzen Arbeitsanteil zu bewältigen.

Eberner Bäume dauerhaft pflegen

Die an der Aktion beteiligten Schulen könnten dadurch Unterrichtsinhalte zum Thema Umwelt mit praktischem Lernen verknüpfen. Sie sollen aber nicht nur beim Anpflanzen involviert sein, sondern die Bäume auch in Zukunft zusammen mit dem Forstamt pflegen. "So können die Schüler dem Wald beim Wachsen zusehen, damit aus den Bäumen langfristig was wird", meint Hennemann. Was finanzielle Fördermöglichkeiten angehe, gehöre der "Schulklimawald" zwar anders als das ursprüngliche 1000-Bäume-Projekt nicht zu den Leader-Projekten des Landkreises, dafür könnten die Kinder und Jugendlichen hier sofort mit der Bepflanzung loslegen, erläutert Ulsamer. Das 1000-Bäume-Projekt selbst soll erst im Herbst starten, damit den Gemeinden noch Zeit zur Anmeldung bleibt.

Der Eberner Stadtwald habe vor rund 35 Jahren noch größtenteils aus Eichen bestanden, erklärt Gnannt. Aus wirtschaftlichen Gründen wurden viele der Bäume jedoch durch Fichten ausgetauscht. Stürme, Borkenkäfer und die Hitze der vergangenen Sommer haben den Pflanzen jedoch enorm zugesetzt, sodass viele Bäume schließlich gefällt werden mussten. "Jetzt geht es wieder zurück zu den Wurzeln mit Eichen und anderen Mischbaumarten", betont Gnannt. Die Schwarznuss sei beispielsweise ein klimaresistenter Baum, von dem er sich eine lange Lebenszeit verspricht.

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Um sich im neuen Klimawald verewigen zu können, bekommt jede Schule für ihr jeweiliges Pflanzareal ein eigenes Holzschild, das Gnannt gemeinsam mit dem Bauhof entworfen hat. "Besonders toll an der Aktion finde ich den Gedanken der Nachhaltigkeit", sagt Philipp Arnold, Direktor der Eberner Mittelschule. "Das ist ein Grund für die Schüler, wieder herzukommen." Förster Gnannt hat seine Natur-Expertise bereits für Wandertage und Schulausflüge angeboten.

4 Tage lang werden die Schüler mit dem Anpflanzen beschäftigt sein: Das Gymnasium ist am 24. März dran, die Grundschule am 27., die Mittelschule am 31. und die Realschule am 4. April.

10.000 Euro stellt der Landkreis dem 1000-Bäume-Projekt zur Verfügung. Gemeinsam mit den Kommunen, Bauhöfen und Schulen soll die Aktion 2020 und 2021 umgesetzt werden.

Zweimal tausend Bäume: Das Projekt des Landkreises Haßberge

Im Herbst hat der Landkreis Haßberge beschlossen, für 2021 und 2020 jeweils bis zu tausend Bäume zu sponsern. Noch bis zum 31. März können sich Kommunen für die Aktion anmelden. "Das Ganze soll auch einen ökologischen Nutzen haben", erklärte Guntram Ulsamer bei der aktuellen Sitzung des Kreistages. "Nicht, dass wir fremdländische Bäume verwenden, mit denen unsere Tierwelt nichts anfangen kann." Feldahorn, Hopfenbuchen, Zerreichen oder Silberlinden würden sich beispielsweise gut eignen. 1176 Bäume und 758 Gehölze sind bereits konkret eingeplant. Landrat Wilhelm Schneider hofft auf eine Förderung von bis zu 60 Prozent.