6,30 Meter breit ist das Schneidewerk des Mähdreschers, mit dem Wolfgang Kettler in der größten Sommerhitze auf den Feldern im Landkreis Haßberge seine Bahnen zieht. Wie ein gefräßiges Metallmonster macht sein Fendt C Paralevel mit Weizen, Roggen, Triticale oder Gerste kurzen Prozess. Der Korntank fasst 9000 Liter, 365 Pferdestärken treiben den Koloss an.

Sein erster Mähdrescher, berichtet der Lohndruschunternehmer aus Jesserndorf, brachte es gerade mal auf 28 PS und war mit einem einfachen VW-Industriemotor ausgerüstet. Das war vor 50 Jahren, als er sein Unternehmen gründete. Inzwischen hat er an die nächste Generation übergeben und ist "nur noch als Fahrer" unterwegs.

Früher habe er sich auf die Ernte immer gefreut, erzählt der Senior, doch mit zunehmendem Alter ist er froh, wenn's wieder vorbei und alles gut gegangen ist.

Zwei bis drei Wochen Ende Juli/Anfang August bilden jeweils die heiße Phase, berichtet der 65-Jährige. Anstrengend sei die Erntezeit zwar, aber gemessen an einem Handwerker, der bei sengender Sonne draußen arbeiten müsse, habe er es in seiner klimatisierten Kabine doch relativ gut. "Man muss halt immer voll konzentriert sein".

Vorsicht Erntefahrzeug!

Kompliziert wird es auf den Straßen. Selbst ohne Mähwerk bringt es sein Mähdrescher auf 3,49 Breite, so dass für die Fahrten zu den Einsatzorten eine Sondergenehmigung erforderlich ist. Gelbes Warnlicht, 20-Stundenkilometer-Geschwindigkeit und ein vorausfahrendes Fahrzeug sind Gebote der Sicherheit. Vor allem auf schmalen verwinkelten Straßen wie im Raum Kirchlauter. Wolfgang Kettler erinnert an einen tödlichen Unfall dort vor einigen Jahren, als ein Motorradfahrer gegen einen Mähdrescher prallte. "So etwas möchte ich nicht erleben", sagt er. Also nimmt er auch in Kauf, dass er manchmal Stunden, die eigentlich beste Erntebedingungen bieten würden, für die Anfahrt auf der Straße verbringt.

Wolfgang Kettlers Fendt-Mähdrescher ist ausgestattet mit vielen Finessen: Ertrags- und Feuchtemessung, automatische Schneidwerksführung und elektronische Steuerung für Dreschtrommel und Abscheidekorb. Dementsprechend sitzt er in der Kabine vor einem Terminal mit allerlei Schaltern, Multifunktionshebeln, Lichtern und Warnsystemen. Besonders praktisch für die hügelige Region im Landkreis Haßberge ist das Hang-ausgleichsystem. Selbst bei 30 Prozent Gefälle steht das Dreschwerk noch gerade, was eine gleichmäßige Schnitthöhe garantiert. Auch dies wird vollautomatisch gesteuert.

Nachtschichten inklusive

Vor einigen Wochen noch hätte das grasgrüne Gerät Tarnfarbe gehabt, doch jetzt hebt es sich deutlich sichtbar von den goldgelben Feldern ab. Die Zeit ist reif. Während viele Menschen jetzt ihren Urlaub genießen, bedeuten die heißesten Sommertage in der Landwirtschaft Hochsaison. Erst recht für den Jesserndorfer Unternehmer, der im Auftrag von Landwirten im Raum Ebern, aber auch bis Priegendorf und in die Heiligen Länder im Einsatz ist. Oft dröhnt und staubt es bis gegen Mitternacht, denn in lauen Hochsommernächten geben allein die Feuchtigkeitswerte des Getreides die Sperrstunde vor. "So um die 200 Betriebsstunden kommen da in der Saison schon zusammen", schätzt Kettler.

Bei aller Raffinesse der Anbaumethoden und bei allen Errungenschaften in der Landwirtschaftstechnik: Über den Ertrag entscheidet vor allem die Witterung. Eine einzige Frostnacht hatte der Wintergerste in diesem Jahr Schaden zugefügt, anderen Sorten setzte die Trockenheit im April zu. Doch allgemein bewertet Wolfgang Kettler die Getreidequalität als gut, "beim Roggen für die Backqualität vielleicht sogar ein bisschen zu gut".

Was verbraucht so ein Mähdrescher eigentlich? Das ist unterschiedlich. Seit die Bauern nicht mehr so viel spritzen, sagt Kettler, ist es einiges weniger geworden, denn das Getreide bleibe dadurch nicht mehr so lange grün und feucht und lasse sich leichter schneiden. Besonders günstig für den Schnitt sei Trockenheit wie heuer, denn da brauche man nur etwa die Hälfte an Treibstoff. Bei richtig ungünstigen Bedingungen aber kann es laut Kettler passieren, dass bei einer großen Maschine zwischen zwei Uhr nachmittags und dem späten Abend ein kompletter 620-Liter-Tank leerläuft.

Mähen bis spät in die Nacht?

Eine rechtlich geregelte Sperrstunde gibt es nicht. Vielmehr ist gegenseitige Rücksichtnahme gefordert, auch was die Einhaltung der Nachtruhe betrifft. Dennoch kommt es laut Auskunft der Polizei in Ebern immer wieder mal vor, dass sich Bürger um ihren Schlaf gebracht fühlen, weil bis spät in die Nacht hinein noch Erntefahrzeuge auf den Feldern unterwegs sind. Doch dies ist laut Auskunft des diensthabenden Beamten "durch die Freiheiten der Bauern gedeckt". Landwirte seien darauf angewiesen, für die Ernte trockene Tage zu nutzen und - besonders wenn Regen oder Gewitter drohen - eben auch die Nächte.

Also bei Erntelärm lieber mal das Kopfkissen über die Ohren ziehen und an die Frühstücksbrötchen am nächsten Morgen denken.