Der Krieg im Iran lässt in Deutschland die Spritpreise nach oben klettern. In Berlin wird bereits nach Lösungen gesucht. Kommt wieder ein Tankrabatt?
Der Dieselpreis ist infolge der Unruhen des Iran-Konflikts auf über zwei Euro gestiegen. In der morgendlichen Preisspitze um 7.15 Uhr ermittelte der ADAC einen landesweiten Durchschnittspreis von 2,054 Euro pro Liter. Im weiteren Verlauf des Vormittags fiel er zunächst wieder knapp unter die 2-Euro-Marke. Auch Superbenzin der Sorte E10 stieg deutlich an und kostete in der morgendlichen Spitze 1,995 Euro pro Liter. Der Anstieg war jedoch nicht so stark wie beim Dieselpreis, der laut ADAC empfindlicher auf Krisen reagiert.
Beide Preise lagen am Vormittag jedoch klar höher als zur gleichen Zeit am Dienstag. Die Bundesregierung plant nach den Worten von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche keine Spritpreisbremse zur Entlastung der Autofahrer vor dem Anstieg der Benzinpreise. "Das steht nicht auf der Agenda", sagte die CDU-Politikerin in München.
"Bei Diesel geht auch der Tagesdurchschnittspreis in Richtung 2 Euro"
"Bei Diesel geht auch der Tagesdurchschnittspreis in Richtung 2 Euro", sagt der ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer. "Ob er dann über oder unter diesem Wert liegt, kann man jetzt noch nicht sagen. E10 bleibt sicher darunter, hier könnte es auf 1,93 bis 1,94 Euro pro Liter hinauslaufen. Beides wäre deutlich mehr als noch gestern."
Schon am Montag und Dienstag war der Spritpreis schnell gestiegen. Der bundesweite Tagesdurchschnittswert, der die starken Schwankungen im Tagesverlauf ausgleicht und dadurch langfristig besser vergleichbar ist, lag am Dienstag bei 1,897 Euro für einen Liter E10 und bei 1,917 Euro für einen Liter Diesel. Schon das waren 12,1 und 17,7 Cent mehr als am Freitag. Dass Diesel im Tagesdurchschnitt mehr als 2 Euro kostete, war zuletzt im November 2022 der Fall, bei E10 zuletzt im September 2022 - beides waren Folgen des Ukrainekrieges.
Eine ADAC-Sprecherin kritisierte die Preissteigerungen als unverhältnismäßig hoch. Die Mineralölwirtschaft gebe den gestiegenen Rohölpreis an die Verbraucher weiter, noch bevor die Kosten angefallen seien, denn die Tanklager seien noch mit zu niedrigeren Preisen erworbenen Kraftstoffen gefüllt. In der Vergangenheit seien die Spritpreise fallenden Rohölpreisen nicht so schnell gefolgt.
Wirtschaftsverband Fuels und Energie verweist auf deutlich gestiegene Einkaufskosten
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie verwies auf deutlich gestiegene Einkaufskosten. "Allein von Samstag, dem letzten Vorkrisentag, bis Dienstag ist der Produktpreis für Diesel in Rotterdam um 19 Cent je Liter oder um gut ein Drittel teurer geworden. Das ist der Betrag, den die Tankstellen in Deutschland im Einkauf jetzt schon mehr bezahlen müssen, um weiterhin mit Kraftstoff beliefert zu werden", teilte der Verband mit. Daher stiegen auch die Verbraucherpreise deutlich, wenn auch nicht im selben Ausmaß.
Das Bundeskartellamt spricht in diesem Zusammenhang vom Rakete-und-Feder-Effekt. Diesen habe es auch jetzt im Blick, heißt es von der Behörde. Ihr Chef, Andreas Mundt, rät in der aktuellen Lage - wie übrigens auch der ADAC - dazu, die Preise genau zu vergleichen. Alte Faustregeln, wie dass es sich am Abend am günstigsten tanke, gälten derzeit nur eingeschränkt oder gar nicht mehr.