Trockenstress bei den Bäumen, Schädlingsbefall aller Art, auch bei der Buche, sowie ein Holzmarkt, den es nicht mehr gibt und der keine Vermarktung mehr möglich macht, kennzeichnen die Situation des Waldes. Vorsitzender Wolfgang Borst, der Bürgermeister von Hofheim, beschrieb bei der Jahresversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Haßberge Probleme, wie es sie noch nie gegeben hat. Die FBG, ein Zusammenschluss von kommunalen und privaten Waldbesitzern, tagte in Königsberg.

Unterschiede in Bayern

Borst sprach von massiven Unterschieden innerhalb Bayerns, denn Mittel-, Ober- und Unterfranken seien stark betroffen, während es in Südbayern ganz anders sei. "Wenn wir unseren Wald schützen wollen, werden wir um einen massiven Ausbau der Naturverjüngung nicht herumkommen. Die Zeiten sind eben anders als vor zehn oder gar 30 Jahren. Dass in der Naturverjüngung schon ein vernünftiger Nachwuchs hochkommt, das geht nur mit den Jägern. Da nützt das schönste Reh nichts, wenn es keinen Wald mehr gibt. Landwirte, Waldbesitzer und Jäger sitzen im gleichen Boot", beschrieb Wolfgang Borst die Situation.

FBG-Geschäftsführerin Birgitt Ulrich sprach im Rückblick auf das Jahr 2019 von einer großen Herausforderung. Das gelte gleichermaßen für das laufende Jahr 2020. "Die Vermarktungsmenge war mit fast 47 000 Festmetern bei 205 vermarktenden Mitgliedern sehr hoch. Wir bekommen Holzmengen und die geben wir in Verträge. Ich habe diese veranschlagte Menge verdreifacht und selbst das reichte nicht aus", bekannte sie.

"Die Trockenjahre 2018/19 waren für uns in Franken ein Schlag ins Gesicht, auch wenn wir Mittel aus der Politik erhalten haben. Aber es gibt Schäden an vielen Baumarten, und ich wüsste nicht, welche Baumart nicht angegriffen ist. Es gibt nahezu keine Baumart, die mit diesen niedrigen Wasserständen zurechtkommt. Oberste Priorität hat jetzt der Erhalt des Waldes. Es schaut katastrophal aus", betonte die Geschäftsführerin.

Als besonderes Problem beschrieb sie die großen Käferholzmengen bei den Fichten. Die haben nach ihrer Aussage den Nadelholzmarkt in ganz Deutschland stark unter Druck gesetzt.

Die Dramatik der Trockenheit und des Käferholzes unterlegte sie mit einem Blick aus ihrem Wohnhaus hinaus in die Landschaft: "Ich getraue mich seit langem nur auf die vordere Terrasse. Die hintere meide ich, weil ich hier immer mehr auf braune Nadeln und braunes Holz blicke."

Auch die überregionalen Sägewerke geben nach ihrer Darstellung mittlerweile Kontingente vor. "Und auch wir haben ein Kontingent von circa 4000 Festmetern pro Monat. Weil so viel Holz auf dem Markt ist, müssen wir uns etwas überlegen und auch wir müssen bei Paletten-, Energie- und Sägeresteholz einen Cut machen. Ebenso brauchen wir weitere Trockenlagerplätze, die 500 Meter von Fichtenbeständen weg sein müssen. Bisher gibt es schon in Eltmann und Ermershausen solche Plätze."

Für das laufende Jahr 2020 gab sie den Mitgliedern für Nadelholz folgende Punkte mit auf den Weg: kein Frischholzeinschlag, rechtzeitige Meldung der Mengen an die FBG, vor dem Einschlag die Längen anfragen.

In ihrem Ausblick auf das Laubholz sah sie den Einschlag als abgeschlossen an mit voraussichtlich stabilen Preisen bei der Eiche und der Buche. Schwache Eichensortimente stünden unter Druck und Buntlaubholz solle vermieden werden, riet sie. Auch Trockenbuche sei schwer bis gar nicht vermarktbar. "Bei der Submission war Qualität und noch einmal Qualität gefragt."

Und das Laubholz?

Wie Birgitt Ulrich betonte, flaut die Nachfrage auch beim Laubholz als Brennholz ab. "Wir müssen wahrscheinlich zehn kalte Winter kriegen, damit das Holz alles weg ist."

Vorsitzender Wolfgang Borst stellte heraus, dass die FBG Haßberge die einzige Forstbetriebsgemeinschaft in Unterfranken sei, die vom wirtschaftlichen Standpunkt aus entspannt sei und gut dastehe, weil sie mit einem Polster für drei Jahre vorgesorgt habe. Das liege auch daran, dass die FBG mit Geschäftsführerin Birgitt Ulrich eine Kauffrau an der Spitze habe. Dazu gab es für Birgitt Ulrich großen Applaus.

Aufgrund der besonderen Situation im Wald entwickelte sich eine rege Diskussion. Hans Stark erinnerte an die 700 Millionen Euro, welche die Bundesregierung an die Waldbesitzer ausgeben wollte, aber bis jetzt seien nur sieben bis acht Millionen Euro über den Tisch gegangen.

Alexander von Rotenhan rügte ergänzend die bürokratischen Wege, die "ewig" dauern und Waldbesitzer schon seit zwei Jahren vor Probleme stellten. Auch die Bayerische Staatsregierung mache hier ihre Aufgaben nicht ordentlich, sagte er. Dabei kam der Einwurf, dass bei den Genehmigungen der Weg über Brüssel (EU) genommen werden müsse.

Eine wichtige Frage war: Was pflanzt man, das in zehn Jahren noch steht? Forstmann Hans Stark fielen dazu die Eiche, der Feld- oder Spitzahorn, die Hainbuche und der Speierling ein. "Aber wo kein Wasser mehr läuft, wächst auch nichts."