"Ich habe von dem Ladendiebstahl nichts gewusst, nehme aber an, dass es in der zweiten Monatshälfte passiert sein muss." Das schilderte der von einer Wohlfahrtsorganisation eingesetzte Betreuer der Angeklagten (31). Mit dieser Vermutung lag er richtig. Weil die psychisch kranke, aber trotzdem schuldfähige Frau (31) in den letzten Jahren bereits fünfmal beim Stehlen erwischt und verurteilt worden war, kassierte sie nun erstmals eine Freiheitsstrafe bei einem Strafprozess am Amtsgericht in Haßfurt. Drei Monate Haft lautete das Urteil. Die Strafe wird jedoch drei Jahre lang zur Bewährung auf Eis gelegt.

Die Tat ereignete sich am 18. Juli letzten Jahres in der Filiale eines Discounters im Maintal. Dabei steckte die allein lebende Frau eine Dose Tabak und weitere Waren ein und versuchte, die Kasse zu passieren, ohne zu bezahlen. Eine wachsame Kassiererin erwischte die Diebin mit den Waren im Wert von rund elf Euro.

Ohne das acht Urteile umfassende Vorstrafenregister wäre der Allerweltsdiebstahl nur eine strafrechtliche Bagatelle gewesen. Wer aber bereits etliches auf dem Kerbholz hat, bei dem verfolgt die Staatsanwaltschaft auch sogenannte Lappalien unerbittlich.

Die Straftat steht in engem Zusammenhang mit der Persönlichkeit und den Lebensumständen der Täterin. Die 31-Jährige leidet unter einer manifesten psychischen Erkrankung und befand sich deswegen auch im letzten Jahr eine Woche im psychiatrischen Bezirkskrankenhaus. Seit sieben bis acht Jahren schon bezieht sie Erwerbsunfähigkeitsrente, weil ihre Leistungsfähigkeit nicht mehr für eine normale Erwerbstätigkeit ausreicht.

Da die Frau unter gesetzlicher Betreuung steht, wird ihr die Rente nicht in voller Höhe ausgezahlt. Vielmehr werden davon erst einmal die monatlichen Fixkosten wie Miete, Strom und Telefon beglichen und sie erhält den Rest von 250 Euro als persönliche Verfügungsmasse. Damit muss sie ihr Essen und ihre Kleidung und den sonstigen persönlichen Bedarf abdecken. Dabei unterstützt sie ein professioneller Mitarbeiter der Diakonie, der kontinuierlichen Kontakt zu ihr pflegt.

Natürlich kann sie bei dem knappen Budget keine großen Sprünge machen, und wenn das Geld für den gesamten Monat ausreichen soll, muss es diszipliniert eingeteilt werden. Genau daran hapert es. Und so kommt es immer wieder vor, dass die junge Rentnerin in der zweiten Hälfte des Monats keine Knete mehr hat und dann den Langfinger macht. Um solche Kalamitäten zu vermeiden, versprach die Beschuldigte im Gerichtssaal, zukünftig enger und öfter mit dem Betreuer zusammenzuarbeiten und seine Tipps und Ratschläge zu befolgen.

Staatsanwältin Franziska Winkler plädierte aufgrund des umfangreichen Vorstrafenregisters auf eine viermonatige Bewährungsstrafe. Der Verteidiger Jürgen Wagner hielt drei Monate für ausreichend. Diesen Antrag übernahm die Vorsitzende Ilona Conver in ihrem Urteilsspruch, der noch im Gerichtssaal rechtskräftig wurde.