Was sich auf unseren Straßen nach Zukunftsmusik anhört - das Fahren von Autos durch Computer -, ist auf Frankens Feldern schon heute möglich, auch wenn es der Gesetzgeber noch nicht zulässt. Hightech erobert die Bauernhöfe und auch die Kabinen der Traktoren. Dank neuester Soft- und Hardware können die Schlepper dank satellitengesteuerter Navigation zentimetergenau geleitet werden.

Auch im Landkreis Haßberge ist diese Technik bereits auf den Feldern angekommen. "Über eine Referenzstation kann man die Grenzen vom Acker abspeichern. Die Technik weiß dann genau, wann sie die Geräte aus der Erde nehmen und wann sie sie wieder einsetzen muss", erklärt der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (kurz BBV), Klaus Merkel.
Auf seinen Feldern in Mariaburghausen hat es der Landwirt noch nicht ausprobiert, aber er kennt Kollegen, die diese Technik nutzen: "Das Fahren ist dadurch deutlich entspannter."


Wie funktioniert diese Technik?

Aber um was genau handelt es sich bei dieser Innovation? Im Mittelpunkt steht das GPS-Signal von Satelliten im All, das auch schon unsere Handys empfangen und verarbeiten. Doch für die Landwirtschaft sind das Mobilfunk-Netz und die Daten darauf nicht gerade zuverlässig, so Stephan Spitzer vom Maschinenring Regnitz-Franken.

Problem: Nicht überall bietet das Handynetz eine gute Versorgung - vor allem nicht auf dem Land und es gebe zudem Probleme, wenn zu viele Menschen gleichzeitig telefonieren. Dann würden Daten langsamer übertragen. Daher baut der Maschinenring in weiten Teilen Mittelfrankens ein eigenes Funknetz auf, das die Daten aus dem All störungsfrei in bester Qualität gewährleistet. Modems in den Traktoren fangen das auf und übertragen es auf die Steuerung der Schlepper. Auch der Maschinenring Haßgau bietet laut Merkel ein solches Signal im Landkreis Haßberge an.

Auch das autonome Fahren ist laut dem Kreisobmann schon Realität. "Theoretisch würde das schon gehen. Aber zur Sicherheit sollte immer noch ein Mensch hinter dem Steuer sitzen und die Technik überprüfen", meint der Landwirt. Zudem ist das autonome Fahren auf den Feldern laut Spitzer nicht vom Gesetzgeber gestattet. Ganz im Gegensatz zu den Niederlanden, wo das bereits erlaubt ist.

Aber was bringt dieses autonome Navigieren durch die Äcker? Enormes Einsparpotenzial, wenn es nach Kreisobmann Klaus Merkel geht. "Die autonome Steuerung berechnet optimal die Fahrt durch die Flur." Auch das Säen oder Pflügen könne durch die Technik viel effizienter werden.

Außerdem können Landwirte wichtige Daten sammeln - und zwar von allen Arbeiten auf den Feldern: Eggen, Walzen, Säen, Düngen, Spritzen. Dann kann sogar das genaue Ertragspotenzial eines einzelnen Feldes bestimmt werden. Und zwar dank satellitengestützter Bodenproben. Diese Informationen werden schließlich auf einem mobilen Bordcomputer im Schlepper gespeichert, der auch mit Satelliten in Funkverbindung steht. Dann weiß der Landwirt, wo genau am Feld wie viel Nährstoff gebraucht wird - mit diesen Informationen kann später, wenn die Saat aufgegangen ist, das Getreide viel effizienter gedüngt werden.


Technik bleibt Kostenfrage

Beim autonomen Fahren zieht der Traktor auf zwei Zentimeter genau bei der Saat eine Spur neben der anderen. Dabei muss der Fahrer die Hand nur noch beim Umwenden am Lenkrad haben.

"Doch im Moment ist diese Technologie noch eine Kostenfrage", meint Manfred Kraus, Leiter der Geschäftsstelle Hofheim-Schweinfurt des BBV. Jeder Landwirt müsse für sich abwägen, ob er die Technik kostendeckend einsetzen kann. Denn wer die Daten des Funknetzes nutzen möchte, muss etwa an den Maschinenring Regnitz-Franken 790 Euro pro Jahr zahlen. "Je mehr Kunden wir gewinnen können, desto mehr könnte diese Gebühr sinken", so Spitzer. Die Umrüstung der Traktoren-Steuerung schlägt einmalig mit 7000 bis 10 000 Euro zu Buche. Laut Erfahrungen von Landwirten könnte sich diese Ausgabe in nur vier Jahren bezahlt machen.

Doch die autonom fahrenden Traktoren sind erst der Anfang der Hightech-Landwirtschaft. Auf den Feldtagen, die mitte Juni in Mariaburghausen stattfanden, wurde ein Roboter vorgestellt, der ohne den Einsatz von Herbiziden Unkraut entfernt. "Ich hoffe, der kommt bald raus", meint Merkel. Welche Pflanzen unter diese Kategorie fallen, analysiert der Roboter anhand von Parametern wie Größe und Farbe der Blätter, Form und Größe der Früchte, Wuchsform, Insektenbefall und Chlorophyllgehalt, die über Sensoren ermittelt werden. Als schädlich identifizierte Pflanzen werden dann mechanisch entsorgt. Und nicht nur in solchen Fällen übernehmen Sensoren eine wichtige Aufgabe. Stickstoff-Messgeräte an Schleppern können über Lichtwellen die Blattfärbung erfassen.

Diese Werte werden an den Computer in der Fahrerkabine weitergegeben, der den Düngerstreuer und damit die Ausschüttungsmenge anpasst. Ähnlich lassen sich Frühwarnsysteme entwickeln, wie mit Blattnässefühlern ausgestattete Wetterstationen, die dem Landwirt über eine App melden, wenn Temperatur und Luftfeuchtigkeit die Verbreitungen von Parasiten und Pilzen fördern.


Technik zieht auf den Höfen ein

Vorteile verspricht auch das "Precision Livestock Farming" für die Viehzucht. Mit Computern und Sensoren ausgestattete Kuh- und Schweineställe erfassen die Tiere per Chip und überwachen deren Aktivität. In voll automatisierten Melkständen checken Kühe per Sensor am Halsband ein, während ein Laser die Position des Euters erfasst und an den Melkroboter weiterleitet. Es tut sich also Erstaunliches in den Höfen der Region. Das autonome Fahren ist dort Realität, noch bevor das die schicken Edel-Karossen in den Metropolen gelernt haben.