Am Dienstag Vormittag streikten die gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter der FTE automotive Ebern. Die Industriegewerkschaft (IG) Metall Bamberg hatte zum Streik aufgerufen, da die Tarifverhandlungen zwischen der IG Metall und dem Verband der bayerischen Metall- und Elektroindustrie (VBM) gescheitert sind.

In Ebern legten nach Angaben der Gewerkschaft rund 500 Mitarbeiter der Frühschicht die Arbeit nieder, die Produktion bei FTE automotive stand still. Um 10.30 Uhr versammelten sich rund 200 Gewerkschafter vor den Toren des Automobilzulieferers. Mit Transparenten, Trommeln und Pfeifen marschierten sie vom Werk aus zum Rathaus Ebern. An den Aktionen beteiligten sich auch rund 20 Beschäftigte der Firma Weiss aus Maroldsweisach. Der Demonstrationszug legte zeitweise den Verkehr in der Innenstadt lahm. Ein Polizeiwagen und mehrere Personen der Feuerwehr begleiteten den Zug und regelten den Verkehr. Um 11 Uhr kamen die Demonstranten am Rathaus an, wo die Kundgebung zum Warnstreik stattfand.

"Wir sind in einer zugespitzten Phase des Tarifkonflikts, deswegen fahren wir den Streik hoch", sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Bamberg, Matthias Gebhardt. Folgende Forderungen der IG Metall liegen auf dem Tisch: Die 3,8 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektrobranche sollen fünf Prozent mehr Geld für zwölf Monate erhalten. Die Arbeitgeber bieten bei zwei Jahren Laufzeit stufenweise 2,1 Prozent sowie eine Einmalzahlung an. Seit Mitte März laufen die Verhandlungen, die bisher erfolglos blieben.

In seiner Rede sprach Matthias Gebhardt die Arbeitgeber direkt an: "Wenn Ihr den Verhandlungen nicht einen vernünftigen Abschluss gebt, dann hetzt Ihr uns rein in Tagesstreiks." Dabei handelt es sich um massiv ausgedehnte Streiks über 24 Stunden. Die Gewerkschaft sei sich bewusst, dass Tageswarnstreiks erhebliche wirtschaftliche Einschränkungen für die Firmen bedeutet. Scheitern die Tarifverhandlungen in dieser Woche, würde die IG Metall mit der Planung der 24-Stunden-Streiks beginnen. Matthias Gebhardt erläuterte, dass gestern der IG-Metall-Vorstand in Frankfurt tagte, um zu entscheiden, wer in die Zielverhandlung gehen soll. Der Bamberger Gewerkschaftsvertreter beobachtet, wie er sagte, deshalb gespannt die momentanen Sondierungsgespräche, die in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen laufen. Laut Matthias Gebhardt könnten Tageswarnstreiks bereits Ende nächster Woche stattfinden. Vorher würde die Gewerkschaft aber ihre Mitglieder darüber abstimmen lassen. Mit dem Mitgliedervotum wolle sich die IG Metall die "demokratische Legitimation" für den massiven Streik abholen, erklärt er.

Durch den Warnstreik in Ebern erhofft sich der Gewerkschafter, dass die FTE-Geschäftsführung die Stimme im Arbeitgeberverband erhebt. "Das tun sie auch", ist sich Gebhardt sicher. Weiter sagte er, dass 80 bis 85 Prozent der Betriebe in der Industrie- und Metallbranche die geforderten fünf Prozent für die Beschäftigten "locker stemmen könnten". Dazu gehört aus Sicht der IG Metall auch die Firma FTE automotive. Die Betriebsratsvorsitzende von FTE, Sonja Meister, sagte: "Die Umsätze und Gewinne laufen gut." Für sie ist allerdings der hohe Altersdurchschnitt der Beschäftigten ein Problem. Viele ältere Mitarbeiter seien bereit, Platz für jüngere Kollegen zu machen, doch der Umstieg in die Rente sei schwierig. Für vier Prozent der Mitarbeiter gebe es Altersteilzeitregelungen nach Tarifvertrag. Der Betriebsrat kritisiert außerdem, dass bei FTE die gewerbliche Ausbildung immer noch zu kurz komme. Nach einem Ausbildungsstopp im gewerblichen Bereich im Herbst 2013, habe man im letzten Jahr immerhin 13 neue gewerbliche Auszubildende - Steigerung um 30 Prozent.