Eigentlich war der Grund für die Gestaltung der Wanderausstellung "Energie(ein)wände" ein negativer: Vielen Kommunalpolitikern im Landkreis Haßberge schlägt bei Energie-Projekten Widerstand entgegen. Manche Bürger fürchten zu hohe Ausgaben oder eine Verschandelung ihrer Heimat und zweifeln daran, ob sich die Energiewende im Kreis Haßberge überhaupt umsetzen lässt.

Frei von Fachjargon

"Wir haben Ihnen in der Ausstellung Argumentationshilfen für das Gespräch mit den Bürgern zusammengestellt", erklärt Bettina Stroh, Leiterin des Umweltbildungszentrums Oberschleichach (kurz Ubiz), den geladenen Gästen der Ausstellungseröffnung im Haßfurter Landratsamt. Damit der Inhalt die Bürger auch erreiche, habe man die Inhalte auf fünf Informationstafeln "eingedampft" und die Texte möglichst frei von Fachjargon gehalten.
Auf fünf Tafeln entkräftet das Ubiz so gängige Vorurteile und Zweifel.

Einwand Nummer eins: Ist die Energiewende im Kreis Haßberge machbar? "Ja", erklärt Gunter Häckner, technischer Projektleiter der Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekte im Landkreis Haßberge (kurz GUT), der der Landkreis sowie die 26 Gemeinden des Kreises angehören.

Schon jetzt könne der Strombedarf des Landkreises durch 1000 Hektar Photovoltaikanlagen (das entspreche zwei Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche) oder alternativ durch 80 Hektar mit Windrädern gedeckt werden. Der Jahresbedarf des Landkreises liege bei 500 Millionen Kilowattstunden. "Wir haben genügend eigenes Potenzial. Eine der Aufgaben des ländlichen Raumes wird es in Zukunft sein, Ballungszentren wie Schweinfurt mit Energie mitzuversorgen", so Häckner. Letztlich sei es eine politische Entscheidung, wie schnell man die Energiewende umsetze.

Einwand Nummer zwei: Wie wirkt sich die Energiewende auf die Natur und die Landschaft aus? "Es gibt oft den Vorwurf, dass Windkrafträder oder Photovoltaikfelder hässlich seien. Das stimmt vielleicht. Aber einen Tod müssen wir sterben", so Häckner. Man könne nicht erwarten, dass die Energiewende unkompliziert, umsonst und auch noch schön anzusehen sei.

Nicht nur bei Sonnenschein

Einwand Nummer drei: Ist die Energiewende zu teuer? Günter Häckner stellte die berühmte Gegenfrage: "Können wir es uns leisten, die Energiewende nicht zu machen?" 300 Millionen Euro gebe der Landkreis Haßberge jährlich für den Einkauf von Energie aus (Stand 2012). Durch die Nutzung erneuerbarer Energien würde ein großer Teil dieser Wertschöpfung in der Region bleiben.

Einwand Nummer vier: Funktioniert die Energiewende nur bei Wind und Sonnenschein? "Der Mix macht`s", beantwortet Häckner die Frage. Optimal sei die Kombination von Photovoltaik und Windenergie mit zuschaltbarer Biomasse und Wärmespeichern.

Abwarten ist keine Option

Einwand Nummer fünf: Läuft die Umsetzung der Energiewende planlos und ungeregelt ab? "Es stimmt, es gibt keinen Masterplan des Bundes. Da steckt ein Körnchen Wahrheit drinnen", gibt Häckner zu.

Dennoch müsse man sich auf den Weg machen. "Man kann nicht zuerst die Infrastruktur schaffen und sich dann um die Energiegewinnung kümmern. Das wäre so, als würde man erst ein Straßennetz bauen und sich dann um die Entwicklung von Fahrzeugen kümmern", erklärt Häckner.

Zum Abschluss der Präsentation sahen die gut 50 Vertreter von Kommunen und Gemeinden im Landkreis Haßberge einen Film über die Entstehung von "Energie(ein)wände". Darin haben unter anderem fünf Zehntklässler der Georg-Göpfert-Schule in Eltmann fünf Unterstützer der Energiewende interviewt: den Hofheimer Bürgermeister Wolfgang Borst, den Energieberater des Landkreises Günter Liebert, Gunter Häckner und Alt-Landrat Rudolf Handwerker, der die Energiewende von Anfang an unterstützt hat.

Termin Die Ausstellung "Energie(ein)wände" ist die nächsten drei Wochen im Foyer des Landratsamtes Haßfurt ausgestellt.

Ausleihe Die Infotafeln gibt es in zweifacher Ausführung. Sie können beim Ubiz in Oberschleichach von Kommunen und Gemeinden entliehen werden.