Am Weltklimatag wurde die Haßfurter Innenstadt zum Schauplatz der "Fridays for Future"-Bewegung. 550 Demonstranten nahmen teil. Während die Demo friedlich verlief und es zu keinen Pöbeleien kam, lässt die Protestaktion im (vermeintlich anonymen) Netz die Gemüter hochkochen. Die Reaktionen auf unsere Berichterstattung auf Facebook zeigen: Die Meinungen sind emotional, gehen weit auseinander - und leider teilweise unter die Gürtellinie.

Beleidigungen und Anfeindungen

84 Reaktionen haben der Beitrag und das Foto zur Protestaktion erhalten, darunter 36 "Gefällt mir"-Angaben. Drei Abonnenten drücken ihre Zustimmung mit einem Herz aus. Während sich vier Abonnenten "erstaunt" zeigen, können 20 Nutzer nur über die Demo "lachen". 21 sind "wütend". Die Spannbreite der Reaktionen spiegelt sich in den 85 Kommentaren wider, wobei die Gegenstimmen deutlich überwiegen. Ein paar beleidigende Kommentare mussten verborgen werden, da sie gegen die Netiquette verstoßen.

Viele, zum Teil hämische, Kommentare bekräftigen sich gegenseitig. So erhält Michael viel Zuspruch: "Tolle Aktion, ich finde, es ist schon kühler geworden". Carina meint, das sei "die neue Art, Schule zu schwänzen" und erntet viel Zuspruch, ebenso wie Tim: " Sollen arbeiten gehen, die ganzen Weltverbesserer". Andere sprechen unhöflich von einer "Schwachsinnsaktion" oder finden die Sache "bescheuert" und "lächerlich".

Haltlose Ängste bahnen sich ihren Weg. Andreas: "Bin ja mal gespannt, was die Eltern zu ihren Kindern sagen, wenn die geplanten Steuererhöhungen und Benzinpreiserhöhungen kommen?" Alexander malt ein Untergangsszenario: "Hoffentlich arbeitet keiner von denen die dort waren in der Autoindustrie. Wenn die Eltern dann arbeitslos sind, haben die genügend Zeit zum Fahrradfahren und die Umwelt in Deutschland zu schützen." Häufig dreht es sich um die Doppelmoral; ob wohl "alle mit dem Fahrrad gekommen" sind?

Wer eine andere Meinung vertritt, erhält Gegenwind, wie Frank, der schlichtweg schreibt: "Super Aktion." Woraufhin ihm Olaf polemisch entgegnet, er solle den Anfang machen und das Auto, Handy und die Klamotten seiner Tochter verkaufen. Persönliche Anfeindungen erfährt auch Nina mit ihrer Meinung: "Ich find's super! Berufsbedingt konnte ich leider nicht dabei sein. Und da ich aus selbem Grund viel mit jungen Menschen zu tun habe, kann ich bestätigen, dass sich ganz viele ernsthafte Gedanken um das Thema machen." Rosemarie gehässig: "Du findest es auch super, dass wir jetzt mehr bezahlen müssen. Hoffe du hast eine alte Ölheizung." Woraufhin Nina kontert: "Nein, schon seit 30 Jahren Erdwärme und seit 15 Jahren eine Solaranlage."

Lothar wirft ein: "Immer von der Erde reden aber Deutschland ist nicht die Erde." Da springt Katharina unterstützend zur Seite: "Deutschland ist nicht die Erde. Das ist wahr, aber ein Teil davon. Es geht um globales Umdenken. Für unsere Kinder und Ihre Enkel. Manchmal tut es gut, über Tellerränder schauen zu können."

Kinder helfen den Erwachsenen

Über den Tellerrand schauen, "das hätte man mal vor Dreißig Jahren tun sollen, nicht erst jetzt", meint Angela. Johanna erinnert an früher und "an Aktionen wie ,Jute statt Plastik‘ und ,Atomkraft nein Danke‘, sauren Regen und Meldungen über das größer werdende Ozonloch. Das hat mich als Kind sehr bewegt. So geht es nun meinen Kindern. Sie helfen uns Erwachsenen dabei, unser Verhalten zu reflektieren und zwingen die Politik zum Handeln."

Ins Gespräch mit unserer Zeitung kam Nina. Die Diskussion hat sie zwar nicht als Anfeindung empfunden. Doch hat sie als Lehrerin das virtuelle Hin und Her genutzt, um mit ihren Schülern darüber zu reden, welche Erfahrungen sie im Netz machen. "Es wurde öfter gesagt, dass es sie entsetzt hat, wie aggressiv Erwachsene reagieren." Da fragt sie sich: Welche Vorbildfunktion hat der Erwachsene, wenn er sich nicht an einfache Höflichkeitsformen - auch bei Meinungsverschiedenheiten im Netz - halten kann?