Silke Blakeley, Willi Lediger und Reiner Reitz erzählten an verschiedenen Stationen von Zeiten, zu denen das wirtschaftliche Herz Eltmanns entlang des Mainufers schlug.

An der Vetters-Mauer ging es los, und die Vorstandsmitglieder freuten sich, dass die Fackelwanderung trotz verhältnismäßig schlechten Wetters auf so großes Interesse stieß.

Ein fester Termin im Jahr

Vor allem den Kindern war das Wetter relativ gleich. Für sie ist diese Veranstaltungzwischen Weihnachten und Silvester immer eine willkommene Abwechslung. Erste Station war die Mainbrücke. Der Übergang über den Main war für Eltmann sehr wichtig, hatte aber eine enorm wechselhafte Geschichte.

Mitte des 15. Jahrhunderts wird die erste Eltmanner Brücke urkundlich erwähnt, "aber alle zehn bis spätestens 30 Jahre waren die Brücken immer wieder dahin", erzählte Silke Blakeley, Hochwasser, Treibeis oder Kriege zerstörten die Brücken, die von Eltmann hinüber nach Ebelsbach führten. Allein im 30-jährigen Krieg, 1618 bis 1648, wurden fünf Brücken zerstört. 1784 ist das Eis auf dem Main fast einen Meter dick gewesen - bei Tauwetter im Frühling rissen die Schollen die Brücke mit sich.

Erste Steinbrücke 1835

1835 wurde die erste Steinkonstruktion errichtet, aber auch diese war 1848 zerstört, eine eiserne Brücke hielt bis 1898, die nächste war aus Stampfbeton, wurde aber am 12. April 1945 von den abrückenden deutschen Truppen gesprengt.

Die Amerikaner errichteten in acht Tagen eine neue Holzbrücke und gleichzeitig einen Fährbetrieb. Den eisreichen Winter 1947 überlebte die Notlösung nicht. Eine alte Eisenbahnbrücke tat ihre Dienste von 1953 an. Die heutige Brücke wurde 1970 errichtet, mehrfach saniertund erneuert, modernen Sicherheitsstandards angepasst und überlebte auch eine Schiffshavarie2011.

Die Brücke war für den Eltmanner Stadtsäckel früher eine Belastung, aber auch eine gute Einnahmequelle, denn "der Eltmanner Brückenzoll war der höchste der Umgebung", wusste Willi Lediger.

Drei große Mühlräder

Er berichtete 50 Meter weiter von der ehemaligen Mainmühle, die von drei nacheinander liegenden großen Mühlrädern angetrieben wurde. Um genügend Wasserkraft zu haben, wurde der Main angestaut - für Schiffe musste die Stauung aufgehoben werden, und auch das kostete Zoll an die Stadt. Von Willi Lediger erfuhren die Teilnehmer, warum die Müller früher nicht zu den angesehenen Ständen zählten, und dass es früher eine zweite Getreidemühle im Bereich des heutigen Schwimmbades gab. Eine dritte Mühle mainaufwärts vor der Stadt wurde ab 1800 von einem Gerber betrieben, der damit die Lohe (Baumrinde und manchmal auch Laub) für die Fellbearbeitung zerkleinerte.

Gefängnis Zehntturm

Wieder nur 50 Meter weiter, dort, wo die Maingasse vor dem Mainufer eine scharfe Linkskurve macht, stand im Zuge der Stadtmauer der Zehntturm, ein wichtiges Amtshaus, in dem die Bürger ihren Steuer-Zehnten abgaben, wo sich aber auch das Gefängnis für die gesamte Umgebung befand.

Neben dem städtischen Kindergarten schwelgte Reiner Reitz in Kindheitserinnerungen. Hier ist er aufgewachsen, als an der Mainlände noch der Holzumschlag florierte, die Flößer Station machten, das große Sägewerk lief. Illustre Gäste kamen über die Mainlände nach Eltmann, brachten Weltoffenheit und Wohlstand, und viele Eltmanner nutzten diese Gelegenheit, um in die Welt zu gehen und neue Eindrücke zu sammeln. Für die Kinder wie Reiner Reitz war die Mainlände damals ein Abenteuerspielplatz.

Heute sind hier auf dem Mainradweg die Touristen unterwegs, Flusskreuzfahrtschiffe legen an, Wohnmobilisten schätzen den Stellplatz am Ufer, und die Gastronomie gleich nebenan - der Main und die Mainlände sind noch immer eine Lebensader Eltmanns.

Der Fluss liefert unzählige spannende Geschichten und so gab es ausreichend Gesprächsstoff, als am Schlusspunkt am Generationenparcours Glühwein und ein Imbiss bereit standen.