"Die Digitalisierung heute ist ähnlich wie die Industrialisierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Es ist aber eine Chance, die wir annehmen sollten. Die Schülerzeitung hilft Schülern zu hinterfragen, mündige Bürger zu werden und nicht alles zu glauben, was da hergequatscht wird. Es gibt auch eine Gegenmeinung." Diese Aussage stand im Mittelpunkt des "Mensa-Gesprächs" an der Georg-Göpfert-Mittelschule in Eltmann, das sich mit der "digitalen Gesellschaft" befasste.

Schulleiter Rektor Raimund Willert stellte stolz heraus, dass die Eltmanner Schülerzeitung "Wallburg-Express" in den letzten 15 Jahren sieben Mal Landessieger, neun Mal Bundessieger und zwölf Mal bundesweit prämiert wurde. Bei der letzten Auszeichnung erhielten die Eltmanner, für Willert ein Novum, als Preis einen Workshop und eine Abendveranstaltung.

Von den FakeNews bis zur Ethik im Journalismus

In den Workshops drehte es sich um die Themen "Deine Stimme zählt", "Ethik&Journalismus" sowie "Fake News". Am Nachmittag gab es eine Redaktionssitzung mit den Aktiven der Schülerzeitung. Die Abendveranstaltung mit den Schülerredakteuren, Lehrern und Eltern sowie den Verantwortlichen der Stadt lief als "Mensa-Gespräch". Es ging darum , "wie der technische Umbruch Journalismus, Demokratie und Bildung beeinflussen". Zu Gast waren Sebastian Beck, Chef der SZ-Bayernredaktion, Anna Günther, SZ-Redakteurin für Bildung- und Hochschulpolitik und Silke Zimmermann, Programmleiterin der Nemetschek-Stiftung.

Silke Zimmermann erläuterte das Ziel der Stiftung. Sie will demografischen Halt und die Demokratie fördern. In Zeiten von Fake News gelte es, die Argumentationsfähigkeit zu stärken, so Zimmermann. Sebastian Beck beschrieb, dass sich das Berufsbild des Redakteurs in den letzten Jahrzehnten völlig geändert hat. Das Zeitungswesen ist seinen Worten nach in einer tiefen Krise; viele Medien oder regionale Zeitungen gibt es nicht mehr. Und die, die noch da seien, hätten nicht mehr genug Leute.

"Wir haben früher Zeitung gemacht und natürlich jetzt auch noch, aber wir gehen auf verschiedenen Kanälen heraus und versuchen, Schritt zu halten." Die digitalen Medien haben viel verändert. "Die Gesellschaft wird polarisiert, der Ton wird schärfer, das Klima hat sich verändert, die Spaltung zwischen Stadt und Land vertieft und das alles macht uns auch Sorge." Die Zeitung hat nicht mehr die Meinungsführerschaft. Für Redakteurin Anna Günther ist es eine wichtige Aufgabe, "das Vertrauen der Leser zu gewinnen und Geschichten für die Leser zu schreiben. Aufgabe ist es natürlich auch aufzuklären.... Unser Anspruch ist die Sorgfalt bei der Recherche und das rechtfertigt, dass der Leser dafür bezahlt."

Keiner weiß richtig Bescheid

Zur Digitalisierung in der Schule, unterstrich sie, es brauche jetzt die Ausstattung und Technik dazu. Sebastian Beck stellte fest, "dass die Aufmerksamkeitsspanne mit der Digitalisierung kürzer wird." Es stelle sich die Frage, ob man sie sinnvoll in den Unterricht integrieren kann. Zuhörer warfen ein, dass Lehrer verunsichert seien - ebenso die Eltern. Anna Günther hält es für wichtig, dass Wlan und Glasfaser in jede Schule müssen. "Das heißt aber nicht, alle alten Methoden über Bord zu werfen."

Ein Zuhörer kam aus der IT-Branche. Er wies auf die schnell veraltete Technik hin. In der Wirtschaft seien derzeit zehn Prozent der Mitarbeiter in der IT-Betreuung beschäftigt. Übertragen auf die Schule hieße das: Bei einem Lehrerkollegium von 40 Personen bräuchte es vier Personen für Wartung und Pflege des Systems. Das sei nirgends der Fall.

Anna Günther richtet den Blick in die Welt: "Wollen wir, dass uns die Chinesen überrennen? Oder wollen wir dafür sorgen, dass unsere Jugendlichen vorne dabei sind? Dazu muss man aber auch richtig Geld einstellen." Die Schulhäuser, gerade wie in Eltmann, seien hübsch und prima. Doch auch die Kinder brauchen den passenden Unterricht mit passendem Budget.

Bürgermeister Michael Ziegler sah für die Stadt Eltmann als Sachaufwandsträger die Ausführungsbestimmungen als Problem. Die Stadt bekomme die Wünsche der Schulleitungen auf den Tisch, "aber wir wissen noch nicht, wie viel Geld wir bekommen und müssen zu lange warten. Wir haben von der Stadt in den letzten Jahren 15 Millionen Euro investiert, brauchen aber noch mehr Unterstützung. Manche Kommunen können sich das auch nicht leisten."

Schulleiter Raimund Willert zeigte das Ziel auf. "Wir wollen den Weg gehen, dass sich unsere Schüler in der digitalisierten Welt zurechtfinden. Das kostet Zeit und Geld und dazu müssen wir unsere Lehrkräfte auch im eigenen Haus fortbilden. Die Frage ist nur, was wir tun müssen, damit dies möglich ist!"

Schließlich kam die schlimme Gesprächskultur im Internet zur Sprache. Zum Teil wurden die sozialen Medien sogar als "demokratiegefährdend" eingestuft. Sebastian Beck sagte, "die Kinder müssen lernen, wie sie mit diesen Medien umgehen können." Unternehmen wie Facebook müsse man auch einer demokratischen Kontrolle unterziehen und im Idealfall ein rechtliches Dach dafür finden. Junge Leute könnten nämlich oft nicht unterscheiden, was Journalismus und was PR sei.

Die drei externen Gesprächsteilnehmer waren von dem Praxistag in Eltmann begeistert.