Das kommt auch nicht allzu oft vor: Nach der Beweisaufnahme plädierte in einem Jugend-Strafprozess am Amtsgericht in Haßfurt sogar die Staatsanwältin auf Freispruch für den 21-jährigen Angeklagten. Der Vorwurf, dass er im Zuge einer tätlichen Auseinandersetzung einen anderen jungen Mann in den Schwitzkasten genommen und mit der Faust auf die Nase geschlagen habe, löste sich bei der Gerichtsverhandlung buchstäblich in Luft auf. Offensichtlich war die Anzeige gegen den Beschuldigten eine "klassische Retourkutsche", wie es Rechtsanwalt Jochen Hebig formulierte.
Eine Auseinandersetzung freilich hatte es gegeben. Dabei ging es - wieder einmal - um einen Konflikt, der sich in der Unterpreppacher Diskothek am 20. Januar dieses Jahres gegen 3 Uhr nachts abgespielt hatte.
Jugendrichter Martin Kober musste aufklären, wer damals tatsächlich zugeschlagen hatte.
Diese Aufgabe erwies sich diesmal als "leichte Übung", weil alle Zeugenaussagen die Version des Angeschuldigten, der im nördlichen Bereich des Haßbergekreises wohnt und beruflich als Handwerker seinen Mann steht, untermauerten.
"Guck dir mal den Schwuchtel an!" - dieser Satz, den ein 25 Jahre alter Arbeiter aus Thüringen an der Discobar in Richtung des Angeklagten ausstieß, löste den Streit aus. Als der Beschimpfte daraufhin den stark angetrunkenen Provokateur zur Rede stellen wollte, packte der ihn gleich am Kragen. Gottlob konnten zwei eilig hinzueilende Security-Leute die Streithähne voneinander trennen.
Um die hitzige Situation zu entschärfen, ging der Haßbergler auf seinen Widersacher zu und wollte ihm als Friedensangebot die Hand geben. Damit war er an den Falschen geraten: Unvermittelt traf ihn ein Faustschlag am linken Auge und streckte ihn zu Boden. Er musste in die Notaufnahme eines nahe gelegenen Krankenhauses gehen und die Platzwunde nähen lassen. Eineinhalb Wochen konnte er aufgrund ärztlichen Attestes nicht zur Arbeit gehen.

Anzeige

Da ihm so übel mitgespielt wurde, entschloss sich der Handwerker, bei der Polizei Anzeige gegen den Schläger zu erstatten. Da der im Hildburghäuser Kreis wohnt, wurde er von den dortigen Beamten vernommen. Und dabei erhob der Thüringer die Gegenvorwürfe, die zu der Verhandlung in Haßfurt führten. Zwischenzeitlich hat der Ostdeutsche einen bereits rechtskräftigen Strafbefehl wegen Körperverletzung erhalten.
Im Zeugenstand blieb er zwar dabei, dass ihn "jemand" gedrosselt und geschlagen habe, behauptete aber nicht mehr, dass dieser "Jemand" der Angeklagte sei. Die beiden als Zeugen geladenen Sicherheitskräfte entlasteten ebenfalls den Angeklagten. Der Tatvorwurf war damit verpufft - ganz augenscheinlich handelte es sich bei den Anschuldigungen um den Versuch, ein "Gegengewicht" aufzubauen. Logische Folge: rechtskräftiger Freispruch. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse