Als er Wind davon bekam, dass seine Freundin die Nacht mit einem anderen jungen Mann verbracht hatte, tickte ein 22 Jahre alter Arbeiter völlig aus. Offenbar im Zustand rasender Eifersucht fuhr er mit seinem Auto zum Wohnort der Geliebten, riss seinen Nebenbuhler zu Boden und traktierte ihn immer wieder mit Faustschlägen ins Gesicht. Weil er bereits einschlägig vorbestraft ist, wurde er in einem Strafprozess am Amtsgericht Haßfurt wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer viermonatigen Freiheitsstrafe verurteilt, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird.

Was sich am frühen Morgen kurz nach 5 Uhr in einem Dorf in den Haßbergen abspielte, kommt einem vor wie ein schlechter Film. Eine junge Frau (23 Jahre) will zur Frühschicht fahren und verlässt zusammen mit einem zehn Jahre älteren Handwerker, der bei ihr übernachtet hat, das Haus. Als sie die Tür ihres Autos öffnet, hört sie hinter sich röchelnde Laute und dumpfe Schläge. Das Bild muss schockierend gewesen sein, das sich ihr bietet, als sie sich umdreht. Ihr damaliger Freund sitzt rittlings auf dem am Boden liegenden Handwerker und schlägt wie von Sinnen immer wieder mit den Fäusten auf dessen Gesicht ein. Obwohl die junge Frau den Schläger sofort an dessen Oberarm packt, um den Gewaltausbruch zu beenden, hat sie keine Chance. Deshalb rennt sie laut nach ihrem Vater schreiend zur Haustür zurück und läutet Sturm. Erst nachdem dieser herauskommt, endet das Drama.

Vor Gericht wurde das Tatgeschehen genau rekonstruiert. Der angeklagte Angeklagte muss von hinten seinem Nebenbuhler die Kapuze in einem Ruck heruntergezogen, ihn am Hals gewürgt, zu Boden gerissen, sich dann auf ihn gesetzt und mit der Faust auf Gesicht und Oberkörper eingeschlagen haben. Als durch den 47-jährigen Vater das unheilvolle Geschehen endlich beendet wurde, war der Schläger noch so in Rage, dass er auch dem älteren Mann Prügel androhte: "Du bist der Nächste!" Aber dann kam er doch zur Vernunft und zog Leine.

Auf die Attacke angesprochen, legte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ab. Die Frage, wie es dazu gekommen sei, beantwortete er so: "Mir ist halt die Sicherung durchgebrannt." Er schilderte, dass er kurz nach dem damaligen Gewaltausbruch mit dem Auto zum Tatort zurückgefahren sei, um sich zu entschuldigen. Doch die Tür sei verschlossen gewesen und niemand habe geöffnet. Inzwischen habe er sich bei seinem Opfer entschuldigt und mit der Sache abgeschlossen.

Der Geschlagene selbst erklärte im Zeugenstand, dass er bei dem Angriff erst einmal keine Luft gekriegt habe und dass es dann zu den Verletzungen im Gesicht, am Rücken und an den Beinen gekommen sei. Seine Lippe habe geblutet, am Hinterkopf habe sich eine Beule gebildet und an der Schulter und am Bein habe es offene Wunden gegeben. Direkt nach dem Vorfall erstattete er bei der Polizei Anzeige, die er später zurücknahm. Trotzdem verfolgte der Staatsanwalt die Angelegenheit weiter, weil bei einem solchen Delikt das öffentliche Interesse gegeben ist.

Vor Gericht wurde deutlich, dass sich die junge Frau damals nicht zwischen den beiden Männern entscheiden konnte. Ihr Vater beschrieb diese ungute Situation so: "Es ging immer hin und her, es war ein Kuddelmuddel." Jetzt ist die 23-Jährige hochschwanger. Rechtsanwalt Oliver Leuteritz wollte von dem Opfer wissen, wer als Vater in Betracht komme. Der erwiderte prompt: "im Prinzip beide." Auch die Schwangere weiß nicht, von wem ihr Kind stammt.

Dass der Beschuldigte nicht zum ersten Mal ausrastete, erfuhr man, als das Vorstrafenregister verlesen wurde. Im Herbst 2018 kam es zu üblen gewalttätigen Ausfällen gegen die heute 23-Jährige, mit der er damals liiert war. Laut dem Strafbefehl des Staatsanwalts hatte er mehrfach seine Freundin am Hals gepackt und mit der Hand und dem Ellenbogen ins Gesicht geschlagen. An den Haaren habe er sie hinter sich her geschleift und gegen das Auto geknallt. 2019 kassierte er dafür eine Geldstrafe von 4950 Euro.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft betonte das enorme Gewaltpotenzial des Angeklagten. Aufgrund der einschlägigen Vorstrafe und der hohen Rückfallgeschwindigkeit forderte sie eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten - ohne Bewährung. Der Verteidiger hingegen beschrieb anschaulich das Wechselbad der Gefühle, in dem sein Mandant sich befunden habe. Dass die junge Frau nie einen "klaren Schnitt" zwischen ihren Verehrern gemacht habe, habe auch dazu beigetragen, dass es zu der schlimmen Körperverletzung gekommen sei. Von daher plädierte der Verteidiger des Angeklagten auf eine Geldstrafe.

Mit der viermonatigen Bewährungsstrafe bewegt sich der Richterspruch zwischen den Anträgen von Anklage und Verteidigung. Richterin Kerstin Leitsch führte in der Urteilsbegründung aus, dass die junge Frau bei der ganzen Sache sicherlich "keine glückliche Rolle spielte, aber das rechtfertigt nie und nimmer Schläge". Als weitere Auflagen für den Verurteilten verfügte sie, dass dieser sich regelmäßig bei einem Bewährungshelfer melden, an einem Antiaggressionstraining teilnehmen und 1000 Euro an den Verein Aktion Kinderschutz in Karlsruhe bezahlen muss. Abschließend gab sie dem durchtrainiert wirkenden Beschuldigten mit auf den Weg: "Ich wünsche Ihnen, dass Sie künftig Ihre Aggressionen in den Griff kriegen."