Aus dem Kalender streichen, wie er es am liebsten tun würde, kann Klaus Wichler das Jahr 2020 nicht, aber er will es zumindest vergessen. Ob es dabei hilft, wenn der Chef der Burgpreppacher Firma Frankenland-Reisen mit dem Rad eines seiner Busse symbolisch einen Luftballon mit der Jahreszahl 2020 überrollt?

Er versucht es zumindest, in einem YouTube-Video, das die Firma kurz vor Weihnachten an all die Stammkunden versandte. Gedacht ist das witzige Filmchen als Dank für Treue und Solidarität und als Appetizer. Denn ab Ostern, so hofft der Unternehmer, wird die Reisebranche wieder ins Rollen kommen. "Richtig normal wird es wohl frühestens Ende nächsten Jahres wieder laufen."

Nach dem "Goldenen", dem 50. Jubiläumsjahr des Unternehmens 2019, nun also ein Jahr zum Abhaken. Der 55-Jährige: "Da können wir eh nichts mehr retten." Die Corona-Pandemie, Reisebeschränkungen, Lockdowns und Unsicherheiten über geltende oder drohende Vorschriften haben den Burgpreppachern, wie der gesamten Branche, desaströse Bedingungen beschert, mit Stornierungen und Rückerstattungen zuhauf.

Hatte es im Sommer zeitweise so ausgesehen, als liefe alles wieder normaler, so brachte der Herbst die Ernüchterung: "Angeboten, gebucht, verkauft, abgesagt, rückerstattet", sagt Wichler. "Die ganze Arbeit für die Katz."

Rückhalt durch Kunden

Sei's drum, der Touristikunternehmer schwärmt vom "Top-Spirit" in seinem Team, das all dies zur großen Zufriedenheit der Kunden abwickle. Eine Vielzahl von Feedback-Bögen belegen, wie sehr die Reisegäste das Angebot und den Service bei Frankenland-Reisen schätzen - auch in der Krise.

Vier Mal in Folge rangierte der Reiseanbieter aus den Haßbergen in einer deutschlandweiten Online-Bewertung unter den ersten Fünf von 2500 Busunternehmen. "Wir leben vom Vertrauen der Leute", sagt Wichler. Auf Kundenwunsch werden oft Gutscheine als Ersatz ausgestellt - das heißt, die Reisegäste kommen wieder.

Der Zuspruch von rund 14 000 Stammkunden bestärkt das Familienunternehmen, positiv in die Zukunft zu schauen und auf Besserung im Jahr 2021 zu bauen. Auch wenn 80 Prozent der 50 Mitarbeiter in Burgpreppach seit Monaten in Kurzarbeit sind; auch wenn noch eine "hohe sechsstellige Summe" aussteht, die man an Vertragspartner im Ausland, zum Beispiel Hoteliers, vorauszahlte, ohne deren Dienstleistungen abrufen zu können; und auch wenn das Unternehmen im Laufe des Jahres zwei seiner bislang sechs eigenen Busse verkaufte. Im Moment, sagt Wichler, heißt es "den Ball flach halten. Jetzt würde ich meine Eltern auch nicht auf eine Kurzreise irgendwohin schicken".

Die Perspektiven

Das Familienunternehmen fährt in der dritten Generation, Wichlers Töchter Kim und Mandy haben Touristik studiert, und werden die Zukunft sichern. Aber wie wird es in den nächsten Monaten weitergehen? Die Konditionen für Reisen, das führt das Corona-Jahr drastisch vor Augen, können sich täglich ändern, positiv wie negativ.

Anfang des nächsten Jahres läuft nichts, da sind auch viele Hotels geschlossen; im März setzt das Angebot mit Busreisen in 22 Länder wieder ein. Aus den bisherigen Buchungen für die neue Saison wird deutlich, dass das Reisefieber der Menschen ungebrochen ist. So erlebt schon die Eröffnungsreise, die nach Istrien führen soll, beachtlichen Andrang. "Die Leute meiden die Massendestinationen", weiß Wichler.

Gefragt sind vor allem Reisen innerhalb Deutschlands und die Flusskreuzfahren, die man in der Corona-Entspannungsphase im Sommer ins Programm nahm.

"Bring den Zauber des Tourismus zurück", bittet der Unternehmer aus Burgpreppach in dem eingangs erwähnten YouTube-Video in einem fiktiven Brief an den Weihnachtsmann: "Eine Welt ohne Reisen ist wie ein Winter ohne Weihnachtszauber."