Viele Bürger sorgen sich um ihren Sommerurlaub und fordern Signale von der Politik. Noch gibt es keine genauen Perspektiven, und manche befürchten einen Kollaps der Reisebranche, die von der Corona-Krise mit am stärksten gebeutelt wird mit Umsatzeinbußen bis zu 90 Prozent. Klaus Wichler, Geschäftsführer von "Frankenland-Reisen" in Burgpreppach, dessen Unternehmen im letzten Jahr 50-jähriges Bestehen feierte, schildert seine "Reise durch die Krise".

Redaktion: Wie muss man sich die Arbeit in ihrem Unternehmen derzeit vorstellen?

Klaus Wichler: Wir haben im Januar/Februar viel Leidenschaft und Engagement in die Saison 2020 investiert und wurden auch mit sehr guten Buchungszahlen belohnt. Bereits Anfang März, noch vor offiziellen Reisewarnungen, haben wir einen Großteil der Reisen zum Schutz unserer Gäste und Mitarbeiter umgebucht. Dies wurde von unseren Kunden auch sehr positiv angenommen.

Unsere Busse wurden dann noch zum Rücktransport von deutschen Urlaubern mit von der Regierung arrangierten Flugzeuge aus Marokko eingesetzt, und anschließend wurde der gesamte Buspark abgemeldet. Ebenso mussten wir für alle Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden und kümmern uns nur noch mit einem kleinen Kreis um die Rückabwicklung und Stornierung von gebuchten Reisen.

Ihr Telefon steht kaum still. Worum geht es in diesen Gesprächen vor allem?

Momentan werden größtenteils Stornierungen bearbeitet. Jedoch glauben wir fest an den Tag nach Corona, und dann werden Reisen wieder stattfinden. Wie und in welcher Form und welche Destinationen zuerst sicher bereist werden können, wird sich in den nächsten Wochen herausstellen. Hierzu sind wir ständig in Telefon- und Videokonferenzen sowie in Arbeitsgruppen mit deutschen und ausländischen Institutionen, Verbänden und vielen Kollegen im Austausch.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie?

Die Masse der Stornierungen in sehr kurzer Zeit stellt eine große Herausforderung dar. Auch die Fluggesellschaften, die Kreuzfahrtindustrie und die Hotellerie sind schnell an ihre Grenzen gekommen, und deswegen dauert auch die Abwicklung der Vorgänge sehr lange. Auf der anderen Seite zwingt uns die aktuelle Situation, das Reiseprogramm für das restliche Jahr und das Jahr 2021 anzupassen.

Wie sehen nun die konkreten Planungen aus?

Auch den neuesten Hinweisen kann man entnehmen, dass der Sommerurlaub nicht gänzlich entfallen muss. Er wird sich aber definitiv in vielen Bereichen und Destinationen verändern. Für den Herbst erwarte und wünsche ich mir ein langsames Erholen und das Wiedereinsetzen von Reisen. Das wird aber sicher nur unter dem Gesichtspunkt zu sehen sein, dass viele Bestandteile der Reise mit sehr wachsamen Augen geplant werden müssen.

Die Touristikbranche ist wohl durch die Corona-Krise mit am meisten getroffen und hat mit großen Umsatzeinbußen zu kämpfen. Wie steht es da mit der Unterstützung durch die Politik?

Als mittelständisches Unternehmen haben wir bereits 15 000 Euro Soforthilfe vom Staat erhalten. Diese wurde auch sehr schnell und problemlos zur Verfügung gestellt, wofür wir sehr dankbar sind. Allerdings ist dies auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man bedenkt, dass wir in Burgpreppach schon 50 Mitarbeiter beschäftigen und in unseren Partnerbüros noch einmal 140 Personen für uns tätig sind. Wir haben bis Ende Mai schon über 2500 Personen abgesagt, und die Problematik ist hierbei, dass unsere Lieferanten und Partner häufig nur Gutscheine statt Rückerstattungen gewähren.

Gibt es bei diesem Spagat zwischen dem Wunsch auf Gesundheit für die Reisekunden und den Problemen des eigenen Unternehmens sowie der Sorge um die Mitarbeiter auch einen positiven Blick in die Zukunft?

Finanziell wird 2020 mit Sicherheit nicht zu unseren Top-Jahren gehören, und es wird uns schwer treffen. Wir werden aber trotzdem die Zeit nutzen, um positiv vorauszuschauen und die eine oder andere Erfahrung aus dieser schweren Zeit mit in die Zukunft zu nehmen. Ein großer Dank gilt hier unserem gesamten Team, das mit vollstem Vertrauen hinter uns steht und die Firma unterstützt. Mit gemeinsamen Kräften arbeiten wir daran diese schwere Phase zu überwinden. Genauso dankbar sind wir auch unseren Kunden für ihr Verständnis. Auch hier erleben wir ein Grundvertrauen, welches wir sehr schätzen.