Wintereinbruch im Heimatmuseum Ebern: Für rund zwei Monate ist der Eingangsbereich des Hauses am Marktplatz 42 gleich neben dem Grauturm schneesicheres Gebiet. Der Bürgerverein als Betreiber des Museums erinnert mit einer Sonderausstellung an Zeiten, in denen auch in den Haßbergen die Winter noch weiß waren und die Kinder ganze Nachmittage auf den Schlitten- oder Skipisten rund um Ebern verbrachten.

Mit Fragezeichen

Freilich war das kein Vergleich mit den Abfahrten in den alpinen Wintersportparadiesen heutiger Tage, aber einen Heidenspaß hatte die Jugend an den Rodelhängen am Steinberg, am Glöcknerberg oder am Freibadberg allemal. "Was waren das für Winter früher", seufzt Stefan Andritschke, der Initiator der neuen Ausstellung "Winterfreuden von gestern?". Das Fragezeichen ist mit Bedacht gesetzt, als Anregung zum Nachdenken über den absurden Skizirkus, der jährlich in Ischgl und Co. veranstaltet wird. Aber auch weil der Traum von verschneiten Landschaften zunehmend dem Klimawandel zum Opfer fällt. Wie viele Kinder warten inzwischen bei Wintereinbruch vergeblich auf den Einsatz ihrer Rodelschlitten und Plastikbobs? Wie viele wollen es kaum glauben, wenn Großeltern von metertiefem Schnee oder dem Bau von Iglus erzählen, in denen man spielen konnte.

Stattliche Schneeberge

Richtig imposant ist das "Skigebiet" geworden, das Schreiner Andreas Remshardt in den Museumsraum gezaubert hat. "Der schneereichste und höchste Berg, der jemals im Heimatmuseum Ebern stand", meint Stefan Andritschke. Genauer gesagt sind es sogar zwei Pisten - Skiberge aus Spanplatten und schneeweiß übertüncht - auf denen historische Schlitten, hölzerne Skibretter und andere Wintersportgeräte zu bewundern sind. Dazu gibt es alte Bilder zu sehen, Fotobeweise dafür, dass die Schnee-Erzählungen der Alten keine Erfindung sind.

Historische Winterbekleidung, darunter auch geflickte Skiunterwäsche, erzählt von einer Zeit, als man statt auf Hightech-Funktionstextilien noch auf Zwiebeltechnik setzte. Neben Schätzen aus dem Museumsbestand gehören Leihgaben zu den Ausstellungsstücken.

Ein Bruchstück mit Geschichte

Der Besucher entdeckt eine abgebrochene Skispitze, die an eine Bruchlandung beim ersten Skikurs des Gymnasiums 1971 erinnert. Robust und scheinbar unverwüstlich stehen selbstgezimmerte Holzschlitten zur Abfahrt bereit und elegant kommt ein metallener Schlitten daher, der einen damenhaften Ausflug auf der Eisbahn ermöglichte. Stolz zeigt Museumsdirektor Ingo Hafenecker einen Minibob-Lenkschlitten aus DDR-Zeiten, hergestellt im VEB Sportgerätewerk Karl-Marx-Stadt, an dessen Lenker eine Puppe Platz genommen hat.

Beiträge werden erbeten

Solche Leihgaben sind gerne gesehen. Wer zudem eine schöne Winter-Geschichte oder eine alte Fotografie beisteuern will, ist eingeladen, sich an Stefan Andritschke unter der Telefonnummer 09531/944880 zu wenden oder im Heimatmuseum vorbeizukommen. Dort steht eine Pinnwand für Fotos und Erzählungen bereit.

Fragebogen

Nebenher findet eine Befragung der Gäste statt, um herauszufinden, wer das Museum besucht, wie die Präsentation ankommt und was sich die Besucher wünschen. Das Museum, das bald 50 Jahre alt wird und fast 2,5 Millionen Besucher anzog, will schließlich auch für die Zukunft attraktiv bleiben.

Die Öffnungszeiten

Museum Das Heimatmuseum hat jeweils sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Die Sonderausstellung "Winterfreuden" läuft bis 20. Dezember.

In der Xaver-Mayr-Galerie ist noch bis 29. November die Ausstellung mit Bildern von Isabell Heusinger zu sehen.