Wenn der arbeitslose Angeklagte nicht bereits mehrfach vorbestraft wäre und wenn er nicht unter laufender Bewährung stände, wären die Juristen nicht abgeneigt gewesen, den Prozess einzustellen. Tja, wenn das Wörtchen wenn nicht wäre...

Die Sache hatte Brisanz

So aber muss der langjährige Dachdecker wegen einer Fast-Rauferei in einer Haßfurter Kneipe, bei der ein anderer Gast zu Boden ging und sich leicht am Ellbogen verletzte, eine Geldstrafe in Höhe von 900 Euro berappen.
Was sich nachts um halb Zwei am Samstag, den 20. Oktober, genau abspielte, ließ sich am Freitag auch durch die Aussage einiger Zeugen nicht mehr schlüssig aufklären. Das kann nicht verwundern, denn: Praktisch alle Kneipenbesucher hatten zu diesem Zeitpunkt einiges getrunken - "und das nicht zu wenig", wie die damalige Wirtin den Zustand der Wirtshausbesucher beschönigend umschrieb.
So hatte einer derjenigen, die die Polizei in dieser Nacht blasen ließ, "stolze" 2,76 Promille im Blut.

Fest steht, dass damals zwei Streithähne aufeinander trafen. Deren gegenseitige Abneigung rührte von früheren Händeln her, und, man ahnt es schon: Es gab Theater um eine Frau.
Obwohl zwischenzeitlich keiner der Beiden mehr Chancen bei der Umworbenen hat, besteht deren gegenseitiges Feindschaftsverhältnis weiter.

Nur gemütlich ein Bierchen...

Der 36-jährige Beschuldigte gab an, damals bereits nach Mitternacht in seine Stammkneipe gegangen zu sein, um noch ganz gemütlich ein Bierchen zu trinken. Kaum im Gastraum, sei er von seinem Widersacher schon mit den Worten "Na du Arsch, bist ja auch schon wieder da" begrüßt worden.

Daraufhin, gab der Angeschuldigte zu, sei er aufgebraust und in Richtung seines Erzfeindes gestürzt. Drei oder vier andere Gäste hätten sich aber in den Weg gestellt. Ohne sein Zutun wäre dann der ehemalige Nebenbuhler "aus heiterem Himmel" zu Boden gestürzt.

Der Angeklagten vermutete auch ein ganz handfestes Motiv für die "Schwalbe": Der verhasste Gegner wusste von der Bewährung, unter der er stand, und wollte die Gelegenheit nutzen, ihm eins auszuwischen.
Logisch, dass die Version des Geschädigten, der damals mit 1,82 Promille auch gut dabei war, anders klang. Möglicherweise sei er aufgrund seiner Verfassung nicht mehr ganz standfest gewesen, mutmaßte Rechtsanwalt Tilman Fischer. Ob der Rempler gegen die Brust des Opfers direkt oder nur indirekt von dem Arbeitslosen herrührte, ließ sich ebenfalls nicht aufhellen.

Andere gingen dazwischen

Unbestritten blieb, dass die aggressive und aufgeheizte Stimmung durch seinen Mandanten entstanden war und Schlimmeres nur dadurch verhindert wurde, dass andere Männer dazwischen gingen. Die rechtskräftige Geldstrafe in Höhe von 30 Tagessätzen zu je 30 Euro darf der Verurteilte in Raten abstottern. Das Wichtigste für ihn: Seine Bewährung wurde nicht widerrufen.