Eine Wiese in der Kindergartenstraße - darauf ein kleiner Heuhaufen - der Einschlagsort meines Dartpfeils in Breitbrunn. Nein, nicht Breitbrunn am Chiemsee, wo im Sommer das Leben tobt, Breitbrunn in Unterfranken, genauer im Landkreis Haßberge. Jenem Breitbrunn, das zur Verwaltungsgemeinschaft Ebelsbach gehört, und wo ich und mein Kollege Matthias Hoch an einem sonnigen Sommertag um die Mittagszeit zunächst einmal keinen der gut 1000 Breitbrunner zu Gesicht kriegen. Keine Menschenseele, der Ort wie ausgestorben.

Was tun? Wir entscheiden uns für einen Fußmarsch Richtung Kirche und Ortsmitte. Auch im Gotteshaus findet sich niemand. War ja fast zu erwarten. Also weiter Richtung Ortsmitte, quer durch den direkt neben der Kirche befindlichen Friedhof. Etwas fällt auf - die Breitbrunner pflegen die Vorgärten ihrer Häuser. Da finden sich dekorativ umgerüstete früher Milchkannen, ebenso wie bunte, auf umgekehrte Tonblumentöpfe montierte Metallhähne. Alles schön und gut, aber wo bleiben die Breitenbrunner? Nach einer halben Stunde finden wir zwei ins Gespräch vertiefte Männer, genau in der Ortsmitte. Hartmut sitzt auf seinem Traktor und unterhält sich mit seinem Schwager Georg. Die beiden haben es eilig, der Hartmut muss heim, es gibt Kotelett zum Mittagessen. Wir halten ihn noch ein wenig auf. Wollen wissen, was er außer Traktorfahren noch so treibt. Landwirt im Nebenerwerb sei er, und die Frau hält sich Pferde, rein hobbymäßig.


In Breitbrunn hilft man sich

Und was ist sonst noch los im Ort? Einen Sport- und Musikverein gibt es, dazu die Feuerwehr. Das war's auch schon - beinahe. Halt, einen Bäcker noch. Jetzt drängt aber die Zeit. Der Hartmut muss heim zum Essen, lädt uns freundlicherweise gleich noch mit ein ("Meine Frau kocht immer etwas mehr"). Wir lehnen dankend ab, wollen erst noch zu dem Bäcker, offenkundig mit seinem Geschäft der Treffpunkt in Breitbrunn schlechthin.
Das Geschäft von Christoph Strohmenger erweist sich nicht nur als Bäckerei, sondern als ein richtiger kleiner Supermarkt. An einem kleinen Tisch mit drei Stühlen kann man sogar in Ruhe einen Kaffee trinken. Nadine Gerber, die Verkäuferin hinter der Theke, holt auf unsere Nachfrage gleich den Chef, wie sich herausstellt auch Nadines Lebensgefährte. Der 36-jährige Bäckermeister mit Mehrtagebart kennt mehr als nur Breitbrunn. Ein Jahr lebte er in Berlin, in Frankfurt machte er seinen Meister. Aber am wohlsten fühlt er sich in Breitbrunn. Hier kennt jeder jeden. Hier hilft man sich.

Das schätzt der Bäcker, der all das, was er in seinem Laden an Backwaren anbietet, auch selbst produziert. Und das sieben Tage in der Woche. Durchaus anstrengend sei das, bekennt er freimütig. Aber gerade am Sonntag mache er mit seiner frischen Ware das beste Geschäft. Familienplanung? Der Christoph blickt in Richtung seiner Nadine, lächelt. "Naja, schaun mer mal". Seinen Betrieb, vor allem den kleinen Supermarkt, wo es vom Waschmittel bis zum Einmachgewürz so allerhand gibt, will er so schnell nicht aufgeben. Wichtig für die Breitbrunner. Keine Schule, keine Apotheke, kein Arzt, keine Bank, keine Tankstelle. Wenigstens einen Bäcker hat man noch im Ort.

Es geht weiter. Einen neuen Kreuzweg soll es geben. Wir fahren die einzelnen Kreuzwegstationen ab. Laufen würde zu lange dauern. Die erst 2011 eingeweihten einzelnen Stationen sind durchaus beeindruckend. Die Schweinfurter Bildhauerin Steff Bauer setzte auf eine möglichst realistische Darstellung der Figuren, arbeitete mit Findlingen aus den Steinbrüchen rund um Breitbrunn. Wer sich einmal in der Nähe befindet, der Kreuzweg ist einen Abstecher wert. Über einige Feldwege gelangen wir zu einem der Breitbrunner Steinbrüche. Einem, wo noch abgebaut wird. Georg Mühlrath arbeitet hier. Bricht mit seiner Maschine 20-Tonnen-Stücke aus dem Fels. Sandstein, der als Mauerstein ebenso taugt wie für Fassaden oder Gesimse.


Im Steinbruch zerfällt der Kopf von Donald Sutherland

Nicht weit davon entfernt ein weiterer Steinbruch. Hier wird nicht mehr abgebaut. Die Gegend schaut aus wie ein Abenteuerspielplatz. Hier soll einmal ein Steinbruchmuseum entstehen, war zu erfahren. So richtig auffällig ist ein metergroßer Sandsteinkopf, in mehrere große Stücke zerfallen. Ebenfalls geschaffen von der Bildhauerin Steff Bauer und ihrem Freund - einWerbegag für den Hollywoodfilm "Die Tribute von Panem". Fast wie die Präsidentenköpfe von Mount Rushmore - hier allerdings der Kopf von Donald Sutherland. Ein klein wenig Hollywood in Breitbrunn.