In einer Discothek in Unterpreppach waren am frühen Morgen des 12. November 2017 unter reichlichem Alkoholeinfluss wieder einmal die Fäuste geflogen. Mehrere Personen erlitten bei der Schlägerei Hämatome am Kopf, ein Gast wurde eine Treppe hinuntergestoßen und hatte danach eine große Beule am Kopf.

Am gestrigen Montag saß ein 23-jähriger Discobesucher, der selbst bei der Schlägerei einen Nasenbeinbruch erlitten hatte, auf der Anklagebank des Amtsgerichts Haßfurt. Ihm warf die Staatsanwaltschaft vor, zwei andere Gäste mit der Faust traktiert und bei einem Prozess im Februar vergangenen Jahres als Zeuge die Unwahrheit gesagt zu haben. Damals hatte der Angeklagte als Zeuge ausgesagt, niemanden geschlagen zu haben.

Seine Unschuld beteuert

Auf der Anklagebank blieb er bei seiner Aussage von damals und beteuerte seine Unschuld durch seinen Anwalt Thomas Drehsen. Ein Polizeibeamter, der damals zum Tatort gerufen worden war, sagte, dass damals drei Zeugen einen der Beteiligten als Schläger belasteten, der daraufhin einen Strafbefehl zur Zahlung von 4800 Euro erhielt.

Freunde des vermeintlichen Übeltäters meldeten sich daraufhin - fast zwei Monate nach der Tat - in der Polizeiwache in Ebern und gaben zu Protokoll, dass nicht ihr Kumpel, sondern der Angeklagte zugeschlagen habe. Ihn hätten sie auf der Internetplattform Facebook wiedererkannt.

Richter Martin Kober hielt den Zeugen vor, dass sie am Tag nach der Tat, nachdem sie ihren Rausch ausgeschlafen hatten, nichts gesehen haben wollten.

Für den Staatsanwalt war die Beweislage aufgrund der abweichenden Zeugenaussagen "zu dünn". Er forderte daher - was ein Staatsanwalt nur sehr selten tut - Freispruch für den Angeklagten, dessen Bundeszentralregisterauszug noch ohne Eintrag ist. Der Verteidiger schloss sich freilich dem Antrag seines Kollegen an. Dass Zeugen fast zwei Monate nach der Tat eine bessere Erinnerung hätten als zum Tatzeitpunkt sei unglaubwürdig, meinte er.

Richter Martin Kober sprach den Angeklagten schließlich frei. Der "Kardinalfehler" der Zeugen sei gewesen, dass sie bei der ersten polizeilichen Vernehmung wohl die Unwahrheit sagten, als sie behaupteten, nichts gesehen zu haben. Dies habe zu Zweifeln geführt, vieles sei im Dunkeln geblieben. "Das Verfahren hätte man sich sparen können. So bringt man einen Montagvormittag auch rum", meinte der Vorsitzende leicht resigniert.