Als Roland Mayer zum ersten Mal mit zittrigen Knien als Lehrer vor einer Klasse stand, war er 24 Jahre alt. Laura Klement war da noch gar nicht geboren.

Heute, 36 Jahre später, arbeiten die beiden Ebelsbacher als Lehrer an der Dreiberg-Schule (Grund- und Mittelschule) in Knetzgau. Ihre ersten Jahre im Schuldienst aber hätten unterschiedlicher nicht sein können.
Im ersten von insgesamt drei Jahren als Referendar unterrichtete Roland Mayer in Oberschleichach. Nach kurzer Zeit hatte er sich daran gewöhnt, dass seine Hände von der Tinte der Matritzen, mit deren Hilfe er die Arbeitsblätter vervielfältigt hat, blau/schwarz waren. Jeden Morgen schürte eine ältere Frau den Ölofen im Schulhaus an.

Die Kinder der zwei nach Oberschleichach ausgelagerten Klassen der Hauptschule Eltmann begrüßten ihn mit "Herr Lehrer". Wenn er seinen Schülern - ganz der fortschrittliche Junglehrer - Dias zeigen wollten, liefen ein paar von ihnen los, um die Fenster mit einsetzbaren Rahmen zu verdunkeln.

Wetter bestimmte Pausenlänge

"Wenn es geregnet hat, waren die Pausen kürzer, und wenn die Sonne geschienen hat, länger", erinnert sich Mayer zurück. Heute lässt der Schulalltag keine großen Abweichungen mehr zu.
Wie zum Beweis blickt Lehrerkollegin Laura Klement verstohlen auf die Armbanduhr. Die Zeit rennt, und die 29-Jährige, die in diesem Jahr keine Klassenleitung hat, pendelt, mit Gitarrentasche und zwei Körben bepackt, zwischen den Klassenzimmern hin und her.

1981 kam Roland Mayer nach Knetzgau - und blieb dort bis heute. Das hat er nicht nur seinen pädagogischen Fähigkeiten zu verdanken, sondern insbesondere seinen sportlichen. "Ich hatte Glück: In Knetzgau war die Fußball-Kreismannschaft der Lehrer daheim. Und die brauchten einen Torwart", erzählt er mit einem breiten Lächeln. Er ging ins Tor.

Obwohl die Referendarzeit des heute 60-Jährigen in der Rückblende idyllisch erscheint, hatte er damals schon mit denselben Problemen zu kämpfen wie seine jungen Kollegen heute. "Das Studium bereitet einen nicht aufs Unterrichten vor", sagt er, und Laura Klement nickt bestätigend.

Dabei musste sie in Bamberg fünf Jahre lang Lehramt studieren, während Mayer (damals noch an der Pädagogischen Hochschule) nur drei Jahre zu belegen brauchte. Der Arbeitsaufwand für Referendare, Stunden vorzubereiten, war damals wie heute enorm. "Wir mussten jede Stunde bis ins Detail schriftlich beschreiben. So richtig mit ,Der Lehrer sagt', ,Der Schüler sagt', ,stummer Impuls' und so weiter", beschreibt Laura Klement.
Die Lehrergewerkschaft GEW geht bei Referendaren von einer durchschnittlichen Arbeitsbelastung von 60 Stunden pro Woche aus. Wer im zweiten Staatsexamen nicht die geforderte Staatsnote (und damit die Verbeamtung) erreicht, landet mit viel Glück im Angestelltenverhältnis und immer öfter auf der Warteliste für den Schuldienst. "Bekommt man innerhalb von fünf Jahren keine Anstellung, steht man auf der Straße", erklärt Laura Klement. Sie sagt: "Auch Lehrer haben Existenzängste."

Die muss sie zum Glück nicht haben: Seit zwei Jahren ist sie verbeamtet. Nun versucht sie, wie Roland Mayer, möglichst gut mit den Problemen der Neuzeit umzugehen. "Geschockt war ich, als ich mit einer zweiten Klasse ins Schwimmbad bin und 22 der 24 Kinder nicht schwimmen konnten", erzählt sie. Beiden Lehrkräften begegnet pro Klasse mindestens ein Schüler mit Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörung und/oder mit Legasthenie.
Dafür ließen sich die Kinder heute durch erstaunlich einfache Dinge begeistern. "Viele wohnen auf dem Land, aber waren noch nie im Wald", erzählt Laura Klement. Ein Regenwurm sei für sie das Größte.