Wer ein Bauzimmer hat, hat Erfahrung mit dem Bauen. Das gilt auch für Kinder. Wer öfter in einem Bauzimmer spielt, weiß, was auf dem Bau abgeht. Gibt's da etwa Zweifel? Nein! Deshalb war es für Linus, Emil, Dominik, Sarah, Sam, Elias, Salim, Huy Ahn und Lena sowie weitere Buben und Mädchen aus der Mittagsbetreuung der Grundschule in Zeil selbstverständlich, dass sie dieser Tage mit anpackten und ihre Spielsachen - zum Beispiel aus dem Bauzimmer - in ihre neue Unterkunft brachten. Die ist nur wenige Meter entfernt und befindet sich ab dem kommenden Schuljahr in der Grundschule in Zeil.

Hintergrund ist, dass ihre bisherigen Räume im Caritashaus nicht mehr genutzt werden können. Das Gebäude neben der Schule wird umgebaut. Im Frühjahr 2021 soll das Millionenprojekt nach städtischen Angaben beginnen. Es hat sich verzögert. In ersten Überlegungen war der Baubeginn für Frühjahr/Sommer 2020 angedacht gewesen. Das klappte aber nicht.

Die Vorbereitungen sind indes bereits voll im Gange, eben auch mit dem Umzug der Grundschulbetreuung. Mit dem Umbau werden vier Kinderkrippengruppen im Caritashaus geschaffen. Die Räume werden im sogenannten Langbau untergebracht. Unter der Trägerschaft der Caritas werden die entstehenden vier Krippengruppen betrieben. Die Caritas, genauer gesagt, der Caritasverein Sankt Michael Zeil, führt auch den Kindergarten am Haardtweg und die Grundschulbetreuung, deren Gruppen im Caritashaus (zwei Gruppen) und im ehemaligen Hausmeisterhaus der Grundschule (eine Gruppe) untergebracht sind. In Zeil gibt es ferner Kinderbetreuung unter dem Dach der evangelischen Kirchengemeinde im "Regenbogenhaus" am Söhrlein (Krippen- und herkömmliche Kindergartengruppen).

Mit dem Umbau für die Krippenplätze ist eine Sanierung des kompletten Caritashauses verbunden, in dem neben der Grundschulbetreuung auch Räume für Vereine und die Jugendarbeit vorhanden sind. Möglich wurde der Umbau, weil das Fotomuseum im Langbau aufgelöst worden ist. Mit dem Tod des Initiators und Sammlers Gerhard Binder konnte das Museum nicht mehr gehalten werden. Teile der Ausstellung hat ein ähnliches Museum im mittelfränkischen Plech übernommen.

In den letzten Tagen des Schuljahres haben die Kinder ihre Spielsachen aus den Betreuungsräumen im Caritashaus in die benachbarte Marienschule (Grundschule) getragen. Die Buben und Mädchen machten gerne mit, lobt die Leiterin Susanne Langer ihre Schützlinge. Der Umzug sei Teil der pädagogischen Arbeit, sagt die Diplompädagogin. Sie rechnet damit, dass im Frühjahr 2022 der Umzug in die andere Richtung stattfinden kann - nach über einem Jahr im Provisorium; dann soll das Millionenprojekt Umbau und Sanierung des Caritashauses abgeschlossen sein.

Die Grundschulbetreuung in Zeil ist gefragt. Derzeit werden in den drei Gruppen 84 Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse betreut. Für das kommende Schuljahr liegen laut Susanne Langer bereits über 90 Anmeldungen vor. "So viele waren wir noch nie", erklärt die Leiterin. Sie geht davon aus, dass das auch so bleiben wird, zumindest in naher Zukunft. Das hat mehrere Gründe.

Nach ihrer Darstellung gibt es immer mehr Familien, die eine Betreuung für ihre Kinder brauchen und wünschen. Sei es aus beruflichen oder aus familiären Gründen. Dazu kommt in Zeil, dass jetzt Kinder aus geburtenstarken Jahrgängen schulreif werden. Und: Erstmals seit einigen Jahren ist es nicht gelungen, eine Ganztagesklasse an der Grundschule zu bilden. Von dort "haben wir zwei Kinder geerbt", schildert Susanne Langer. Dass es "nur" zwei Kinder sind, hat wohl damit zu tun, dass die Ganztagesklasse üblicherweise in Sand eingerichtet wird und Sand eine eigene offene Betreuung hat wie Zeil.

Dass die Grundschulbetreuung gefragt ist, hat laut Susanne Langer auch damit zu tun, dass die Einrichtung sehr flexibel auf Wünsche der Eltern reagieren kann. Hat die Oma zum Beispiel Geburtstag, kann das Kind der Betreuung am Nachmittag auch mal fernbleiben, wenn dies so zwischen Betreuerinnen und Eltern vereinbart worden ist. In der Ganztagsklasse der Grundschule geht das nicht. Unterricht ist Unterricht - auch am Nachmittag.

Die Frage, die sich im Moment alle stellen, ist: Wie geht es mit der Schule und damit auch mit der Betreuung im September im neuen Schuljahr weiter? Die Corona-Pandemie hat zuletzt viel durcheinandergewirbelt. Susanne Langer hofft, dass es einen Schulbetrieb ohne Störungen oder Einschränkungen geben wird. "Es wäre gut, wenn wir zu normalen Verhältnissen zurückkehren könnten", sagt sie. Das wäre gut für die Kinder, die Lehrer, die Eltern und die neun Mitarbeiterinnen in der Grundschulbetreuung.

Bedenken hat sie dahingehend, dass Familien das Coronavirus aus dem Urlaub mitbringen. Sie hofft, dass die Eltern vernünftig sind und sie wie auch ihre Kinder sich nicht infizieren.

Sollte sich Corona wieder ausbreiten, könnte das bedeuten, dass es wieder Notbetreuung geben wird oder eine reduzierte Betreuung, weil die Schulklassen für den Präsenzunterricht geteilt werden. So ist es in den vergangenen Wochen und Monaten gelaufen. Als die Schulen geschlossen worden sind, hatte die Grundschulbetreuung eine Notbetreuung für die Kinder eingerichtet, die nicht zu Hause bei den Eltern bleiben konnten. Als der Unterricht wieder anlief - mit geteilten Klassen -, wurden auch die Buben und Mädchen wieder betreut, allerdings nicht in voller Gruppenstärke. "Es war spannend zu sehen, welches Kind kommt und welches nicht", erinnert sich Susanne Langer an diese Zeit vor dem Beginn der Sommerferien.

Sowohl die anfängliche Notbetreuung als auch die spätere reduzierte Betreuung hat die Grundschulbetreuung in Zeil nach Ansicht ihrer Leiterin gemeistert. Im Prinzip sei alles gut gelaufen, erklärt sie. Zu verdanken ist das vor allem der Flexibilität der Mitarbeiterinnen, und die Kinder haben mitgemacht. In den großen Räumen der Grundschulbetreuung sei es einigermaßen möglich gewesen, Abstände einzuhalten, und die Kinder haben die Schutzmasken aufgesetzt. "Das ging ohne Probleme", beschreibt die Leiterin, weil die Buben und Mädchen verstanden haben, worum es geht und worauf es ankommt. Die Kinder haben die Masken sogar als etwas Besonderes angesehen, weiß Susanne Langer. "Sie tragen ihre Masken voller Stolz."

Grundschulbetreuung und Kindergartenplätze in Zeil

Die Grundschulbetreuung in Zeil ist im Jahr 1999 ins Leben gerufen worden. Sie besteht damit bereits über 20 Jahre. Leiterin ist seit vielen Jahren die Diplompädagogin Susanne Langer.

Aus einer Gruppe sind mittlerweile drei Gruppen geworden. Zwei sind im Caritashaus untergebracht, die dritte Gruppe im ehemaligen Hausmeisterhaus der Grundschule. Dort werden sie auch nach Umbau und Sanierung des Caritashauses wieder sein.

Die drei Gruppen haben die Bezeichnungen Sonne-, Mond- und Sternengruppe. Neun Mitarbeiterinnen kümmern sich um die Kinder. Im Schuljahr 2019/2020 waren 84 Buben und Mädchen registriert. Für das kommende Schuljahr liegen über 90 Anmeldungen vor.

Mit dem Umbau des Caritashauses will die Stadt die Kapazitäten für die Betreuung von Kindergarten- und Krippenkindern erhöhen. Es entstehen insgesamt 50 neue Kindergarten- und 24 neue Krippenplätze. Im Caritashaus finden zukünftig vier Krippengruppen Platz. Weitere zwei Krippengruppen gibt es bereits im evangelischen Kindergarten, und das bleibt auch so. Insgesamt werden es also 72 Plätze für Krippenkinder in sechs Gruppen sein.

Die Kindergartenplätze erhöhen sich auf insgesamt rund 200. Sechs Gruppen werden im Caritaskindergarten am Haardtweg untergebracht (zwei mehr als bisher, dafür entfallen dort die beiden Krippengruppen), und zwei weitere Gruppen sind es im evangelischen Kindergarten am Söhrlein (wie bisher). Eine Regelkindergartengruppe hat normalerweise 25 Kinder.