Der Schlüssel ist ein sehr nützliches Werkzeug, aber auch vielfältiges Symbol. Für viele Flüchtlinge, die vor dem inzwischen fünfjährigen Krieg in Syrien flohen, ist der Schlüssel ihrer Wohnung, ihres Hauses, "das Symbol für alles, was sie haben, für alles, was sie zurückgelassen haben und für die Hoffnung auf Heimkehr", mit diesen Worten führte Stefan Teplan von Caritas International in die Ausstellung "Keys of hope" ein, die bis zum 3. August in der Ritterkapelle zu sehen ist. Mit einem interreligösen Gebet wurde sie am Samstag eröffnet.


Flucht nach Ägypten


Pfarrer Stefan Eschenbacher und Imam Mohammed-Nour Alazez gestalteten dieses Gebet, in dem die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten in den Mittelpunkt gestellt wurde. Pfarrer Eschenbacher erklärte, dass es einige Personen gibt, die sowohl im Koran, als auch in der Bibel vorkommen, wie Abraham, Mose, der Prophet Ijob und Jesus.

Hohe Verehrung erfahre auch im Koran Maria, die Mutter Jesu. Im Koran werde sie Maryam genannt und als "Siddiqa", als "Wahrhaftige" bezeichnet. Maria sei ein Bindeglied zwischen Muslimen und Christen, und deshalb sei die Ritterkapelle als Marienkirche der richtige Ort für diese Ausstellung.

Außerdem sei auch Maria ein Flüchtling gewesen: geflohen vor Herodes, Spielball der Mächtigen. "Geschichte wiederholt sich immer wieder. Heute sind aus Syrien und aus vielen andren Ländern Menschen auf der Flucht - Christen wie Muslime - weil Stellvertreterkriege geführt werden. Und dabei geht es bis heute immer um Macht", so Pfarrer Eschenbacher.


Der Schlüssel als Symbol

Viele Flüchtlinge hätten nur mitnehmen können, was sie am Leibe trugen, und ihren Haustürschlüssel: "Dieser Schlüssel ist Erinnerung an die Heimat und zugleich Hoffnung auf ein Zuhause". In der Ausstellung erzählen Menschen die Geschichte hinter diesem Schlüssel - Auf Ausstellungswänden und in Interview-Filmen, die unter die Haut gehen.

"Die Ausstellung will deutlich machen, dass hinter jedem Schlüssel ein Mensch und ein Schicksal stehen", erklärte Pfarrer Eschenbacher, der davor warnte, dem allgemeinen Trend zu Verallgemeinerungen nachzugeben. "Wenn die Ausstellung hilft, sich zu informieren und differenzierter zu sehen, dann hat sie viel erreicht", erklärte er.

Der Pfarrer dankte Caritas International für die Konzeption der Ausstellung und dem Kreis-Caritasverband für die Kooperation mit der Pfarrei St. Kilian, um die Präsentation nach Haßfurt zu holen.


Das Bild des Islam

Mohammed-Nour Alazez sah in der Ausstellung einen Beitrag in dem Bemühen, das Bild des Islam zu korrigieren, der in Europa oft nur mit Terror in Verbindung gebracht werde. Dabei sei "der Islam die Religion der Liebe und des Friedens, und alle Muslime sind dazu aufgerufen, diese Lehren zu vermitteln".

Das müsse man zeigen im Umgang mit den Menschen "in diesem Land, das uns Sicherheit und Unterstützung bietet", richtete er sich an seine Landsleute. Er forderte sie dazu auf, dazu beizutragen, dass auch weiterhin "hier in diesem Land alle Menschen ihre Religion und Kultur frei ausüben dürfen. Dafür müssen wir ein gutes Beispiel geben".

Stefan Teplan von Caritas International bedauerte, dass die kontroverse Diskussion des Flüchtlings-Themas derzeit "Deutschland ein zweites Mal teilt, diesmal auf geistiger Ebene". Er machte deutlich, dass hinter jeder Flucht ein großer Leidensdruck stehe. 65 Millionen Menschen seien derzeit weltweit auf der Flucht "das ist der größte Exodus der Geschichte". Knapp 40 Prozent dieser Menschen seien Binnenflüchtlinge innerhalb ihres Landes. Von denen, die das Land verlassen, bleiben vier Fünftel in den unmittelbaren Nachbarländern, und nur eine Minderheit bricht nach Europa auf. "Und sie alle haben die Hoffnung, wieder nach Hause zu gehen, das ist den Rechtspopulisten entgegenzuhalten", so Teplan. Für diese Hoffnung stehen die Schlüssel, denn "Nichts ist wie zuhause - der wärmste Ort auf der Welt", wie es in einem der Interviews heißt.

Im Schatten der Bäume zwischen Ritterkapelle und Caritashaus schloss sich das Fest der Begegnung der Kreiscaritas an.

Die Ausstellung ist bis zum 3. August in der Ritterkapelle zu sehen, sie ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. In wenigen Tagen wird Pfarrer Eschenbacher auch ein Faltblatt erstellt haben, das unter anderem erklärt, dass die Ausstellungs-Tafeln nicht zufällig bestimmten Symbolen der Kirche zugeordnet wurden.


Führungen können gebucht werden

Führungen können beim Caritasverband gebucht werden per E-Mail unter caritas@caritas-hassberge.de oder Telefon 09521/6910. Hier sollten sich zur besseren Koordination auch Gruppen und Schulklassen anmelden.