Jahrzehntelang war das Sparbuch das Lieblingskind deutscher Bürger. Anständige Zinsen, kein Risiko und dazu eine Geldanlage, die auch Laien verstehen - diese drei Fakten lockten viele. Aber ist diese Anlageform noch zeitgemäß? Denn bei der momentan niedrigen Zinslage ist der Geldfluss auf dem Sparbuch mau.

Aber trotzdem: "Unsere Kunden lieben ihr Sparbuch", sagt Jürgen Stark. Der Kundenberater der Flessabank-Filiale in Haßfurt hat tagtäglich mit "Büchla-Sparern" zu tun. "Bei mir geben sich die Sparbuch- und Tagesgeldkunden die Hand", erklärt der Berater. Der Unterschied: Tagesgeld sei an keine Kündigungsfristen gebunden und damit jederzeit verfügbar. Die Abhebesumme von Sparbüchern sei auf monatlich 2000 Euro begrenzt.


Privatkunden wollen Sparbuch

Aber ist ein Sparbuch nicht ganz schön altbacken? "Bei den jungen Leuten ist's vielleicht weniger geworden. Aber mein Jahrgang (Jürgen Stark ist Jahrgang 1960, Anm. der Redaktion), wir haben alle noch unsere Büchla."
Drei Viertel seiner Privatkunden hätten ein Sparbuch. Die meisten nutzten es als Rücklage, "falls mal die Waschmaschine kaputt geht oder das Auto repariert werden muss", sagt Stark. Viele hätten Daueraufträge laufen, um auf dem Sparbuch Geld anzusparen.

Andreas Linder, Vorstandsmitglied der Sparkasse Ostunterfranken mit Hauptsitz in Haßfurt, spricht sogar von einer "Renaissance des Sparbuchs". 48.432 der Sparkassenkunden besitzen eines. Der Finanzexperte folgert daraus, dass jeder zweite Bürger im Landkreis Haßberge ein Sparbuch hat. Auch wenn der Zinssatz nur zwischen 0,2 und einem Prozent liege (der von Wertpapieren allerdings bei null). In den vergangenen zwei Jahren sei die Summe der Spareinlagen (also das Geld, das auf den Sparbüchern angespart wird) um sechs Prozent gestiegen.

Linder vermutet das Erfolgsgeheimnis in der Finanzkrise 2008/2009. Aus Furcht seien viele Kunden zur heimischen Sparkasse und dem sicheren Sparbuch zurückgekehrt. "Die Finanzkrise war letztlich eine Vertrauenskrise", erklärt Andreas Linder.

Die größte Katastrophe aus Sicht des Sparkassen-Vorstandsmitglieds wäre es, wenn die Bürger ihr Geld aus Sorge nicht mehr anlegten, sondern daheim im Sparstrumpf horteten. "Das wäre für die gesamte Volkswirtschaft eine Katastrophe", sagt Linder. "Entzieht der Bürger das Geld der Wirtschaft, bricht sie zusammen", ergänzt er.

Wie Jürgen Stark von der Flessabank hat Andreas Linder beobachtet, dass viele Kunden das Sparbuch nutzen, um einen Notgroschen anzusparen. "Notfall-Liquidation" heißt das im Fachjargon. Bei allem Lob betont Linder aber, dass optimales Sparen auf einer langfristigen Strategie mit verschiedenen Anlageformen beruhe.

Auch Reinhold Nastvogel, das Vorstandsmitglied der Raiffeisen-Volksbank Haßberge (Haßfurt), stimmt in den Lobgesang auf das Sparbuch ein, das "vor zehn Jahren noch totgesagt wurde". Allerdings ist man in den Raiffeisen-Filialen dabei, es durch Sparkontoauszüge zu ersetzen. Denn ein Sparbuch ist eine Urkunde. Wer es verliert, muss erst am Landgericht einen Antrag stellen, um sein Geld zu bekommen. Ein Nachteil also.